Handball, dritte Liga Ost Männer

Rödelsee scheitert an sich selbst

700 Zuschauer, prächtige Stimmung, aber Rödelsee wirkt wie gelähmt. Mancher Spieler vermutet, der Druck gegen Großwallstadt wäre zu hoch gewesen.
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Klare Körpersprache: Rödelsees Spieler lassen schon an ihrer Haltung erkennen, dass da am Samstag einiges schief gelaufen ist. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

Es war alles bereitet, aber das glückliche Ende für den TSV Rödelsee ist ausgeblieben in seinem fast historischen ersten Punktspiel gegen den einst großen TV Großwallstadt. Mit 26:29 (12:14) kassierten die Rödelseer am Samstag vor 700 Zuschauern eine gleichermaßen unnötige wie verdiente Niederlage gegen den früheren Spitzenvertreter im deutschen Handball.

Die gute Chance, sich mit einem Sieg in die Geschichtsbücher einzutragen, war dahin. Enttäuscht, auch über die eigene unzureichende Leistung, wirkten am Ende Rödelsees Spieler und Verantwortliche. Irgendwie hatte die Mannschaft sich an diesem Abend selbst geschlagen. „Jetzt kann man von einem Fehlstart sprechen“, stellte Geschäftsführer Tobias Demel fest.

Trainer Radovan Suchy war wegen des Fehlens von Bastian Demel gegen Großwallstadt mal wieder selbst ins Trikot geschlüpft. Später bei der Pressekonferenz fiel es ihm schwer, Worte zu finden für das, was in den sechzig Minuten zuvor abgelaufen war. Seine Manen hatten „nicht besonders gut gespielt“. Trotzdem bestand nahezu in jeder Phase die Möglichkeit, dem Geschehen eine Wendung zu geben gegen einen auch wegen personeller Probleme spürbar angeknacksten Rivalen.

Beim Stand von 18:18 (41. Minute) hatte Suchy kurz gedacht, das Spiel drehe sich. Wenig später, beim 20:20, kam ihm noch einmal dieser Gedanke, aber „dann haben wir den Ball zweimal selbst weggeworfen“, so Suchy mit Blick auf die entscheidenden Momente zwischen der 40. und der 46. Minute. Mit zwei zu leichten Fehlern ließ Rödelsee den Gegner erneut ziehen.

Zwar kämpften die Gastgeber, um die letzte Möglichkeit und zumindest einen Zähler. Und zwei Minuten vor dem Ende ergab sich auch noch einmal die Chance, als Andreas Paul ein schier unmögliches Ding zum 26:28 machte. Doch kurz darauf scheiterte Rok Setnikar von außen – im Gegenzug traf Patrick Gempp zu Großwallstadts 29:26. Es war ein Spiel der Marke Abstiegskampf, das mehr von der Spannung und den Fehlern lebte als von der Klasse. Rödelsee wirkte fahrig und oft unkonzentriert, nicht eingespielt, fand keine richtige Linie und suchte schier verzweifelt nach einem System. Das galt auch für die Schiedsrichter: Patrick Müller und Sebastian Meiler schlüpften unter dem Niveau der Partie mühelos durch, bedachten vor allem Rödelsee mit reichlich Zeitstrafen.

Auch Leistungsträger wie Bostjan Hribar, am Samstag ein Schatten seiner Form der vergangenen Rückrunde, blieben hinter den Erwartungen. Lustlos wirkte der slowenische Torjäger zeitweilig, und doch durfte er die ganzen 60 Minuten auf dem Parkett verweilen. „Wir haben keinen guten Tag erwischt, auch ich nicht. Das waren einfach zu viele Fehler heute. Vor dem Spiel habe ich gesagt, wir müssen Großwallstadt schlagen, das wäre eine große Geschichte für den Verein. Vielleicht war das zu viel“, sagte der 37-jährige Linkshänder.

In diese Richtung ging auch die Analyse Dennis Orfs. Auf eine gute Aktion folgten gleich wieder Fehler, die Rödelsee aus dem Konzept und Großwallstadt seinem Ziel des ersten Saisonsieges näher brachten. „Die waren heiß, cleverer und einen Schritt schneller. Wir haben in der Abwehr teils blöd hingelangt“, sagte Orf, der wegen Problemen mit der Schulter am Kreis und mit Schmerzmitteln spielen musste. Viel zu oft warfen die Gastgeber unvorbereitet und unsauber. Vor allem Julius Weinhardt vergab etliche Male von außen.

Großwallstadt war bloß mit neun Feldspielern angereist, nachdem sich Jens Tiedtke am Vortag verletzt hatte. Während des Spiels fielen auch noch Dennis Weit und Niklas Geck aus, so dass ab der 43. Minute nur noch eine Wechseloption bestand. Mit Florian Eisenträger und Patrick Gempp hatte die Mannschaft aber ein starkes Duo, zudem sorgte der erst kurzfristig verpflichtete Slowene Luka Denic in der Abwehr für Stabilität. Das reichte für die Rödelseer an diesem Tag, den sich mancherein wenig anders vorgestellt hatte.

3. Liga Ost Männer
 
HSC Bad Neustadt-Rhön – TV Groß-Umstadt 25:30  
HSV Bad Blankenburg – USV Halle 33:23  
TV Hüttenberg – SV 08 Auerbach 22:17  
HC Elbflorenz – TV Gelnhausen 28:29  
HSG Nieder-Roden – TV Kirchzell 27:22  
TSV Rödelsee – TV Großwallstadt 26:29  
TuS Fürstenfeldbruck – SG LVB Leipzig 29:28  
TSG Groß-Bieberau – GSV Eintracht Baunatal 33:24  
 
1. (1.) TV Hüttenberg 4 4 0 0 114 : 79 8 : 0  
2. (3.) HSG Nieder-Roden 4 4 0 0 113 : 92 8 : 0  
3. (5.) TuS Fürstenfeldbruck 4 4 0 0 109 : 101 8 : 0  
4. (2.) HC Elbflorenz 4 3 0 1 119 : 101 6 : 2  
5. (6.) TSG Groß-Bieberau 4 3 0 1 114 : 97 6 : 2  
6. (7.) HSV Bad Blankenburg 4 3 0 1 111 : 102 6 : 2  
7. (4.) HSC Bad Neustadt-Rhön 4 3 0 1 108 : 101 6 : 2  
8. (10.) TV Groß-Umstadt 4 2 0 2 108 : 107 4 : 4  
9. (8.) SV 08 Auerbach 4 1 0 3 95 : 98 2 : 6  
10. (9.) TV Kirchzell 4 1 0 3 103 : 108 2 : 6  
11. (13.) TV Großwallstadt 4 1 0 3 104 : 108 2 : 6  
12. (12.) TSV Rödelsee 4 1 0 3 110 : 122 2 : 6  
13. (11.) SG LVB Leipzig 4 1 0 3 104 : 111 2 : 6  
14. (14.) TV Gelnhausen 4 1 0 3 104 : 117 2 : 6  
15. (15.) GSV Eintracht Baunatal 4 0 0 4 87 : 117 0 : 8  
16. (16.) USV Halle 4 0 0 4 90 : 132 0 : 8  

Das Spiel in der Statistik

TSV Rödelsee – TV Großwallstadt 26:29 (12:14)

Rödelsee: Thomas Paul, Andreas Wieser; Bostjan Hribar (4/1), Moritz Reichhard, Julius Weinhardt (1), Maximilian Häckner (4), Marko Sokicic (5), Andreas Paul (4/1), Marius Olbrich, Dennis Orf (5), Radovan Suchy, Rok Setnikar (3), Maximilian Sauerhammer. Trainer: Radovan Suchy.

Großwallstadt: Andreas Nositschka, Mile Matije- vic; Niklas Geck (1), Felix Scherer (1), Robin Delfs, Jan Grammel (1), Florian Eisenträger (12/4), Dennis Weit (1), Patrick Gempp (8), Felix Spross (5), Luka Denic. Trainer: Heiko Karrer.

Schiedsrichter: Sebastian Meiler/Patrick Müller (TSV Kottern).

Zuschauer: 700.

Zeitstrafen: 3x Sokicic, 3x Setnikar, 2x Orf, Häckner, Suchy; Scherer, Denic, Gempp.

Rote Karten: Sokicic (52.), Setnikar (60., jeweils nach der dritten Zeitstrafe).

Siebenmeter: 5:3 (4:2 verwandelt).

Spielfilm: 1:2 (4.), 4:4 (10.), 6:9 (17.), 10:12 (24.), 12:14 (Pause); 14:14 (34.), 20:20 (47.), 21:25 (53.), 23:27 (56.), 26:29.
 

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