Um das letzte gemeinsame Kapitel von Stefan Ruhl und dem TSV Geiselwind zu finden, muss man weit zurückblättern. „Oh, das sind schon einige Jahre, ich schätze mal so zehn“, sagt er auf die Frage, wann er letztmals für seinen Heimatklub aufgelaufen sei. Nicht schlecht getippt, aber auch nicht völlig richtig. Neun Jahre, die Ruhl bei höherklassigen Klubs verbracht hat, sind seither vergangen. Jetzt ist er nach Hause zurückgekehrt. „Um dort in die Lehre zu gehen“, wie er über seinen Wechsel in die Kreisklasse sagt.

Nun mit 30 Jahren plant Stefan Ruhl den Einstieg ins Trainergeschäft. Als er vergangenen Herbst Vater wurde, reifte in ihm der Entschluss, bei seinem vorangegangenen Verein, dem TSV Lengfeld, kürzer zu treten. „Den Aufwand in der Landesliga wollte ich nicht mehr auf mich nehmen“, sagt er. Zudem meldete sich im Winter erneut Andreas Heckel, derzeitig Spielertrainer der Geiselwinder, und hakte nach. „Andi hat mich gefragt, ob ich nicht Lust habe, in meinem Heimatverein mitzumischen“, erzählt Ruhl.

Lockere Gespräche mit der alten Heimat habe es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, doch diesmal erschien Ruhl das Angebot besonders reizvoll. Das Gesamtpaket überzeugte ihn. Zum einen war es immer sein Wunsch gewesen, noch einmal für den TSV aufzulaufen. Zum anderen wollte er die ersten Schritte als Trainer in der Heimat gehen – mit Heckel als Lehrmeister. „Andi hat in Geiselwind vieles bewegt, seit er wieder da ist. Von ihm kann ich viel lernen. Bisher macht es mir dort auch riesig Spaß“, sagt Stefan Ruhl.

Ein wenig Überzeugungsarbeit musste er bei seiner Frau leisten. Sie sei anfangs nicht begeistert gewesen wegen der Fahrten von seinem Wohnort Würzburg nach Geiselwind. „Sie hat aber verstanden, dass es für mich eine Herzensangelegenheit ist“, schildert Ruhl. Von den damaligen Kollegen in Geiselwind sind nicht mal mehr eine Handvoll übrig, die dort noch aktiv sind: „Ich bin 30, die anderen sind viel jünger. “ Ruhl kickte noch zu Geiselwinder Bezirksliga-Zeiten, ehe er im Alter von 20 Jahren seine Wanderschaft begann: Zwei Jahre Bayern Kitzingen, vier Jahre in Rimpar, weitere zwei Jahre in Kitzingen und zuletzt ein Jahr in Lengfeld hat er hinter sich. Das macht in der Summe vier Jahre Landesliga und vier Jahre Bezirksoberliga.

Solist oder Torjäger ist Ruhl nie gewesen, vielmehr der laufstarke Defensivmann, der sich in den Dienst der Mannschaft stellte. Zuletzt war er Innenverteidiger. „Ich durfte einiges sehen, konnte mich überall weiterentwickeln. Dafür bin ich sehr dankbar“, zieht er positiv Bilanz. Auf dem Platz und auch daneben möchte er seine Erfahrungen nun weitergeben. An diesem Sonntag soll das gegen den FC Fahr der Fall sein. Zuversicht verbreitet Stefan Ruhl nicht nur, was das kommende Spiel betrifft. In absehbarer Zeit soll Geiselwinds Weg wieder Richtung Kreisliga führen. „Ich glaube, dass bei uns wieder etwas entstehen kann. Ob es dieses Jahr schon mit dem Aufstieg klappt, vermag ich nicht zu sagen“, so Ruhl.