Hatten sie nun Silber gewonnen oder Gold verloren? Man könnte die Leistung des TV Segnitz bei der deutschen Meisterschaft der männlichen U12 in Stuttgart-Vaihingen von zwei Seiten der Medaille besehen. Nach dem Titelgewinn ein Jahr zuvor und dem erneuten Finaleinzug hätte man schon gerne wieder Gold geschürft. Doch nach der ersten Enttäuschung war die Freude bei der Mannschaft und den Betreuern nicht minder groß über Silber. Es hätte angesichts einiger knapper Spiele auch weniger sein können als dieser Vizemeistertitel. „Eine junge Mannschaft versilbert ihren Traum“ – mit diesem Slogan hatte Trainer Christian Lauck, der nimmermüde Leiter der Segnitzer Talentschmiede, diesen zweiten Platz überschrieben.

Bei den bayerischen Titelkämpfen Mitte Juli war für die Segnitzer keine Hürde zu hoch gewesen. Dort hatten sie ihren Titel aus dem Vorjahr sicher verteidigt. In Stuttgart scheiterten sie im Finale ausgerechnet am Team des Gastgebers. Eine glatte Zweisatz-Niederlage kassierten sie gegen den NLV Vaihingen: 9:11 und 5:11. Die Kräfte hatten zum Ende eines aufreibenden Wettkampfs nicht mehr gereicht, um den Erfolg von 2012 zu wiederholen. Aus dem Sieger-Jahrgang von damals waren noch Andreas Kaemmer, Fabio Lauck und Simeon Tröge dabei, Leon Mark, Maximilian Schott und Hendrik Twardy waren erst in diesem Jahr dazugestoßen und hatten den Altersschnitt auf 10,6 Jahre nach unten gedrückt.

Einen Superlativ hatte der TV Segnitz damit schon vorher sicher: Man stellte das mit Abstand jüngste Team im Feld dieser Meisterschaft, wie Trainer Lauck jubelte. Ein Team, dem die Herzen des Publikums zuflogen, weil es nicht nur jung war, sondern auch gut und erfolgreich. „Absoluter Spitzenfaustball“ sei von ihm ausgegangen – mit weithin sichtbaren Folgen. „Hinter dem Segnitzer Spielfeld fanden sich kurioserweise immer wieder Zuschauerscharen aus der ganzen Republik.“

Diese Unterfranken wussten zu überzeugen: Mit famoser Abwehr, überlegten Zuspielen und platzierten Angriffschlägen hatten sie zum Ende des ersten Tages ihr Ziel erreicht. Sie gingen nach vier glatten Siegen und nur einer Niederlage (gegen den Ahlhorner SV) als Gruppenzweite in die Vorschlussrunde des nächsten Tages: nicht ohne sich schon mal der unbegrenzten Möglichkeiten hier bewusst zu werden. Schließlich hatte ein Teil der Mannschaft im Jahr zuvor erlebt, was es bedeutet, deutscher Meister zu werden.

„Die Jungs sollten sauberen, läuferisch und technisch richtigen Faustball spielen.“ Das war die Ansage des Trainers vor der bayerischen Meisterschaft im Juli – und diese Besinnung auf die einfachen Dinge ihres Sports bescherten den Segnitzern auch diesmal einen (sommer-)märchenhaften Aufstieg. Dabei zeigte sich wieder einmal, dass es im entscheidenden Moment nicht nur auf spielerisches Vermögen ankommt, sondern auch auf Nervenstärke.

Dreimal wurde Segnitz bei den K.o-Spielen um die Plätze in die „Verlängerung“ gezwungen, dreimal bestand die Mannschaft die aufreibende Prüfung. Gegen Wangersen hatte sie zunächst 9:11 verloren. Danach war sie präsent. Für den Sieg im dritten Satz machte Trainer Lauck die Disziplin verantwortlich. „Mit nahezu perfektem Spielverständnis haben unsere Zehnjährigen Ball für Ball erkämpft.“

Im Viertelfinale war es das gleiche Spiel, nur gegen einen anderen Gegner. Leverkusens Trainer Udo Mehle waren gewisse Schwächen der Segnitzer beim Auftritt vorher nicht verborgen geblieben. Er hatte seine Lehren daraus gezogen, sein Team nahm den ersten Satz im Sturm: 11:3. Christian Lauck musste handeln, und er tat es, indem er wie ein Schachspieler seine Figuren auf dem Feld rochieren ließ. Diese Umstellungen brachten den erwünschten Erfolg. Segnitz bildete ein Abwehrbollwerk, an dem die Angriffe Leverkusens ein ums andere Mal zerschellten. Im entscheidenden dritten Satz machten sich die enormen Laufwege der Verteidiger bezahlt, die im-mer wieder im Wechsel mit angreifen mussten.

Noch ein Spiel trennte die Segnitzer vom Finale, und hier wartete ein alter Bekannter. Dem TV Brettorf waren sie schon im Jahr zuvor auf dem Weg ins Endspiel begegnet. Die Sache schien zunächst klar: 11:5 gewannen die Unterfranken den ersten Satz, der zweite ging dann aber überraschend 5:11 verloren, und so zog man erneut in den Entscheidungssatz. Schon dabei deutete sich an, dass dieser Wettkampf viel Kraft gekostet hatte. Zwei Tage, der achte Gegner und nun zum dritten Mal am Limit: Was die Segnitzer gegen Brettorf mit einem 11:9 gerade noch schafften, misslang ihnen anschließend im Finale.

Sie verloren gegen Vaihingen den ersten Satz und waren nach diesem 9:11 zu keiner Reaktion mehr fähig. Mit 5:11 ging der zweite Satz ebenfalls an den Gegner. Der Titel war verloren. Doch so sehr sie anfangs trauerten, so schnell wurde ihnen – spätestens beim festlichen Empfang in ihrer Heimat – klar, wie-viel Sympathien sie doch gewonnen hatten.