Fußball

Schwarzenaus beflügelnde Nordseebrise

Manches an Jan Hinrichs ist durchaus ungewöhnlich. Mit 28 Jahren ist der neue Trainer der FV Schwarzenau/Stadtschwarzach nicht nur jung, sondern auch äußerst kreativ und innovativ. Das Nordlicht bringt die Mannschaft in der Kreisklasse zum Leuchten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nordlicht in Franken: Schwarzenaus Trainer Jan Hinrichs. Foto: Foto: FVS

Manches an Jan Hinrichs ist durchaus ungewöhnlich. Mit 28 Jahren ist der Trainer der FV Schwarzenau/Stadtschwarzach wohl der Jüngste, der im hiesigen Umkreis eine Fußball-Herrenmannschaft von der Seitenlinie aus betreut. Der angehende Grundschullehrer, der aus Schleswig-Holstein stammt, fand erst durch sein Studium nach Unterfranken, wo er als begeisterter Fußballer zunächst beim SV 09 Würzburg unterkam. Wenig später übernahm er dort den Trainerposten.

Ungewöhnlich dürfte zudem sein, dass Hinrichs bereits in der Kreisklasse von „Systemfußball“ spricht, den er mit seiner jungen Truppe spielen will. Um seine Ideen besser deutlich zu machen und umzusetzen, greift er gern auf Videoanalysen zurück. „Das gehört zum Konzept. Ich halte es für wichtig, dass die Jungs ihre eigenen Fehler sehen, um sich zu verbessern“, sagt Hinrichs. Das komme auch sehr gut an bei seiner Mannschaft. Bereits als Trainer von Juniorenteams in der höchsten Klasse Schleswig-Holsteins bezog er die Kamera fest in sein Programm mit ein.

Erfolge scheint der neue Weg auch beim FV Schwarzenau/Stadtschwarzach zu bringen: Nach vier Spieltagen ist der Klub mit vier Siegen Zweiter in der Kreisklasse. „Das überrascht mich nicht, man muss aber auch relativieren. Wir haben gegen die Aufsteiger Erlach und Gelchsheim gespielt, da waren sechs Punkte eingeplant. Dazu ging es gegen Marktbreit II, was auch keine Spitzenmannschaft ist. Überraschend war nur der Sieg gegen Giebelstadt, wo wir auch taktisch gut gespielt haben“, sagt Hinrichs. Er ist begeistert von fast allem in Schwarzach. „Es macht Riesenspaß. Von der Anlage, vom Umfeld, von den Rahmenbedingungen her – alles klasse. Hier nehmen einem viele Helfer die Arbeit ab. In Würzburg musste ich fast alles selbst machen.“

Auch die Mannschaft bereitet Jan Hinrichs viel Freude. Sie belohne sich derzeit für den Aufwand, den die Vorbereitung gefordert habe. Der Kader wurde noch einmal kräftig verjüngt, zuletzt hatte die Elf, die auf dem Feld stand, einen Altersdurchschnitt von 21,3 Jahren. Mit Tobias Bürkner und Torwart Fabian Düll hat er „zwei Ausnahmetalente“, wie er schwärmt, die sogar noch in der U19 spielen dürfen. In Heiko Ruß wirkte zuletzt nur ein Spieler jenseits der 30 mit. „Die Jungs haben enormes Potenzial, sie müssen aber taktisch noch viel lernen“, sagt der Trainer.

Jung und hungrig sei seine Mannschaft, „richtig heiß auf jeden Gegner“, hat er beobachtet. Die Lust und der Erfolg zum Rundenbeginn haben ihr Übriges getan, wenngleich es vier Heimspiele waren. Hinrichs wird deshalb nicht gleich überschwänglich, was die Ziele für diese Runde betrifft. „Vierzig Punkte plus X“, sagt er. Und weiter: „Wenn dieses X etwas größer ausfällt, haben wir nichts dagegen.“ Es werden auch andere Gegner, Niederlagen kommen, das wissen seine „Jungs“, wie Hinrichs die Spieler liebevoll nennt. Der Kader umfasst derzeit zwanzig Spieler, die er auch mal durchmischt, um jedem eine Chance zu geben.

Gesetzt sein dürfte Neuling Nihad Celic, den der Trainer aus Würzburg mitgenommen hat. Der 26 Jahre alte Bosnier ist das, was der Mannschaft vielleicht fehlte – „ein ausgemachter Knipser“, wie Hinrichs sagt. „Er verspricht Tore, braucht aber Leute, die ihm zuarbeiten. Nihad hat ein sonniges Gemüt, der Wohlfühlfaktor ist für ihn ganz wichtig.“ Celic kickte einst beim Nachwuchs des Würzburger FV und kam mit Hinrichs vom SV Würzburg. Dort hatte Hinrichs als Spieler wieder begonnen, als es ihn zum Studium nach Würzburg verschlug. Früher aktiv in höheren Jugendklassen Schleswig-Holsteins, musste er seine Spielerlaufbahn wegen zweier schwerer Verletzungen beenden. „Es ging nicht“, sagt er. „Die Knochen hielten nicht. Dann wurde beim SV 09 ein Trainer gesucht, keiner wollte es machen. Also meldete ich mich für den Posten.“

Erste Trainererfahrungen machte Hinrichs bereits mit 15 Jahren, als er bei der U11 mithalf. Mit 18 trainierte er eigenständig eine Mannschaft in Meldorf, nicht weit von der Nordsee gelegen, oberhalb von Itzehoe. Tura Meldorf ist übrigens ein Partnerklub Werder Bremens. Es folgte der Umzug nach Franken, wo es Hinrichs auch abseits des Fußballs sehr gut gefällt. „Ich bin seit 2006 hier, und ich fühle mich als Franke. Ich habe hier meine Frau kennen gelernt und werde auch hier bleiben. An die Nordsee geht es zum Urlaub.“

Dem Verein von einem Fachmann empfohlen, kann sich Hinrichs auch vorstellen, in Schwarzach länger zu bleiben. Er will mithelfen, sportlich vom Jugendbereich an wieder etwas aufzubauen. Große Ziele können folgen, doch an diesem Sonntag geht es beim Ochsenfurter FV darum, wieder zu punkten und die beflügelnde frische Brise in Schwarzach weiter mitzunehmen.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.