Die Erleichterung war auf Seiten des TSV Rödelsee spür- und erst recht sichtbar. Mit dem 27:23 (13:11)-Sieg über den TSV Neuhausen-Filder haben die Rödelseer die ärgste Bedrohung im Abstiegskampf in der dritten Liga erst einmal abgewendet. Doch Spielertrainer Radovan Suchy mahnte hinterher, dass dieser Sieg noch längst nicht reicht. Welche Bedeutung er hatte, verdeutlicht aber eine Szene. So meinte Suchy bei der Pressekonferenz hinterher auf die Frage von Moderator Simon Steffan, ob er nun besser schlafen könne: „Die Frage ist, ob ich überhaupt schlafen werde.“

Das klang freilich etwas übertrieben, unterstrich aber, wie wichtig die die Partie für die Rödelseer war. Bei allen Trainingseinheiten habe er während der Woche der Mannschaft immer wieder eingeredet, wie wichtig dieses Spiel sei, erzählte der 37-jährige Slowake. Nach dem Spiel gab es endlich wieder einmal fröhliche Gesichter bei den Spielern. Da scherzte der diesmal erneut überragende Bostjan Hribar hinterher, indem er einem schreibenden Vertreter kurz mal den Kugelschreiber klaute. Nicht nur er grinste froh in Richtung Tribüne zu den Anhängern.

Der Linkshänder wurde, wie auch Torhüter Thomas Paul, zum Garanten für den Rödelseer Sieg. Einer, der nach der für 2015 bisher äußerst dürftigen Bilanz von 2:14 Punkten dringend erforderlich war.

Neuhausens Trainer Aleksandr Prasolov musste hinterher zugeben, dass seine Abwehrvarianten allesamt nicht so recht gegen den Slowenen gegriffen hatten. Dabei hatte dieser gerade in der ersten Halbzeit auch einige Fahrkarten und Fehler produziert. „Im Rückraum musst du immer gefährlich sein, da darf Bostjan auch mal zwei verwerfen“, nahm Spielertrainer Suchy ihm die Fehlwürfe nicht krumm.

Die Klasse Hribars zeigte sich vor allem im zweiten Abschnitt, als er trotz durchwachsener ersten Hälfte konzentriert blieb und oft im entscheidenden Moment zur Stelle war, ob als Werfer, oder auch als Passgeber für die Mitspieler. Dazu behielt er in wichtigen Phasen die Nerven, wie etwa gleich nach der Halbzeit, als er beim Stand von 13:12 einen Siebeneter verwandelte, den Rok Ivancic in Unterzahl heraus geholt hatte.

Spielertrainer Radovan Suchy, diesmal von Beginn an auf dem Feld, hatte bereits seine zweite Zeitstrafe kassiert. „Die war nicht berechtigt! Ich habe daraufhin mit Vilo diskutiert, ob ich draußen bleibe oder die Rote Karte riskiere. Wir haben es dann mit Maxi Häckner versucht, er ist beweglicher und hat es prima gemacht“, schilderte Suchy. Auf die Bank hatte er Vilo Vitkovic als Trainer geholt, um sich auf sein Spiel zu konzentrieren.

Später stand beim 18:18-Ausgleich eine weitere kritische Phase für die Gastgeber an. Zwei Hribar-Tore und ein Treffer vom diesmal wieder mitwirkenden Andreas Paul in Unterzahl – Ivancic saß eine Zeitstrafe ab – halfen aus der Klemme.

Neuhausen ließ in der Folge mehr und mehr nach. Der Rückraum hatte sein Pulver verschossen und scheiterte immer wieder am nun starken Thomas Paul zwischen den Rödelseer Pfosten. Paul hatte zunächst über den einen oder anderen Gegentreffer lamentiert, bis ihn Ersatzmann Ozren Kvrgic beruhigte. „Ossi sagte, hör auf, nachzudenken. Halt einfach den Ball“, schilderte der Torwart später sein simpel klingendes Rezept.

Die Wade von Kapitän und Spielmacher Andi Paul hielt nach seiner Verletzungspause zuletzt, ein ebenso wichtiger Faktor zu Rödelsees Sieg. Den Druck des Gewinnenmüssens habe er nicht zu sehr verspürt, erklärte Paul nach dem Spiel. „So eine Situation hatten wir ja letztes Jahr auch. Jetzt haben wir gewonnen, da wird die Stimmung wieder besser“, hofft er durch den Sieg auf einen Schub für den Liga-Endspurt.

Die erste Halbzeit hatte zunächst gezeigt, wo beide Mannschaften stehen. Nervös und mit vielen Fehlern agierten die Kontrahenten, wobei sich Rödelsees junger Rechtsaußen Marvin Munoz als Lichtblick zeigte. Die Hausherren gerieten nie in Rückstand, brachten sich aber durch Zeitstrafen immer wieder in Gefahr. Zu selten machten sie Tempo. Neuhausen fehlte jedoch bereits hier ein wirklich überragender Akteur.

„Das war diesmal nicht unsere beste Leistung, wir wollten hier mehr“, gab Neuhausens Trainer Aleksandr Prasolov später zu. Für seine Mannen wird es nun umso schwerer, in der Liga zu bleiben. Bei Rödelsee hob aber auch Spielertrainer Radovan Suchy den Zeigefinger. „Es ist noch nicht alles gelaufen! Das war eine kleine Vorentscheidung. Wir haben jetzt ein bisschen Abstand nach hinten. Es sind noch sechs Spiele und viele Punkte zu vergeben.“

Die Statistik zum Spiel

TSV Rödelsee – TSV Neuhausen/Filder 27:23 (13:11)

Rödelsee: Thomas Paul, Ozren Kvrgic; Marvin Munoz (4), Bostjan Hribar (11/4), Stefan Bayer, Dennis Orf, Julius Weinhardt (2), Andreas Paul (5), Franz-Xaver Hetterich, Maximilian Häckner (1), Rok Ivancic (4), Bastian Demel.

Neuhausen: Sebastian Arnold, Hans Herrmann, Timo Durst (6), Henning Richter (2), Markus Fuchs (1), Dominik Eisele (2), Daniel Roos (2), Hannes Grundler (1), Philipp Schöbinger, Timo Flechsenhaar (1), Alexej Prasolov (1), Lucca Holder (1), Philipp Frei (6/6), Lukas Fischer .

Schiedsrichter: Zeki Kaplan (Wiesbaden)/Benjamin Sirker (Griesheim).

Zuschauer: 300.

Zeitstrafen: 2x Suchy, Häckner, Ivancic; 2x Schöbinger, Richter.

Siebenmeter: 4:7 (4:6 verwandelt).

Spielfilm: 3:1 (5.), 5:4 (10.), 7:7 (14.), 10:8 (17.), 13:9 (24.), 13:11 – 13:12 (32.), 15:12 (34.), 17:16 (40.), 18:18 (43.), 21:18 (50.), 25:19 (55.), 26:22 (58.), 27:23.

3. Liga Süd Männer
 
TSV Rödelsee – TSV Neuhausen/Filder 27:23  
SG Leutershausen – Balingen/Weilstetten II 33:23  
SG Herrenberg – Köndringen/Teningen 21:19  
SG Kronau/Östringen II – TGS Pforzheim 27:24  
HSG Konstanz – TV Hochdorf 24:18  
TSB Horkheim – TV Großsachsen 32:32  
SV Kornwestheim – SG Nußloch 32:27  
TSV Friedberg – TuS Fürstenfeldbruck 28:29  
 
1. (1.) SG Leutershausen 24 19 2 3 681 : 587 40 : 8  
2. (2.) SG Nußloch 24 16 3 5 742 : 677 35 : 13  
3. (4.) SG Kronau/Östringen II 24 14 2 8 682 : 665 30 : 18  
4. (5.) HSG Konstanz 24 14 1 9 635 : 598 29 : 19  
5. (3.) TV Hochdorf 24 13 3 8 671 : 633 29 : 19  
6. (6.) TSB Horkheim 24 12 3 9 659 : 633 27 : 21  
7. (9.) SV Kornwestheim 24 11 3 10 710 : 721 25 : 23  
8. (7.) Köndringen/Teningen 24 11 2 11 660 : 669 24 : 24  
9. (8.) TGS Pforzheim 24 10 3 11 605 : 613 23 : 25  
10. (10.) TV Großsachsen 24 9 5 10 649 : 659 23 : 25  
11. (11.) TSV Rödelsee 24 10 0 14 659 : 690 20 : 28  
12. (13.) SG Herrenberg 24 9 2 13 650 : 696 20 : 28  
13. (12.) TuS Fürstenfeldbruck 24 8 3 13 698 : 701 19 : 29  
14. (14.) HBW Balingen/Weilstetten II 24 7 4 13 710 : 720 18 : 30  
15. (15.) TSV Neuhausen/Filder 24 6 2 16 617 : 670 14 : 34  
16. (16.) TSV Friedberg 23 4 0 19 601 : 696 8 : 38