Schluss, aus, Jubel: Das nächste Kapitel der Rödelseer Handballhistorie ist geschrieben. Dank eines 33:29 (16:16)- Erfolgs über die Bundesliga-Reserve des HBW Balingen-Weilstetten durfte der TSV Rödelsee seinen ersten Sieg in der dritten Liga feiern.

So, wie es in den ersten Zeilen eines Songs der momentan erfolgreichsten deutschen Rockband „Die Toten Hosen“ besungen wird, dürften sich einige Rödelseer gefühlt haben. „Ich wart seit Wochen auf diesen Tag, und tanz vor Freude über den Asphalt“, lautete der Anfang des Hits „An Tagen wie diesen“, der nach dem Schlusssignal passend durch die Boxen in der Halle wummerte. Den Asphalt tauschten die Rödelseer dabei mit dem Hallenboden aus Kunststoff, wo so mancher Akteur hinterher ein Kreischen drehte. „Wir wollten Geschichte schreiben und im ersten Heimspiel gleich zwei Punkte machen.

Das ist gelungen“, sagte TSV-Trainer Dusan Suchy nach Spielschluss mit sichtlich froher Miene.

Dank einer kollektiv guten Leistung lieferten seine Rödelseer diesmal ein Spiel ohne Schwächephasen und kompensierte die Ausfälle durch eigenen Einsatz bis an die Grenze. Ein Beispiel dafür lieferte etwa Kreisläufer Radovan Suchy, der trotz mancher Blessur dennoch dorthin ging, wo es weh tut. Gerade im zweiten Abschnitt gewann der 36jährige in wichtigen Phasen manchen Zweikampf am gegnerischen Kreis und erzielte insgesamt sieben Tore.

Den finalen Wurf zum 33:29 setzte der Rechtshänder sogar mit links und dank enormer Energieleistung ins Netz (58.). Das Publikum hatte sich von den Sitzen auf der Tribüne erhoben und klatschte stehenden Beifall in der Schlussminute. „Das vergisst man schnell. Aber am nächsten Morgen werde ich es umso mehr spüren“, verdrängte Radovan Suchy den Schmerz erst einmal. Der Erfolg sei ganz wichtig für die Motivation gewesen, gab er zu. „Ich habe immer gesagt, wir brauchen Geduld, wir werden nicht einfach so weiter gewinnen wie in den letzten Jahren“.

Im Spiel zeigte Rödelsee bis auf wenige Ausnahmen ebenso diese Geduld gegen die Recken aus Balingen. Schon der Auftakt lief gut, der TSV fand sein Spiel, zog in Führung und nutzte auch die Fehler der Gäste. Die Balinger leisteten sich insgesamt zu viel nach Geschmack ihres Trainers Eckhard Nothdurft. „16 Ballverluste, 18 Fehlwürfe – ob es nur an uns lag, oder ob es Rödelsee so gut gemacht hat, ist egal. Der Sieg geht in Ordnung“, analysierte er präzise.

Rödelsees 6:0-Abwehr arbeitete aufmerksam, zur richtigen Zeit steigerten sich Torhüter Max Deußen, außerdem deutete Bostjan Hribar an, wie wichtig er für die Mannschaft werden kann. Mit acht Toren wurde er erfolgreichster Werfer. „Es wird jedes Mal besser bei mir. „Ich hatte ja acht Monate Verletzungspause. Die Erfahrung ist schön und gut, wenn du aber körperlich nicht bei hundert Prozent bist, nützt dir das nichts“, ließ der 36jährige slowenische Neuzugang in sein Inneres blicken.

Entscheidend wurde, dass die Rödelseer im kritischen Moment am Ende, als sich die Gäste auf 28:29 annäherten, durch den starken Jan Kästner einen drauf setzten. Wenig später fing Andi Paul einen Ball im Balinger Aufbau ab und lief den Konter zum 31:28 (57.). Die Gäste mussten nun schnell abschließen, ihre offene Deckung brachte Rödelsee nicht mehr ins Wanken.

Nur von außen mitfreuen konnte sich Marin Varvodic, der wohl nicht nur diesmal ausgefallen war. Der Kroate muss nach einer Schulterverletzung aus dem Auftaktspiel möglicherweise sogar operiert werden, wie er vermutete. Der wegen einer Blessur am Ellenbogen ebenso pausierenden Christian Häckner dürfte wohl kommende Woche wieder dabei sein.

Das Spiel in der Statistik

TSV Rödelsee – HBW Balingen/Weilstetten II 33:29 (16:16)

Rödelsee: Max Deußen, Thomas Paul, Bostjan Hribar (8/3), Radovan Suchy (7), Sebastian Vogt, Andre Deis, Gabor Csorba (2), Lukas Demel, Julius Weinhardt (4), Andreas Paul (5), Maximilian Häckner (2), Jan Kästner (5/2),

Balingen/Weilstetten: Karim Ketelaer, Marco Azevedo Marques, Felix Beutel, Timo Hildebrand, Jan Remmlinger (6), Christian Wahl (4/1), Fabian Wiederstein (1), Aleksandar Stevic (10/7), Nico Hiller (2), Felix Zipf (1), Patrick Weber (2), Jannik Hausmann, Benedikt Brielmeier (2), Julian Thomann.

Schiedsrichter: Tobias Ley (Bruchsal)/Kai Morlock (Östringen).

Zeitstrafen: Andreas Paul, Kästner, Suchy, Häckner; Remmlinger, Stevic, Zipf, Weber, Hausmann.

Zuschauer: 480 (geschätzt).

Siebenmeter: 5:8 (4:8 verwandelt).

Spielfilm: 4:1 (6.), 7:4 (11.), 8:8 (16.), 11:13 (24.), 14:14 (27.), 14;16 (28.), 16:16 – 17:18 (35.), 23:20 (41.), 25:23 (48.), 27:25 (51.), 29:28 (55.), 31:29 (57.), 32:29 (58.), 33:29.