HANDBALL: LANDESLIGA

SV Michelfeld freut sich auf ein Abenteuer

Noch nie hatte der 420-Seelen-Ort ein Team in der Landesliga, deren Saison nun beginnt. Der Aufschwung seit 2013 ist vor allem mit einem Mann verbunden.
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Mit diesem Team gehen die Handballer des SV Michelfeld das erste Jahr in der Landesliga an: (hinten von links) Betreuer Sebastian Holler, Spielertrainer Maximilian Häckner, Marius Olbrich, Lukas Möslein, Moritz Unser, Sebastian Krapf, Thorsten Holler, Physiotherapeutin Anika Kleinlein, Vorsitzender Harald Dennerlein; (vorne von links) Dominic Faustmann, Lukas Dennerlein, Marcel Ludwig, Matthias Meckelein, Jürgen Dennerlein und Christoph Schardt. Zur Mannschaft gehören auch Markus Reinhart, Janis Bardon und Betreuer Volker Fries. Foto: Foto: Frank Krause

Der SV Michelfeld schlägt an diesem Samstag ein völlig neues Kapitel in der 72-jährigen Geschichte des Vereins auf. Dann wirft erstmals ein Team des nur 420 Einwohner zählenden Dorfs in der Landesliga seine Tore. Die Männer sind als Meister der Bezirksoberliga in die nordbayerische Elite vorgedrungen. Nicht nur Klubvorsitzender Harald Dennerlein verspürt große Vorfreude auf den für den Ort fast historischen Tag. „Das Märchen geht weiter, das ganze Dorf steht Kopf. Der Bus zum Spiel in Roßtal ist ausgebucht“, sagt Dennerlein.

Es ist ein Quantensprung des Vereins, denn erst 2013 hatten sich die Michelfelder aus der Bezirksklasse, der untersten Liga, eine Etage nach oben gekämpft. Drei Jahre später gelang der Sprung in die Bezirksoberliga, und wieder drei Jahre später ging es noch eine Etage nach oben. Ob die Mannschaft für dieses Unternehmen nun bereit ist, nachdem der Klub im Jahr zuvor als Vizemeister noch auf sein Aufstiegsrecht verzichtet hatte? „Als Zweiter wollten wir nicht nach oben. Jetzt, als Meister, probieren wir es. Wir haben auch die Chance, die Liga zu halten“, sagt der erste Mann im Verein.

Maximilian Häckner ist der Mann, mit dem der Aufschwung im Marktstefter Stadtteil so richtig Fahrt aufgenommen hat. Seine Gemütslage? „Schwierig auszudrücken“, sagt der 29 Jahre alte Spielertrainer. „Vorfreude verspüre ich auf jeden Fall, dass es endlich losgeht. Wir sind absoluter Außenseiter, ich kenne fast keine der gegnerischen Mannschaften.“ Und: „Der Klassenerhalt ist realistisch, eigentlich haben wir nichts zu verlieren.“

Häckner, einst mit dem TSV Rödelsee in der Dritten Liga aktiv, weiß in etwa, was seine Mannen zu erwarten haben. „Die Härte wird zunehmen, spielerisch ist es ein anderes Niveau. Da ist mehr Konzept dahinter“, sagt er. Neben Häckner haben weitere Michelfelder Akteure bereits höherklassig Luft geschnuppert. Kreisläufer Dominic Faustmann etwa, der in Rödelsee und Waldbüttelbrunn bereits hochklassig spielte, Lukas Möslein, und Neuzugang Marius Olbrich sind da zu nennen.

Die drei sollen mit Häckner so etwas wie die Achse im Spiel des Aufsteigers bilden. „Dominic ist mit seiner Erfahrung sehr wichtig“, sagt der Trainer. „Lukas kann viele Positionen spielen, ähnlich wie Marius.“ Gerade über Olbrich, der vom Lokalrivalen TV Marktsteft nach Michelfeld gekommen ist, freut sich Häckner. „Er ist unser einziger Linkshänder und bringt auch Qualität mit. Durch ihn können wir unsere Spielzüge ganz anders machen.“ Häckner weiß, dass nicht viel passieren dürfe im relativ kleinen Kader, der ihm zur Verfügung steht. „Wenn sich einer der wichtigen Spieler länger verletzt, wird es schwierig.“ Als Team müsse man auftreten. In der Vorbereitung hat er viel Wert auf die Abwehr gelegt, „die muss funktionieren, das ist mir sehr wichtig. Vorne haben wir Qualität“, ist er überzeugt.

Nicht mehr im Kader sind Torwart Kai Roth und Max Pürckhauer. Außer Olbrich ist Sebastian Krapf neu hinzugekommen. Der 1,98 Meter-Mann stammt aus Gerolzhofen, war zuletzt bei der HSG Volkach und ist für den Rückraum gedacht. Weitere Neulinge gibt es nicht. „Das ist immer die Sache, wer verfügbar ist. Wir waren auch nicht darauf aus, viele Neue zu holen“, gibt Spielertrainer Häckner zu. Dann bleiben eventuell die eigenen Leute auf der Strecke, was man nicht wolle.

Natürlich hofft der Spielertrainer darauf, dass seine Männer etwas von der Euphorie und dem Schwung des Aufstiegs mit in die neue Spielzeit nehmen können. Die erforderlichen Punkte gelte es in erster Linie zu Hause zu holen. Doch zum Auftakt möchte Häckner auch in Roßtal etwas Zählbares mitnehmen. Der Klub aus dem Nürnberger Umland schloss die vergangene Saison als Tabellenachter ab, ist aber für Häckner ein Unbekannter.

Auch bei seiner Mannschaft weiß er noch nicht so recht, wo sie steht. Zwar habe man in der Vorbereitung eifrig trainiert. Testspiele gab es aber nicht so viele. Vergangenes Wochenende mussten die Michelfelder im Pokal gegen Freising-Neufahrn ran, ein Team aus der gleichen Liga – sie verloren mit einem Tor. „Positiv war es, zu sehen, dass wir mithalten kön-nen. Das war gut für die Seele“, sagt Häckner.

Gerüstet für das neue Abenteuer sieht auch Vorsitzender Harald Dennerlein seinen Klub. Natürlich habe man verfolgt, wie es dem Nachbarn TV Marktsteft bei seinem zuletzt nur einjährigen Gastspiel in der Landesliga erging. „Die hatten auch etwas Pech. Wir lassen die Kirche im Dorf. Unsere erste Sechs ist top, wenn wir unsere Leistung abrufen, können wir drinbleiben.“

Kader SV Michelfeld

Abgänge: Kai Roth, Max Pürckhauer, Sebastian Holler, Andreas Wigand.

Zugänge: Marius Olbrich, Sebastian Krapf.

Tor: Marcel Ludwig, Matthias Meckelein.

Außen: Christoph Schardt, Jürgen Dennerlein, Moritz Unser, Markus Reinhart.

Rückraum: Lukas Möslein, Sebastian Krapf, Maximilian Häckner, Lukas Möslein, Marius Olbrich, Thorsten Holler, Janis Bardon.

Kreis: Dominic Faustmann, Lukas Dennerlein.

Trainer: Maximilian Häckner (seit 2016).

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