FUSSBALL: BAYERNLIGA

TSV Abtswind entlässt Trainer Schindler

Das Ende kam nicht unerwartet: Der Fußball-Bayernligist reagiert auf seine sportliche Misere und stellt seinen Coach frei. Der erfährt davon Tausende Kilometer weit entfernt.
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Seine Zeit ist abgelaufen: Mario Schindler muss nach anderthalb Jahren als Trainer in Abtswind gehen. Foto: Andreas Stöckinger
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Nach elf Spielen in Folge ohne Sieg hat sich der TSV Abtswind am Dienstagabend von seinem Trainer Mario Schindler getrennt. Sein Nachfolger wird ab sofort Uwe Neunsinger. Der 48-Jährige soll am Abend bereits das erste Training beim in Abstiegsnöte geratenen Bayernligisten gehalten haben. Schindler, der die Abtswinder nach ihrem Aufstieg im Juni 2018 übernommen hatte, erfuhr von der Entlassung in Brasilien, wo er sich derzeit auf einer zweiwöchigen Geschäftsreise befindet. Bereits sein Vorgänger Petr Skarabela war beim TSV seinerzeit unter mysteriösen Umständen entlassen worden.

Teammanager Mix begründet den Trainerwechsel

Auf der Homepage des Vereins wird Teammanager Christoph Mix so zitiert: "Da wir den Ligaverbleib in Gefahr sehen, mussten wir aufgrund der Ergebnisse und der Ausbeute von drei Punkten in den vergangenen elf Spielen reagieren." Und weiter heißt es: "Wir haben die Situation regelmäßig analysiert und uns Verbesserungen erhofft, die leider nicht eingetreten sind."

Schindler war in Abtswind zunehmend in die Kritik geraten, hatte sich Ende September im Gespräch mit dieser Redaktion aber noch zuversichtlich geäußert, die schwierige sportliche Situation einvernehmlich mit der Klubspitze lösen zu können. Der Verein hatte damals über Sportleiter Thorsten Götzelmann ausrichten lassen, man werde sich "untereinander beratschlagen". Schindler deutete dies anschließend so: "Es wird ein Gespräch unter Freunden sein, in dem wir gemeinsam und ganz offen unsere Lage analysieren."

Schindler soll Opfer der missglückten Transferpolitik sein

Dem Vernehmen nach soll Mix dem Trainer vor dessen Abreise versichert haben, ihn zunächst auf seinem Posten zu belassen. Eine Bestätigung dafür war am Abend nicht zu bekommen. Was der Klub Schindler konkret vorwirft, geht aus der Online-Meldung nicht hervor. Aus dem Umfeld ist dagegen zu erfahren, dass Schindler nur ein Opfer der missglückten Transferpolitik dieses Sommers sei, in deren Zug der Verein den Kader der ersten Mannschaft bis auf 29 Spieler aufgebläht hat. Das Team sei ohne Struktur und Konzept zusammengestellt worden. Außerdem soll auch die Chemie innerhalb  der Mannschaft nicht passen.

Von Kritikern wurde Schindler schon seit Längerem vorgeworfen, er habe es nicht geschafft, den Umbau zu moderieren. Immer wieder wechselte er Taktik und Aufstellung, was nur zum Teil an Verletzungen oder Urlaubsreisen der Spieler lag. Vergeblich hatte er versucht, die Führungsspieler in der Mannschaft dazu zu bewegen, mehr Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen. Eigentlich hatte am Samstag noch das Spiel beim TSV Großbardorf stattfinden sollen, ehe Schindler die "Wochen der Wahrheit" beginnen sah: mit Spielen gegen Mannschaften, die zumindest auf dem Papier als ebenbürtig galten.

Nun wird ein anderer diese Aufgabe übernehmen: Uwe Neunsinger kommt vom mittelfränkischen Bezirksligisten TSV Burgfarrnbach, wo er kurzfristig um seine Freistellung bat. Neunsinger war in Abtswind schon einmal als Trainer im Gespräch gewesen - als Nachfolger für den entlassenen Skarabela. "In der aktuellen Situation ist er mit seiner Erfahrung und seinem Auftreten genau der Richtige für einen neuen Impuls, damit wir in der Bayernliga bleiben", wird Teammanager Mix auf der Homepage zitiert.

Von Neunsinger selbst heißt es:  "Abtswind ist ein familiärer Verein, in dem sich aus meiner Sicht gut arbeiten lässt." Der 48-Jährige ist in der Szene kein Unbekannter. Er hat bereits verschiedene Mannschaften in der Bayernliga und Landesliga trainiert, darunter den TSV Neustadt/Aisch, den SV Seligenporten und den ASV Vach. Er wird aufmerksam registriert haben, dass Trainer in Abtswind zuletzt ein frühes Verfallsdatum trugen.

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