Die Ausgangslage für die Handballer des TSV Rödelsee ist klar. Fünf Runden vor Saisonschluss steht am Samstag das vorletzte Heimspiel gegen die TGS Pforzheim (Beginn bereits um 17.15 Uhr) an. „Da gibt es nicht viel zu reden, das Ziel kann nur heißen: zwei Punkte“, sagt Rödelsees Andreas Paul mit Blick auf die für sei-ne Mannschaft brisante Begegnung. Trotz dieser Brisanz ist Andreas Paul im Vorfeld nicht nervöser als sonst. Der 23-jährige Marktstefter, der aus der gemeinsamen Jugend von Marktsteft und Rödelsee hervorging, lässt sich durch die „fünf Endspiele“, wie er die letzten fünf Partien bis Saisonende bezeichnet, nicht aus der Ruhe bringen.

„Druck ist das nicht wirklich. Du hast natürlich im Hinterkopf, dass es immer enger wird. Aber wir sind Aufsteiger, das muss man auch sehen“, beschreibt er die Lage. So leicht lässt er sich eben nicht aus der Ruhe bringen, der Alleskönner, dessen Talent schon früh die Trainer beeindruckte. Seine Stammposition ist eigentlich auf Linksaußen, darauf festgelegt ist Paul jedoch nicht. Trainer Fritz Zenk, der im Februar Dusan Suchy abgelöst hat, setzte ihn zuletzt auch als Spielmacher auf der Mitte ein. Etwas überrascht habe ihn das anfangs schon, gibt Paul zu.

„Das ist natürlich ein anderer Handball.“
Andreas Paul über die Spielweise in der dritten Liga

Weil es gut funktionierte, wiederholte Zenk den Schachzug mit dem flexibel verwendbaren Andreas Paul. Der sieht sich als Mannschaftsspieler. „Wenn es der Mannschaft hilft, würde ich auch am Kreis spielen oder im Tor“, sagt er. Na ja, im Tor nicht unbedingt: Für diese Rolle ist sein zwei Jahre älterer Bruder Thomas besser geeignet. Die Umstellung auf die Aufgabe als Spielmacher fiel Paul nicht allzu schwer. Daran habe er sich bisweilen schon unter Zenks Vorgänger Suchy im Training versucht. „Man kennt ja die Abläufe und Spielzüge“, sagt Andreas Paul, der als Dachdecker sein Geld verdient. Flink und gut im Eins gegen Eins, dazu mit gutem Auge für den Mitspieler, kann er von dort das Spiel lenken. Auf den Posten beharrt er aber nicht. „Ich bin da flexibel, auf Linksaußen fühle ich mich auch wohl.“

Mittlerweile hat sich Andreas Paul auch in der dritten Liga eingefunden. Am Anfang habe er sich schon umstellen müssen auf das flinkere und athletischere Spiel, „das ist natürlich ein anderer Handball“, sagt er. Gleich im ersten Saisonspiel in Hochdorf bekamen die Rödelseer eine Demonstration davon. Seither hat sich einiges getan, nur eines blieb: die Auswärtsschwäche des TSV, der in der Fremde immer noch ohne Punkt ist. Soll der Verbleib in der dritten Liga geschafft werden, muss sich das vor allem in den Partien bei den Konkurrenten in Auerbach und in Zweibrücken unbedingt ändern.

Paul, der als Dachdecker oft einen anstrengenden Job hat, machen die bis zu vier Trainingseinheiten in der Woche Spaß. Er freue sich abends darauf, die Mitspieler zu sehen, mit ihnen zu reden und zu üben. Seit Fritz Zenk das Training leitet, werde mehr in Kleingruppen geübt – sonst habe sich nicht so viel verändert, so Paul. „Er spricht auch kurz vor dem Spiel in Ruhe mit dir, will wissen, wie du dich fühlst, oder gibt dir noch Tipps. Das hat Dusan auch gemacht“, verrät er.

Ob es Andi Paul eines Tages sogar noch höher probieren will, etwa in der zweiten Liga? „Natürlich wäre es schön, einmal auszureizen, was geht. Aber da muss man alles abwägen, ob es auch zeitlich hinhaut mit dem Beruf.“ Doch vorerst will er daran keine Gedanken verschwenden. Jetzt gelte es erst einmal alles zu geben für den Klassenerhalt. „Das“, sagt Paul, „wäre ein Riesenerfolg.“ Der immer noch machbar ist.