FUSSBALL: KREISKLASSE

SpVgg Gülchsheim macht kurzen Prozess

Der gefühlte Kreisligist deklassiert den FC Hopferstadt und wehrt sich doch gegen die Favoritenrolle. Beim 6:0 hilft, dass Hopferstadts Trainer Amrehn kein Zauberer ist.
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Paul Wassermann traf gleich zweimal für Gülchsheim. Foto: Hans Will

Geografisch trennen die beiden Orte Gülchsheim und Hopferstadt nur etwa fünf Kilometer. Sportlich waren es am Samstagnachmittag Welten. Mit 6:0 düpierte die SpVgg Gülchsheim den benachbarten FC, und sie unterstrich erneut, dass sie zu den Spitzenklubs der Kreisklasse gehört. Einer Liga, der die Gülchsheimer vergangene Saison eigentlich sportlich entwachsen waren.

Über die Relegation hatte sich der Klub für die Kreisliga qualifiziert, war wegen eines komplizierten Modus letztlich aber auf Hilfe Bayern Kitzingens angewiesen, um das Aufstiegsrecht wahrnehmen zu können. Die Kitzinger verpassten den Sprung in die Bezirksliga und blockierten so den Platz in der Kreisliga, den sonst Gülchsheim eingenommen hätte. So blieben die Roten Teufel in der Kreisklasse sitzen.

„Die Enttäuschung, dass wir nicht aufsteigen durften, war bei uns allen sehr groß. Es hat zwei Wochen gedauert, das zu verarbeiten“, sagt Trainer Tobias Schmidt. Erst im Lauf der Vorbereitung auf die neue Runde war es den Schalter im Kopf umzulegen und auf Angriffsmodus zu programmieren. „Es hilft ja nichts“, sagt Schmidt. „Wir sind jetzt in der Kreisklasse und müssen das so annehmen.“ Dass sich sein Team tatsächlich mit den Umständen arrangiert zu haben scheint, zeigt ein Blick auf die Bilanz in der Frühphase dieser Spielzeit. Zwei Siege aus zwei Partien stehen da zu Buche.

Der gefühlte Kreisligist macht somit nahtlos dort weiter, wo er aufgehört hat: Er nistet sich weit vorn in der Tabelle ein. Der FC Hopferstadt hätte dies am Samstag sicher gerne verhindert, war aber für die Hausherren kein echter Prüfstein. Dazu war der FC personell schlicht zu geschwächt. Acht potenzielle Leistungsträger fehlten Trainer Wolfgang Amrehn, sechs davon wegen Urlaubs.

Wegen des personellen Notstands hatten sich die Schwarzweißen vergeblich bemüht, das Derby zu verlegen. So musste sich die mit manchem Reservespieler ergänzte Elf den Aufstiegsanwärtern aus Gülchsheim notgedrungen stellen. „Mir wäre es natürlich lieber gewesen, wenn die Leute da gewesen wären“, stellte Amrehn fest. „Aber es sind Amateursportler. Ich kann sie weder herzaubern noch ihnen verbieten, in Urlaub zu fahren.“

Auf dem Platz spielten die Gastgeber Katz und Maus mit Hopferstadts verbliebenen tapferen Mohikanern. Nach nicht mal einer halben Stunde war das Derby beim Zwischenstand von 3:0 gelaufen. In der ersten Halbzeit liefen die Angriffe der Heimelf stets nach dem gleichen Muster ab. Die Roten verlagerten das Spiel mit Vorliebe auf die linke Seite, wo Adrian Kömm ein Aktivposten war.

Kömm war es auch, der seine Elf in Führung schoss, wenn auch unter gütiger Mithilfe von FCH-Torwart Martin Jörg. Nachdem Gülchsheims Nummer 10 steil geschickt worden war, hatte Jörg sich beim Herauslaufen verkalkuliert und den Ball verpasst. Kömm legte die Kugel vorbei und schob sie dann ins leere Tor (12.). Kurz darauf folgte der zweite Streich. Erneut war Kömm über außen durch, passte flach nach innen, und Christian Gebhardt traf auf Höhe des Elfmeterpunktes (14.).

Ein Doppelschlag, der die Gäste taumelnd zurückließ. Vor allem Torwart Jörg machte nach seinem Patzer, der zum ersten Treffer führte, einen verunsicherten Eindruck. Das blieb auch seinem Trainer nicht verborgen, der sich hinterher die Option eines Torwartwechsels für die nächste Begegnung offen hielt, zumal Jörg bereits im ersten Spiel in Frickenhausen bei einem Treffer eine unglückliche Figur abgegeben habe.

Auf dem Feld lief es derweil weiter nur in eine Richtung. Bis zur Pause hatten die Hausherren das Ergebnis auf 4:0 geschraubt, und sie ließen es nach dem Wechsel – zum Wohle der Gäste – etwas gemächlicher angehen. „In dieser Besetzung sind wir nicht in der Lage, einem solch starken Gegner Paroli zu bieten“, sagte Amrehn, der schon im nächsten Spiel auf den einen oder anderen Rückkehrer setzt.

Auch sein Gegenüber Tobias Schmidt mochte dem Kantersieg keine größere Bedeutung beimessen. Als Top-Favorit auf den Aufstieg sieht er Gülchsheim jedenfalls nicht. Dafür sei der personelle Umbruch, nach dem einige Stammkräfte nicht mehr zur Verfügung stehen, im Sommer zu groß gewesen.

Die Statistik des Spiels
Gülchsheim: Schmidt – Dehner, Hofmann, Uwe Hirsch, Gebhardt, Freitag, Wolff, Wassermann, Harald Schmidt, Kömm, Völker Eingewechselt: Fehlbaum (46.), Schenk (73.), Stefan Hirsch (73.).
Hopferstadt: Jörg – Philipp Kessler, Dopf, Reibold, David Keßler, Strecker, Fiederling, Kechel, Bayer, Düll, Rummel. Eingewechselt: Pohl (41.), Schimmer (67.), Reichl (67.).
Schiedsrichter: Holger Geis (Unterpleichfeld). Zuschauer: 200. Tore: 1:0 Adrian Kömm (12.) 2:0 Christian Gebhardt (16.), 3:0 Paul Wassermann (27.), 4:0 Paul Wassermann (39.), 5:0 Christian Hofmann (57.), 6:0 Harald Schmidt (83.).
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