Herbert Kutschera brauchte viel Luft. Es war im Laufe des Tages unheimlich warm geworden, und die pralle Sonne heizte weiter ein. Die Nummer drei des TSV Albertshofen lieferte sich auf Platz zwei ein ebenso heißes Match gegen den Heuchelhofer Hans Kosolowski. Die übrigen Partien im Einzel waren längst beendet, und so konzentrierte sich alles auf das letzte Spiel vor den abschließenden Doppeln. Die Albertshöfer lagen nach Punkten bereits mit 4:1 in Front. Ein Erfolg Kutscheras hätte den Mannschaftssieg bedeutet. Doch für den 64-Jährigen sah es lange Zeit nicht gut aus.

Kutschera haderte. Viele seiner Bälle verfingen sich im Netz oder landeten jenseits der Spielfeldmarkierung, so dass der Gegner zu einfachen Punkten kam. Der erste Satz ging mit 6:4 an Heuchelhof, und auch im zweiten Durchgang lief es für den Albertshöfer zunächst nicht günstig. Kutschera aber bewies Ausdauer und glich technische Mängel mit hohem Aufwand aus. Mit seinem Laufvermögen erreichte er Bälle, die im Altherrentennis sonst zu sicheren Zählern für den Gegner führen. „Herbert kann hundert Stunden rennen“, sagte Mannschaftskollege Holger Laurus über den pensionierten Lehrer, der einst die Marathondistanz bewältigte und heute noch auf der Langstrecke unterwegs ist.

Kutschera nahm Kosolowski im zweiten Satz den Aufschlag ab, siegte seinerseits mit 6:4 und verschob die Entscheidung auf den Match-Tiebreak. Dort führte der Heuchelhofer bei eigenem Aufschlag mit 3:2. Beim folgenden Service brach Kutschera den Ballwechsel ab. Er hatte den Aufschlag im Aus gesehen – im Gegensatz zu Kosolowski. Beide fingen an zu diskutieren, nachdem die Partien in diesen Ligen ohne Stuhlschiedsrichter und ohne Linienrichter stattfinden und die Spieler Unstimmigkeiten untereinander regeln. Kutschera und Kosolowski einigten sich nach einem Disput am Netz auf zwei neue Aufschläge. Doch der Heuchelhofer leistete sich einen Doppelfehler. Das Zwiegespräch hatte allem Anschein nach Konzentration gekostet – was auch beim letzten Ballwechsel nach zweieinhalb Stunden Spielzeit erkennbar war. Der erste Aufschlag Kosolowskis flog wiederum zu weit, der zweite dann ins Netz. Kutschera hatte den Match-Tiebreak mit 10:8 für sich entschieden, und Albertshofen damit vorzeitig den Tagessieg sicher.

Auch in den Doppeln bewiesen die Gastgeber gegen den Landesliga-Neuling aus dem Würzburger Stadtteil Stärke und Siegeswillen. Zum Schluss des Samstags nach fast sieben Stunden Tennis gewannen die Albertshöfer mit 8:1. „Jeder Matchpunkt kann für uns wichtig sein“, sagte Holger Laurus. Die Albertshöfer liegen auf dem zweiten Tabellenplatz und machen sich nach drei Siegen in vier Partien Hoffnung auf den Aufstieg. Am Ende könnte das Spielverhältnis den Ausschlag für die Meisterschaft geben. Nach dem dritten Rang im vergangenen Jahr war das Team der Über-Sechzigjährigen angetreten, um in der dritten Landesliga-Spielrunde erneut den Klassenverbleib zu erreichen. „Unser Vorteil liegt darin, dass wir relativ ausgeglichen besetzt sind“, sagt Laurus, der an Position eins spielt und am Samstag Heuchelhofs Spitzenmann Michael Sielmann mit 7:5 und 6:0 bezwang: „Falls es uns gelingt, würden wir nicht auf den Aufstieg in die Bayernliga verzichten.“

Dabei sind die Albertshöfer personell nur spärlich ausgestattet. Bislang mussten immer dieselben sechs Akteure auf den Platz. Unter ihnen weist Walter Emmert die beste Bilanz auf: Immer wenn der 61-Jährige aufschlug, war er erfolgreich. Das brachte ihm vier Siege im Einzel und ebenso viele im Doppel. Nicht nur bei ihm macht sich das beständige Training bezahlt. „Im Winter fahren wir auch regelmäßig nach Gerolzhofen in die Halle“, sagt Holger Laurus: „In unserem Alter ist die Gesundheit schließlich das A und O.“ Verletzungen sind den Albertshöfern in dieser Saison bisher erspart geblieben.

Nächste Runde könnten Laurus, der dieses Jahr 64 wird, und drei seiner Mitspieler, allesamt 1948 geboren, in die nächste Altersstufe wechseln. „Mit unserer Truppe würden wir in der Landesliga ganz schön aufräumen“, sagt Laurus und glaubt an die Fortsetzung des Erfolgs. Doch die beiden Verbliebenen Walter Emmert (61) und Heinrich Karl (60) stünden dann ohne Mannschaft da, so dass die bewährte Besetzung wohl auch künftig in der Kategorie „Ü60“ antreten wird. Womöglich sogar in der Bayernliga.

Landesliga Nord Männer 60 (074)

TC Schweinfurt II – TSV Feucht 3:6  
VfR Katschenreuth – FV Wendelstein 8:1  
TV Fürth – TC Hof 6:3  
TSV Albertshofen – TSC Heuchelhof 8:1  

1. (1.) VfR Katschenreuth 4 4 0 0 28 : 8 8 : 0  
2. (3.) TSV Albertshofen 4 3 0 1 25 : 11 6 : 2  
3. (2.) TC Hof 4 3 0 1 21 : 15 6 : 2  
4. (4.) TSC Heuchelhof 4 2 0 2 17 : 19 4 : 4  
5. (6.) TV Fürth 4 2 0 2 16 : 20 4 : 4  
6. (5.) FV Wendelstein 4 1 0 3 13 : 23 2 : 6  
7. (8.) TSV Feucht 4 1 0 3 13 : 23 2 : 6  
8. (7.) TC Schweinfurt II 4 0 0 4 11 : 25 0 : 8  

Die Statistik des Spiels

TSV Albertshofen – TSC Heuchelhof 8:1 (17:4 Sätze)

Holger Laurus – Sielmann 7:5, 6:0

Walter Emmert – Sroka 6:3, 6:2

Herbert Kutschera – Kosolowski 4:6, 6:4, 10:8

Dieter Heinlein – Braminski 4:6, 6:1, 8:10

Alfons Hartmann – Balandat 6:4, 6:4

Heinrich Karl – Grabow 6:1, 6:2

Laurus/Hartmann – Sielmann/Braminski 6:2, 6:1

Kutschera/Heinlein – Sroka/Balandat 2:6, 6:4, 10:5

Emmert/Karl – Kampf/Grabow 6:2, 6:4