TISCHTENNIS

Stratege an der Platte und am Brett

Markus Sendner wechselt zwischen Höchstgeschwindigkeit im Tischtennis und Beinahe-Stillstand im Schach. Wie schafft der 16-Jährige diesen Spagat?
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Markus Sendner macht nicht nur als Tischtennisspieler eine gute Figur. Foto: Foto: Karl Unger

Eine etwas ungewöhnliche (sportliche) Kombination hat es Markus Sendner angetan. Während es beim Tischtennis um schnelle Reaktionen geht, sind im Schach eher Geduld und Strategie gefordert – und der 17-Jährige gehört sowohl zum erweiterten Kader des Tischtennis-Bayernligisten TV Etwashausen als auch zum Aufgebot des Schach-Regionalligisten SC Kitzingen. Von beidem ist Markus Sendner fasziniert: dem Spiel in Höchstgeschwindigkeit mit dem kleinen Zelluloidball, Aufschlag, Vorhand, Rückhand, Schmettern. Aber auch vom ausgeklügelten, bedächtigen Ziehen der Figuren am Brett. „In beiden Sportarten“, so sagt der junge Gymnasiast, „geht es viel um Strategie. Ich würde mich eher als Strategen bezeichnen. Schneller Sport reizt mich aber auch.“

Was das Training und vor allem die Spiele betrifft, lassen sich die beiden Sportarten für Markus Sendner ganz gut unter einen Hut bringen. Freitagabend und Samstag jeweils Tischtennis, Sonntag Schach – das könne wie gerade erst geschehen schon einmal vorkommen. „So ein Triple-Wochenende hatte ich nun zweimal. Ich gehe dann eben freitags nach dem Spiel gleich heim und sitze nicht noch mit anderen zusammen, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag wieder ran muss.“

Eine gewisse Disziplin ist dabei also schon erforderlich. „Das lässt sich ganz gut vereinbaren“, sagt Sendner mit zufriedenem Blick auf die letzten Wochen. Der Elftklässler hat sich eigens einen Plan gemacht, um das zu koordinieren. Dazu gelte es, das mit den Schulaufgaben und den familiären Terminen richtig abzustimmen. Schule gehe natürlich vor – kürzlich sagte er einen Tischtenniseinsatz bei den Herren ab, weil er eben noch lernen musste.

Als Kind probierte Markus Sendner manches aus, bis er seine Sportarten gefunden hatte. Fußball ließ er nach drei Jahren wieder sein, beim Kampfsport schaute er nur kurz vorbei. „Das hat mir alles nicht so gefallen.“ Zum Tischtennis kam er durch ein Angebot beim Ferienpass: Der TV Etwashausen hatte ein Schnuppertraining ausgeschrieben. „Das Training leitete Heiner Kreßmann, und es gefiel mir sofort“, erinnert sich der 16-Jährige. Er blieb dabei. Seine Leidenschaft für Schach wurde in der Schule geweckt. Erst lernte er die Grundzüge, später zeigte ihm sein Lehrer Alexander Kliche am Kitzinger Armin-Knab-Gymnasium weitere Tricks und Kniffe. „Er hat mich über zwei Jahre gefördert, dann riet er mir, ich solle mal zum Verein.“

Dort schaute Sendner wenig später vorbei. Schon bald stellten sich erste Erfolge ein. Zuletzt wurde er unterfränkischer Meister in der Jugend 18. Bereits mehrmals hat er an bayerischen Titelkämpfen teilgenommen.

Im Tischtennis lobt Etwashausens Abteilungsleiter Martin Günzel vor allem Sendners Fleiß und Ausdauer. Der Kitzinger trainiere viel, das zahle sich mehr und mehr aus. Der Teenager hebt das Trainingsniveau beim TVE hervor, wo ihm der chinesische Trainer Xian Dong Fan einst viel beigebracht habe, „das fand ich wirklich cool und hat mich sehr motiviert“. Geholfen habe es ihm auch, sich mit Talenten wie Bastian Herbert zu messen, der in der Jugend zur deutschen Spitze gehörte. „Zu ihm haben wir schon etwas aufgeschaut“, gibt Sendner zu.

„Ich würde mich eher als Strategen bezeichnen.“
Markus Sendner, Tischtennis- und Schachtalent

Vielleicht profitiert Markus Sendner an diesem Wochenende von dieser Erfahrung, wenn er bei den bayerischen Titelkämpfen der Jugend in Dachau an den Start geht. Als Dritter des unterfränkischen Turnieres hat er sich für den Wettbewerb qualifiziert.

Was ihn dort erwarte, wisse er nicht. Er habe mit Felix Günzel aber eifrig trainiert – auch mit den ungewohnten Bällen aus Plastik, die dort verwendet werden. Seine Chancen in Dachau einzuschätzen sei schwierig. Anhand ihrer jeweiligen Bilanzen in der Liga lassen sich die Gegner allerdings ungefähr beurteilen, sagt Sendner. „Da gibt es keine schlechten, die sind alle mindestens auf meinem Niveau. Einige der Teilnehmer kenne ich. Da sind auch welche dabei, die deutlich stärker sind. Das wird interessant.“ Zu dem Wettkampf fährt er gemeinsam mit seinen Vereinskollegen Timo Philipp und Kilian Hartner, die in der Schülerklasse starten. Sendner will dort in erster Linie Erfahrung sammeln.

Erfahrung, um eines Tages in der ersten Garnitur der Etwashäuser aufzuschlagen. „Ich versuche, dass ich dort aufrutsche.“ Als Stammkraft in der Bayernliga oder gar Oberliga – für Markus Sendner wäre es ein weiterer Meilenstein.

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