Wenn Uli Lauck mit Macht darauf gepocht hätte, wären die Segnitzer Faustballerinnen vergangenen Sonntag beim letzten Spieltag der 1. Bundesliga Süd in Bestbesetzung aufgelaufen, um den drohenden Abstieg noch zu verhindern. Aber der Trainer überließ seinen jungen Spielerinnen die Entscheidung selbst, ob sie lieber bei der zeitgleich angesetzten bayerischen Jugendmeisterschaft spielen. Und so setzte sich statt dem erfolgsorientierten Bundesliga-Denken die Vereinsphilosophie durch, die die Jugendarbeit obenan stellt. Helen Gernet, Sophie Müller und Luisa Kaemmer entschieden sich für die Jugendmeisterschaften – und Uli Lauck begleitete sie.

Damit gingen die Segnitzerinnen das Risiko ein, aus der ersten Liga abzusteigen, in die sie gerade erst eingezogen waren. Denn sie mussten ohne Auswechselspielerin und ihren Trainer nach Landshut fahren. „Die Mädels sind alt genug“, stellte Lauck lapidar fest. Er sieht sie weit genug, um abseits der Nestwärme flügge zu werden. Die Mannschaft um Spielführerin Tatjana Müller erbte in Landshut keine Punkte. Jeweils 0:3 unterlag sie der TG Landshut und dem TSV Niedernhall. Das wunderte Lauck nicht, da die favorisierten Gegner noch um den dritten Tabellenplatz kämpften, der zur Teilnahme am Endturnier um die deutsche Faustball-Meisterschaft berechtigt. „Deswegen war klar, dass die Vollgas geben werden“, sagte der Coach, der in Landshut keine Punkte erwartet hatte.

Nun klang Resignation durch bei Lauck, der konstatierte, „dass wir den Klassenerhalt schon zwei Wochen zuvor vergeigt haben“. Er sprach damit den vorentscheidenden Spieltag an, als die Segnitzerinnen beim direkten Rivalen aus Gärtringen und dem damals noch in Reichweite liegenden TV Unterhaugstett verloren. „Da haben wir mit zwei zu eins Sätzen gegen Gärtringen geführt“, teilte Lauck mit.

Danach war die Leistung seiner Frauen für ihn unerklärlich eingebrochen, und sie gaben ihre Partie noch ab. Auch gegen Unterhaugstett gingen sie später unter. „Wir hatten die Erstliga-Qualität“, ist sich Lauck unverändert sicher, doch leider behielt er auch mit seiner Einschätzung von Saisonbeginn Recht, als er vermutet hatte, „dass es eine Kopfsache wird“. Mental sind die Segnitzerinnen also doch noch nicht ganz auf der Höhe, um sich gegen ausgebuffte Gegner zu behaupten.

Am Ende mussten sie, punktgleich mit dem TV Vaihingen/Enz, nur wegen des minimal schlechteren Satzverhältnisses den Gang in die zweite Liga der kommenden Winterrunde antreten. „Dann steigen wir halt wie-der auf“, entfuhr es Sophie Müller, als die Jugendlichen vom Abstieg erfuhren. Dieser Satz soll Programm werden: Ob in der Feldrunde oder in der nächsten Winterrunde, die Segnitzerinnen peilen jeweils den Aufstieg an. „Ich bin schon lieber Trainer in der ersten Liga als in der zweiten“, stellt Lauck fest. Dabei geht es dem Trainer nicht um sein Ego, er liebt einfach die Herausforderung, und es macht ihm wesentlich mehr Spaß, sich mit stärkeren Kontrahenten auseinanderzusetzen.

Lauck richtet den Blick nach vorn und sagt: „Wir möchten im Sommer angreifen.“ Zuvor will er aber mit seiner A-Jugend, die ja vergangenes Wochenende den Vorzug erhalten hat, noch einen weiteren Erfolg erzielen. Da die Thüringer Klubs auf ihr Startrecht verzichtet haben, dürfen seine Segnitzerinnen als Dritte der bayerischen Meisterschaft zu den süddeutschen Meisterschaften fahren. Dabei geht es für sie um nicht weniger, als sich für die deutschen Titelkämpfe zu qualifizieren und national etwas zu reißen.