Fair ist mehr

Schmerzvolle Schreie

Würzburger Kickers verzichten auf einen kampflosen Turniersieg
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Der Schock saß tief. So tief, dass für die Jungs der JFG Würzburg Süd/Reichenberg II nicht mehr an Fußball zu denken war. Soeben hatte die Mannschaft das Finale des U15-Hallenturniers mit einem Sieg gegen den Gastgeber FV Schwarzenau/Stadtschwarzach II erreicht, doch die Aussicht auf den ersten Platz geriet für die Nachwuchskicker jetzt vollkommen zur Nebensache. Die schmerzvollen Schreie ihres Mitspielers Moritz Freund klangen ihnen noch in den Ohren, nachdem Sanitäter ihn auf einer Trage vom Spielfeld geschleppt hatten. Der 13-Jährige war im Halbfinale bei einem Kopfballduell derart unselig auf den Füßen gelandet, dass er umknickte und sich den Knöchel sowie das Sprunggelenk brach. Sein Gegenspieler hatte angesichts der unheilvollen Begegnung zunächst geglaubt, er sei der Auslöser der Verletzung gewesen, ehe ihn Freund vor der Fahrt in die Notfallambulanz von jeglicher Verantwortung freisprach.

Größer hätte die Misere für die JFG Würzburg Süd/Reichenberg II an diesem Tag kaum werden können: Im Laufe des Turniers hatten sich bereits Timo Keller und Torhüter Florian Emrich verletzt – glücklicherweise nicht so schlimm wie Moritz Freund. Im Endspiel hätten allerdings auch sie nicht auflaufen können. „Wir hatten keinen Torwart und keinen Auswechselspieler mehr. Der schwere Unfall hatte die Verbliebenen außerdem sehr mitgenommen“, sagte Frank Freund, Moritz' Vater und gleichzeitig Trainer der Mannschaft. „Wir hatten daher beschlossen, auf das Finale zu verzichten.“ Das brachte Josef Hitzinger, Turnierleiter des FV Schwarzenau/Stadtschwarzach, auf eine Idee: Statt die Würzburger Kickers II, die neben der JFG Würzburg Süd/Reichenberg II ins Endspiel eingezogen waren, kampflos zum Turniersieger zu erklären, schlug Hitzinger vor, das Finale zu streichen und beiden Teams den ersten Platz zuzusprechen.

Kickers-Trainer Hans Koller zögerte keinen Moment und stimmte dem Vergleich zu. „Der Respekt vor der Gesundheit des Gegners war uns wichtiger als ein Sieg um jeden Preis“, sagte Koller. „Wir wollten nicht gegen eine Mannschaft spielen, die so sehr dezimiert und demoralisiert war. Das wäre nicht fair gewesen und hätte uns keinen Spaß gemacht.“ Auch wenn beide Teams sich in der Vorrunde des Turniers mit 1:1 getrennt hatten, wäre ein Würzburger Finalsieg wegen des Ausfalls der drei gegnerischen wahrscheinlich gewesen. Um den Turniersieg beider Mannschaften zu dokumentieren, posierten die Akteure für ein gemeinsames Erinnerungsfoto, während Veranstalter Josef Hitzinger einen zweiten Siegerpokal anfertigen ließ.

Moritz Freund musste eine Woche in der Klinik bleiben. Sein Fuß wurde mit drei Schrauben und Draht versorgt. Die Kickers schickten Genesungswünsche, Josef Hitzinger kam zu Besuch und brachte als Geschenk einen Ball mit. Fürs Erste ist Moritz auf Krücken angewiesen. Es geht ihm gut, doch ein Vierteljahr wird er auf Sport verzichten müssen.

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