Dass der HSC Coburg eine etwas andere Welt in der Dritten Liga darstellt als der TSV Rödelsee, zeigte sich an manchen Details. Über 300 Fans unterstützten ihre Mannschaft im Sickergrund mit viel Getöse, zwei Herren vom lokalen Hörfunk Radio Eins Live informierten ihre Hörer mit Live-Einblendungen. HSC-Trainer Jan Gorr wurde kurz nach Spielende ans Mikrofon gebeten. Im Foyer gaben die Fans später noch eine Gesangsprobe.

Sportlich war Coburg zunächst nicht unbedingt in einer anderen Liga als die Rödelseer, die trotz einiger personeller Probleme – Kreisläufer Radovan Suchy bekam für seine Rote Karte auch noch drei Spiele Sperre – eine überraschend starke erste Halbzeit hinlegten. Mit konzentrierten Zügen hielten sich nicht nur dagegen. Sie nahmen oft bewusst das Tempo aus dem Spiel, und vorne trafen vom Rückraum aus Jan Kästner und Bostjan Hribar zum Teil auch aus weiter Entfernung. Die Coburger bekamen keinen Schwung in ihre Angriffsaktionen und vergaben auch einige Chancen aus guter Position. „Da haben wir das gespielt, was wir wollten. Wir haben ihre Gegenstöße unterbunden und vorne unsere Tore gemacht. Coburg ließ uns 30 Minuten hoffen“, beschrieb Trainer Dusan Suchy später den für ihn angenehmeren Teil der Partie.

In dieser Phase zog Rödelsee eine Überraschung aus dem Ärmel. So durfte der slowenische Ex-Nationalspieler Rok Ivancic tatsächlich auflaufen, der erst kürzlich im Training getestet wurde. Am Freitag Nachmittag war die Spielgenehmigung eingetroffen für den bald 34-jährigen Neuen auf der Spielmacher-Position. Er fügte sich gut ein, hatte weniger spektakuläre Aktionen, dafür aber auch kaum Fehlabspiele oder unsichere Momente. Nach fünfmal Training stand er auf dem Feld, was auch für ihn „schon etwas überraschend“ gewesen sei. „Körperlich bin ich fit, aber mein letztes Spiel war im Dezember 2012. Ich suche noch ein bisschen das Gefühl für das Spiel“, beschrieb er seine Situation. Beinahe wäre ihm auch ein Tor zum verheißungsvollen Einstand gelungen, doch einer seiner wenigen Torwürfe prallte von beiden Pfosten wieder ins Feld.

In der Halbzeit blieben die Coburger Akteure auffallend lange in der Kabine, um den Worten ihres Trainers Martin Gorr zu lauschen. Er hatte vor dem angeschlagenen Gegner im Vorfeld gewarnt. „Ich fühle mich bestätigt. Wir hatten eine große Portion Respekt dabei. Gegen Rödelsee zu spielen, ist alles andere als einfach“, lobte er den Gegner mit Blick auf die erste Halbzeit.

In der Kabine hatte Coburgs Trainer anscheinend eindringlich und wirkungsvoll an seine Mannen appelliert. „Wir hatten in paar Details zu klären“, beschrieb er. Denn in den Minuten nach der Halbzeit wendete das gelb-schwarze Ensemble um den überragenden Torhüter Havard Martinsen das Geschehen eindeutig in seine Richtung dank einer überragenden Abwehrleistung.

Die Defensive rückte noch früher auf Rödelsees Rückraum-Aktivposten Kästner und Hribar und ließ ihnen kaum Luft zu atmen. Den zu selten eingesetzten und etwas mutlos wirkenden Außen zog Torwart Martinsen schnell den Zahn mit seinen Paraden. Das Geschehen lief im Rödelseer Angriff etwa so: Zweimal schlecht abgeschlossen, ein technischer Fehler, jeweils im Gegenzug Tor durch Coburg. Pfosten Ivancic, Gegenzug-Tor von Sebastian Kirchner zum 14:18, Auszeit Rödelsee. Danach: missglückter Heber von Gabor Csorba, Torwart Martinsen pariert, dann scheitert Julius Weinhardt am Torwart, Gegenzug Tor durch Johan Andersson zum 14:20 (41.).

Erst Bostjan Hribar beendete die Torflaute der Gastgeber mit dem 15:21 (42.). Rödelsee musste sich jedes Tor hart erarbeiten, ließ ein paar Prozent auch in der Abwehr nach, was Coburg nicht nur durch die auffälligen Drude, Riha und Roth ausnutzte. Das Spiel war längst gelaufen, Coburg zog davon. „Dass wir am Ende nicht so wechseln können, hat uns das Genick gebrochen. Die haben eben acht Top-Abwehrspieler, der Torwart hat gut gehalten und wir schlecht und unvorbereitet abgeschlossen“, zählte Rödelsees Coburger Jan Kästner die kleinen Unterschiede auf. „Ein bisschen geärgert haben wir sie schon“, spielte er auf die erste Halbzeit an.

Ganz unzufrieden war Kästner am Ende nicht. „Jetzt kommen die Wochen der Wahrheit, wo wir Punkte holen müssen“, blickte er auf die Zeit vor Weihnachten, in denen der TSV Rödelsee unbedingt Zählbares einfahren muss. Sonst nutzt es wenig, dass auch Coburgs Sebastian Kirchner lobte: „Rödelsee kann auf jeden Fall in der Liga bleiben! Wir haben schon gegen einige schwächere Mannschaften gespielt.“ Die haben aber zum Teil mehr Punkte als der TSV.

3. Liga Süd Männer
 
TV Hochdorf – TV Großsachsen 26:24  
Zweibrücken-Saarpfalz – TGS Pforzheim 26:31  
TSV Rödelsee – HSC 2000 Coburg 22:32  
SV Kornwestheim – Balingen-Weilstetten II 30:28  
Kronau/Östringen II – Köndringen/Teningen 37:29  
TSB Horkheim – SV 08 Auerbach 29:29  
TSV Friedberg – SG Herrenberg 27:27  
HSG Konstanz – HSC Bad Neustadt 17:22  
 
1. (1.) HSC Bad Neustadt 11 11 0 0 310 : 245 22 : 0  
2. (2.) HSC 2000 Coburg 11 9 0 2 314 : 238 18 : 4  
3. (3.) TV Hochdorf 11 8 0 3 323 : 277 16 : 6  
4. (4.) TSB Horkheim 11 6 1 4 291 : 287 13 : 9  
5. (7.) TSV Friedberg 11 5 2 4 287 : 299 12 : 10  
6. (8.) Kronau/Östringen II 11 5 2 4 340 : 315 12 : 10  
7. (5.) Köndringen/Teningen 11 6 0 5 300 : 308 12 : 10  
8. (6.) Balingen-Weilstetten II 11 5 1 5 309 : 314 11 : 11  
9. (9.) HSG Konstanz 11 5 0 6 265 : 273 10 : 12  
10. (11.) SG Herrenberg 11 4 2 5 276 : 297 10 : 12  
11. (10.) TV Großsachsen 11 4 1 6 274 : 280 9 : 13  
12. (13.) TGS Pforzheim 11 4 1 6 297 : 299 9 : 13  
13. (12.) SV 08 Auerbach 11 3 2 6 299 : 323 8 : 14  
14. (15.) SV Kornwestheim 11 3 0 8 289 : 322 6 : 16  
15. (14.) TSV Rödelsee 11 3 0 8 291 : 330 6 : 16  
16. (16.) Zweibrücken-Saarpfalz 11 1 0 10 284 : 342 2 : 20  

Die Statistik zum Spiel

TSV Rödelsee – HSC Coburg 22:32 (14:14)

Rödelsee: Thomas Paul, Max Deußen, Sebastian Vogt, Bostjan Hribar (6), Gabor Csorba (1), Lukas Demel (1), Maximilian Häckner (2), Julius Weinhardt (1), Andreas Paul (4), Rok Ivancic, Jan Kästner (7/2), Christian Häckner, Marin Varvodic.

Coburg: Havard Martinsen, Oliver Krechel, Ron-ny Göhl (4/3), Philipp Barsties (2), Johan Andersson (3), Nikola Franke, Dominic Kelm (2), Sebastian Kirchner (5), Jiri Vitek (1), Tomas Riha, Steffen Coßbau (2), Maximilian Drude (4), Till Riehn (4), Sebastian Roth (5).

Schiedsrichter: Marcel Kiyici (Mühlhausen-Ehingen)/Kevin Steinbach (Karlsruhe).

Zuschauer: 650 (geschätzt).

Zeitstrafen: Hribar (25.).

Siebenmeter: 3:3 (2:3 verwandelt).

Spielfilm: 1:2 (3.), 5:5 (9.), 7:6 (12.), 11:9 (23.), 12:12 (27.), 14:14 – 14:18 (37.), 15:21 (42.), 16:24 (45.), 18:28 (50.), 20:31 (54.), 22:32.