Es scheint so, als ob Jan Kästner die Rolle als „Feierbiest“ beim TSV Rödelsee ganz gut gefällt. Aktueller Anlass war der 30:24 (12:10)-Erfolg gegen den TSV Friedberg, denn hinterher ließ Kästner seine Mitspieler erst einmal in die Knie gehen, um danach das längst auch in Rödelsee gut bekannte Liedgut anzustimmen. Singen und tanzen, auch wenn bei manchem der Rödelseer Akteure nicht mehr viel Kraft im Tank war.

Der Weg zum zweiten Sieg in der neuen Umgebung hatte einiges an Substanz gekostet für die Rödelseer, die nur vier Feldspieler auf der Bank hatten, dazu ging Linksaußen Andreas Paul leicht angeschlagen ins Rennen. Wieder zur Verfügung stand Christian Häckner nach einer Blessur am Ellenbogen.

Rödelsees Luft reichte, dank einer engagierten und konzentrierten Leistung der gesamten Truppe. „Einmal die Woche musst du einfach alles raushauen für die 60 Minuten am Samstag. Das funktioniert. Heute hat man es wieder gesehen“, schilderte Kästner, wie es geht. Dank einer cleveren Wechseltaktik werde die Last „eben auf die wenigen Schultern verteilt, die noch da sind“, schmunzelte Kästner, der im Vorjahr aus Coburg an den Schwanberg gekommen ist.

Zunehmend mehr trägt auch Bostjan Hribar bei. Der Bundesliga-erprobte 35-Jährige Slowene wusste im Spiel gegen Friedberg nicht nur durch manch wichtigen Treffer zu gefallen, er nahm während der 60 Minuten immer wieder seine Mitspieler zur Seite, um ihnen Tipps zu geben. Genau das erwartet Rödelswees Trainer Dusan Suchy auch von ihm. „Er soll seine Erfahrung einsetzen!“

Welch feines Händchen Hribar hat, zeigte er beim Treffer 24:22 in der Schlussphase, als sich die beinahe schon geschlagen erscheinenden Gäste Tor um Tor annäherten. Fast ansatzlos traf er mit einem Hüft-Kunstwurf, als die beiden Unparteiischen bereits die Hand nach oben reckten, um Zeitspiel anzuzeigen. Vor dem 25:23 (54.) drohte Gleiches. Diesmal sorgte Jan Kästner für den Treffer.

Dafür seien die erfahrenen Leute ja da, lieferte Rödelsees Trainer Suchy die lapidare Erklärung. Manche dieser Einzelaktionen habe seinem Kollektiv just in der Phase geholfen, als die Luft bei seinen Spielern knapp zu werden drohte. „Dazu hatten wir mit dem Torwartwechsel auch etwas Glück“, gestand Suchy ein. In der Schlussphase schickte er für den formidablen Thomas Paul Neuzugang Max Deußen zwischen die Pfosten, der gleich gut parierte und so einen kleinen Schub gab.

Friedbergs Co-Trainer Harald Rosenberger beklagte hernach, dass in den letzten Minuten eben einiges zuungunsten seiner Mannen gelaufen sei. „Wir waren drei-, oder viermal auf ein Tor dran. Dann fallen mir beide Linkshänder aus, wir hatten Lattentreffer, schließlich kam Jan Kästner, dann gewinnt eben Rödelsee, so wie heute.“ Für das gesamte Spiel wäre diese Zusammenfassung jedoch zu einfach.

Gegen die junge Friedberger Truppe, die im Vergleich zur Meister-Mannschaft des Vorjahres auf acht Positionen verändert wurde, spielte Rödelsee eine sehr aufmerksame Abwehr. Die Gäste taten sich schwer. Irgendwie fehlten ihnen oft die zündenden Ideen. Rödelsee variierte das Tempo geschickt und blieb oft auch vorne kühl. Dazu fingen sich die bislang auswärts punktlosen Schwaben durch Undiszipliniertheiten manche Zeitstrafe ein.

Der zweite Abschnitt begann für den Aufsteiger gut, als Jan Kästner und Andreas Paul zwei Konter nutzten. Ein Gegenstoß-Tor von Gabor Csorba zum 19:14, zudem eine Zeitstrafe für die Gäste, dann erneut ein erfolgreich abgeschlossener Gegenstoß von Julius Weinhardt zum 21:15: Was sollte da noch passieren? Sogar die Anzeigetafel fühlte sich später scheinbar zu sicher und kam durcheinander. 24:15 war zu lesen, als es eigentlich 24:23 hieß (53.). Auch das bekam Rödelsees Trainer Dusan Suchy als Helfer wieder in den Griff. „Wir wollten unbedingt die zwei Punkte. Wir nehmen die gute Laune mit für das Spiel gegen Bad Neustadt“, schaute Trainer Suchy schon mit etwas Vorfreude auf das Unterfranken-Derby am kommenden Samstag.

3. Liga Süd Männer
 
Kronau/Östringen II – HSG Konstanz 35:30  
Zweibrücken-Saarpfalz – TSB Horkheim 24:34  
TGS Pforzheim – SV 08 Auerbach 23:23  
TSV Rödelsee – TSV Friedberg 30:24  
TV Hochdorf – SV Kornwestheim 33:25  
HSC 2000 Coburg – SG Herrenberg 23:24  
HSC Bad Neustadt – TV Großsachsen 22:16  
Köndringen/Teningen – Balingen-Weilstetten II 27:31  
 
1. (1.) HSC Bad Neustadt 5 5 0 0 152 : 120 10 : 0  
2. (2.) HSC 2000 Coburg 5 4 0 1 135 : 111 8 : 2  
3. (5.) Balingen-Weilstetten II 5 4 0 1 149 : 140 8 : 2  
4. (3.) Köndringen/Teningen 5 4 0 1 150 : 142 8 : 2  
5. (4.) TV Hochdorf 5 4 0 1 153 : 122 8 : 2  
6. (6.) Kronau/Östringen II 5 3 1 1 151 : 143 7 : 3  
7. (7.) TSV Friedberg 5 2 0 3 124 : 134 4 : 6  
8. (13.) TSB Horkheim 5 2 0 3 134 : 137 4 : 6  
9. (12.) TSV Rödelsee 5 2 0 3 141 : 148 4 : 6  
10. (10.) HSG Konstanz 5 2 0 3 126 : 129 4 : 6  
11. (9.) SV Kornwestheim 5 2 0 3 129 : 143 4 : 6  
12. (8.) TV Großsachsen 5 2 0 3 117 : 127 4 : 6  
13. (11.) SV 08 Auerbach 5 1 1 3 142 : 155 3 : 7  
14. (14.) SG Herrenberg 5 1 1 3 118 : 134 3 : 7  
15. (15.) TGS Pforzheim 5 0 1 4 131 : 143 1 : 9  
16. (16.) Zweibrücken-Saarpfalz 5 0 0 5 127 : 151 0 : 10