Vor ein paar Wochen hat Timo Scheerer seinen 36. Geburtstag gefeiert. Das ist jung und alt zugleich. Jung, weil er nach der durchschnittlichen Lebenserwartung für Männer in Deutschland noch etwa 42 Jahre vor sich hat – alt, weil nach der gängigen Erfahrung die beste Zeit als Fußballer hinter ihm liegt. Und so muss er auf die Frage, ob er eines Tages noch einmal in höheren Sphären auftauchen wolle, erst einmal schmunzeln. „Sehr viel höherklassiger sicher nicht“, sagt Scheerer.

Nachdem er sich zu Beginn dieses Jahrtausends in Höhen wie Bayernliga und Landesliga bewegt hat, spielt er seit einem halben Jahr für den TSV Sulzfeld in der A-Klasse. Scheerer hat die Mannschaft zu Saisonbeginn als stürmischer Spielertrainer übernommen – und steht mit ihr gegenwärtig der Spitze des Feldes. Nach sechzehn Begegnungen ist sie als einziges Team der Liga noch ohne Niederlage, auch dank der dreizehn Treffer, die Scheerer selbst erzielt hat. „Wir harmonieren gut, stehen diszipliniert, bekommen wenig Gegentore“, sagt der Trainer über die Gründe des Erfolgs. Und so sind die Sulzfelder nach Platz sechs in der vorigen Saison auf dem besten Weg, in jene Klasse zurückzukehren, aus der sie im Sommer 2010 abgestiegen waren.

Timo Scheerer gibt sich keiner Euphorie hin. Er ahnt, was ihm und seinen Mitstreitern in nächster Zeit blühen werde. „Jeder wird darauf brennen, uns die erste Niederlage zuzufügen.“ Die Partie vor einer Woche ge-gen Hoheim (1:1) könnte ein Vorgeschmack gewesen sein, mit welchem Heißhunger die Konkurrenz über die Sulzfelder herfallen wird. Einen Dreikampf um den Titel sagt Scheerer voraus – zwischen seinem Verein, Effeldorf und Sickershausen, dem Gegner an diesem Sonntag.

Dass es so erfolgreich laufen würde, hatte der 36-Jährige in der Hinrunde kaum zu hoffen gewagt. „Wir hatten jede Woche eine andere Formation und auch nicht so viele Spieler.“ Inzwischen hat sich die Struktur der Mannschaft gefestigt, sie verfügt über einen Stamm von sechs bis acht Akteuren, um die sich jeweils ein flexibles Korsett bildet. Auch aus der ersten Garde, die in der Bezirksliga um den Anschluss an die Spitzenplätze kämpft, sind meist ein bis zwei Spieler dabei.

Verstärkung kommt zudem aus der dritten Mannschaft, die in der B-Klasse eher zum Spaß kickt. Dabei hätten Spieler wie Lukas Knürr das Talent für die Bezirksliga, wie Scheerer feststellt. Der junge Mann hat in den wenigen Einsätzen für die zweite Garde schon zehn Tore geschossen, „aber was soll ich machen, wenn er lieber locker in der dritten Mannschaft spielen will“, sagt Scheerer ernüchtert. Häufiger als Knürr hat nur der Spielertrainer selbst getroffen. Aber Scheerer hat in seiner Laufbahn als Stürmer schon so viele Treffer gefeiert, dass er sich aus bisher dreizehn Toren in der A-Klasse nicht mehr viel macht. „Ab und zu“, sagt er süffisant, „steht man eben doch einmal richtig.“

Dass es ihm noch immer Spaß bereitet, sonntags in kurzer Hose einem Ball nachzujagen – daran lässt er keinen Zweifel. Mit seiner Erfahrung ist er der jungen Sulzfelder Mannschaft eine wertvolle Stütze. Und wenn die Zeichen nicht trügen, wird er seinen Fußball-Lebensabend in Sulzfeld verbringen. „Ja“, meint er, „es sieht sehr danach aus.“