Toi, toi, toi - Elke Guller klopft auf die Holzwand hinter ihr. Nie ist etwas passsiert, in all den Jahren, trotz der vielen Zweikämpfe oder dem rutschigen Hallenboden. Ein paar Schürfwunden, eine kleine Kapselverletzung - das war's. In über 30 Jahren Handball. "Wenn man es so sieht, waren meine beiden Schwangerschaften die schlimmsten Verletzungen", scherzt Elke Guller. Aber: Schon vier Wochen nach den Entbindungen stand sie wieder auf dem Feld. Für ihre Mannschaft. Für ihren Sport. "Ohne Handball geht es einfach nicht", sagt Elke Guller schulterzuckend.
Mittlerweile ist sie 51 Jahre, ein Alter, in dem andere sich längst vom Aktiven-Dasein verabschiedet haben. Elke Guller ist immer dabei geblieben, von der 79er-Mannschaft ist sie die einzig Verbliebene. Gerne würde sie noch einige Jahre dranhängen. Doch es naht die Zeit des Abschieds. Nicht nur für Elke Guller wird es die letzte Spielzeit sein.
Auch die Damen-Mannschaft des TSV Iphofen verabschiedet sich nach dieser Saison vom aktiven Spielbetrieb. Eine Entscheidung, die nach 33 Jahren niemandem leicht gefallen ist - letztlich war sie aber unumgänglich. "Irgendwann muss man es eben akzeptieren", sagt Wolfgang Buchardt, der gemeinsam mit dem Iphöfer Handball-Urgestein Georg Klinger die Mannschaft betreut.
In erster Linie ist es die personelle Situation, welche das unweigerliche Aus mit sich bringt: Es fehlt an Spielerinnen. Das ist nicht neu und ein Problem, mit dem praktisch jeder Verein zu kämpfen hat. In Iphofen ist der Aderlass aber so weit vorangeschritten, dass es kaum mehr möglich ist, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen. Schon in der Vorsaison war ein Spielbetrieb nur mit Hängen und Würgen zu ermöglichen. "Kommendes Jahr werden uns wieder Spielerinnen verlassen. Es ist unmöglich, Ersatz zu finden. Sämtliche Aufrufe haben bislang nichts gebracht. Das war es dann für uns", sagt Buchardt.

Der Boom ist vorbei


Die Zeiten, in denen Handball in Iphofen eine große Rolle spielte, sind - so traurig es ist - weitgehend vorbei. Was bleibt, sind wehmütige Erinnerungen an früher. Als Handball noch boomte, als es noch genügend Kinder gab. Als man noch unter sich war. "Damals gab es ja fast nur Derbys, die meisten Spiele fanden in der Florian-Geyer-Halle statt. Jetzt fahren wir zu manchen Spielen 50 Kilometer", sagt Buchardt. Es war die Zeit, als Rödelsee noch eine Damen-Mannschaft unterhielt, in Wiesentheid ebenfalls. Das ist aber längst vorbei. Geschichte.
Handball im Allgemeinen befindet sich auf einem absteigenden Ast, dazu kommt die Konkurrenz mit anderen Sportarten. Und natürlich dem Internet.
Zwar haben in Iphofen wieder Bambinis mit dem Handball-Sport angefangen, als sofortiges Fundament dient es natürlich nicht. "Bis daraus eine neue Mannschaft entsteht, wird viel Zeit vergehen - sicherlich zehn oder zwölf Jahre", glaubt Buchardt. Dann wäre Elke Guller jenseits der 60. Man würde ihr trotzdem zutrauen, wieder mitzumachen. Georg Klinger, dann 85 Jahre alt, sowieso.
Handball wird für Guller ein ewiger Begleiter bleiben. Wenn auch nicht aktiv in Iphofen, irgendwie ist sie immer dabei - mal in der Halle, dann vor dem TV. Ein Wechsel zu einem anderen Verein? "Nein, das ist für mich unvorstellbar", sagt Elke Guller. Dann doch lieber Fernsehen, wenn die SG Flensburg-Handewitt spielt, ihr Lieblings-Klub. Selbst dann ist sie in Bewegung. "Sobald irgendwo ein Ball durch die Halle fliegt, kann ich nicht ruhig sitzen und muss mich bewegen." Dann wird eben gebügelt. Im Eiltempo.