Am Ende war der Druck zu hoch und die Situation zu verfahren: Dusan Suchy wusste sich keinen anderen Ausweg mehr, als sein Traineramt bei den Handballern des TSV Rödelsee zur Verfügung zu stellen. Er hatte die Verantwortlichen des Klubs bereits vor dem Spiel am Samstag bei Titelanwärter HSC Bad Neustadt über seinen Schritt informiert. Der Mannschaft teilte er die Entscheidung erst nach der 21:29-Niederlage in der Kabine mit.

„Die Spieler waren ein bisschen schockiert und überrascht“, erklärte Suchy am Sonntagnachmittag. Wie Teammanager Tobias Demel am Sonntag in einer Pressemitteilung bekannt gab, wird Viliam Vitkovic, der Trainer der zweiten Rödelseer Mannschaft, das Team „übergangsweise begleiten“. Der Klub bemühe sich aber neun Spieltage vor Saisonschluss der dritten Liga um einen Nachfolger, der das Team vor dem Abstieg bewahren soll.

Suchy zog mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus einer seit Wochen anhaltenden Debatte auch um seine Person. Der 39-Jährige trainierte seit Wochen auf Bewährung, nachdem es der Mannschaft bislang nicht gelungen ist, auswärts die ersten Punkte zu holen. Er spürte das Misstrauen, und ihm entgingen auch nicht die zunehmend kritischen Zwischentöne über seine Arbeit als Trainer. Er vermisste wohl auch die volle Rückendeckung der Vereinsführung.

„Ich habe nicht mehr die Unterstützung des Umfelds gespürt“, sagt Suchy. „Außerhalb der Mannschaft war zu viel Unruhe. Das bringt zu viel Nervosität rein.“ Näher mag Suchy sich nicht einlassen – mit Rücksicht auf die schönen Jahre, die er seit 1998 zunächst als Spieler und dann als Trainer beim TSV Rödelsee erlebt hat.

Der Weg, den der Slowake in dieser Zeit mit seinen Schützlingen genommen hat, war eine einzige Einbahnstraße zum Erfolg. Stets ging es etwas weiter nach oben – 2005 in die Landesliga, 2008 in die Bayernliga, 2013 in die dritte Liga. Nun steckt der Verein erst mal in der Sackgasse, und ob es ihm gelingt, einen Ausweg zu finden, müssen die verbleibenden neun Spiele bis Mitte Mai zeigen. Vielleicht hat der Erfolg in all den Jahren manches überdeckt. Vielleicht hätte man sich früher trennen müssen. Aber das ist natürlich leicht gesagt – jetzt, da so einiges zusammengekommen ist.

Suchy hat viel bewegt in diesem Verein, vielleicht so viel wie kein Trainer vor ihm beim TSV. Den Einzug in die dritte Liga beging der Klub als historischen Triumph, doch es kann kein Zweifel bestehen, dass dieser Trainer nicht ohne Fehler war. Dass er seine kleineren und größeren Schwächen besaß.

Suchy hatte in der Mannschaft sei-ne Favoriten. An ihnen hielt er unverbrüchlich fest im Spiel. Sie konnten sich ihres Einsatzes sicher sein, auch wenn sie unter der Woche wenig trainiert hatten; auch wenn sie im Spiel neben sich standen. Mancher spielte zunehmend für die Galerie – und bekam die Bühne dafür. Andere fühlten sich zurückgesetzt, schmollten – oder gingen gleich ganz. Wie André Deis, Marin Varvodic oder jüngst Sebastian Vogt. Solange die Rödelseer den Gegnern überlegen waren, fiel das nicht weiter ins Gewicht. Aber nun, in der dritten Liga, wuchs die Unwucht im Spiel.

Mit jedem Weggang eines Spielers brachen Suchy die Alternativen weg. Die Abtrünnigen aber hätte der Trainer gut gebrauchen können in einer Saison mit dreißig Spieltagen, in der ein langer Atem gefordert ist und jede Hand benötigt wird. Die Mannschaft habe „das Maximale rausgeholt“, findet Suchy. Aber hat sie das wirklich? Vor allem auswärts, wo noch immer kein Punkt auf dem Konto des Klubs gelandet ist? Nicht alle Gegner waren vom Kaliber eines HSC Bad Neustadt, gegen den die Rödelseer am Samstag eine erstaunlich gute Figur machten, aber halt wieder nur fünfzig Minuten bis zum Stand von 22:20 für Bad Neustadt. Dann nahm das Schicksal den üblichen Lauf. Der Aufsteiger verlor noch 21:29.

Noch immer hat der TSV Rödelsee im Abstiegskampf alle Chancen. Die Mannschaft steht in der Tabelle nach wie vor über dem Strich, besetzt den ersten Nichtabstiegsplatz. Doch klar ist auch, dass mit Heimsiegen allein die Mission nicht gelingen dürfte. Es wird interessant sein zu beobachten, wie die Mannschaft auf den Abschied ihres langjährigen Trainers reagieren wird. Ob sie ihn als Chance für einen Befreiungsschlag begreift, oder ob sie womöglich erst richtig tief stürzt. „Es war zu viel Zirkus“, sagt Dusan Suchy, der sich zunächst zurückziehen und Ruhe gönnen will. Auch Co-Trainer Jens Ullmann wird dem Vernehmen nach nicht weitermachen.

Suchy bedankte sich noch am Samstagabend bei seiner Mannschaft für die Zusammenarbeit. Am Sonntagmorgen wurde er mit der D-Jugend der HG Marktsteft/Rödelsee in der Bezirksoberliga Meister.