Alles schon mal dagewesen: Wie vor einem Jahr müssen die Rödelseer Handballer bis zum letzten Spieltag um den Verbleib in der dritten Liga bangen: Trotz lautstarker Unterstützung von den Rängen verloren sie am Samstagabend ihr letztes Saisonheimspiel gegen die SG Leutershausen, die damit Meister ist, mit 28:33 (15:18). Da auch der Konkurrent aus Fürstenfeldbruck wie erhofft in Hochdorf unterlag, bleibt es in der Tabelle bei zwei Punkten Vorsprung für die Rödelseer. Die brauchen nun am nächsten Samstag im Auswärtsspiel beim Tabellenletzten TSV Friedberg mindestens einen Punkt, um auf Nummer sicher zu gehen. Denn im direkten Vergleich mit Fürstenfeldbruck, der bei Punktgleichheit maßgeblich ist für die Platzierung in der Tabelle, sind sie schlechter.

„Die Mannschaft hat gekämpft bis zur letzten Sekunde“, sagte Rödelsees Trainer Radovan Suchy. „Ich habe keine Angst vor Friedberg, wenn wir so kämpfen wie in den letzten zwei Spielen.“ Auch gegen den Tabellenführer hatte Suchy „insgeheim“ auf eine Überraschung gehofft – und lange Zeit hatte sein Team vor 400 Zuschauern im Sickergrund diese Hoffnung genährt. Erst als die Gäste acht Minuten vor Schluss ihren Vorsprung von 28:26 auf 30:26 weiteten, waren sie als Sieger durch. Für Rödelsee hätte an diesem Abend „schon alles passen müssen“, wie Suchy sagte, um den designierten Meister noch einmal vom Weg abzubringen. Leider passte nicht alles.

Rok Ivancic erzielte in den ersten zwölf Minuten drei seiner insgesamt sechs Tore – gewillt, noch einmal alles zu geben, ehe er den Verein zum Saisonende verlässt. Der Slowene wird nach anderthalb Jahren in seine Heimat zurückkehren, zu Frau und Kindern. Vor dem Spiel war er feierlich verabschiedet worden, und kaum, dass die Startsirene ertönt war, zelebrierte er seine Abschiedstournee. Mit 7:5 hatte er den TSV in Führung gebracht, ein unerwarteter Blitzstart, es sah gut aus.

Als Kapitän Andreas Paul nach dreizehn Minuten verletzt ausschied, führten die Rödelseer 8:6, anderthalb Minuten nach der Aktion sogar mit drei Treffern (9:6). Doch dann häuften sich die Fehlpässe, Ballverluste und Fehlwürfe. „Nach der Verletzung Andi Pauls war bei Rödelsee ein kleiner Bruch im Spiel“, stellte auch Leutershausens Trainer Marc Nagel fest.

Den Leistungseinbruch des TSV allein auf das Fehlen des Kapitäns zurückzuführen wäre aber Augenwischerei. Symptomatisch die Situation kurz vor der Halbzeit: In Überzahl kassierte Rödelsee den Treffer zum 14:18. Immerhin verkürzte Bostjan Hribar den Rückstand per Siebenmeter noch einmal auf drei Tore.

Als der zurückgekehrte Andreas Paul nach der Halbzeit gar das 16:18 erzielte, lebte die Hoffnung wieder. Aber immer wenn die Rödelseer drauf und dran waren auszugleichen, leisteten sie sich lässliche Fehler, die Leutershausen zu leichten Toren nutzte. Mal unterlief ihnen ein Missverständnis beim Wechseln, mal warfen sie unbedrängt den Ball ins Nirwana – wie nach 44 Minuten beim Stand von 23:25. Hatte da mancher etwa Angst vor der eigenen Courage?

Der Tabellenführer wirkte keineswegs unverwundbar, hatte selbst einen gebrauchten Tag erwischt. Doch die Rödelseer vermochten die Fehlbarkeit des Favoriten nicht zu nutzen. Beim 26:28 bot sich ihnen eine letzte konkrete Chance für ein Wendemanöver, aber auch diese Gelegenheit ließen sie verstreichen. Ein ums andere Mal stießen die Badener in die Lücken am Kreis, und so zogen sie auf den letzten Metern noch deutlich davon. Zu deutlich, wie auch Trainer Nagel später fand.

Auf der Tribüne skandierten die mitgereisten Fans die Parole des Abends. „Meister! Meister!“ Gut, dass wenigstens sie lautstark daran erinnerten. Die Mannschaft hatte sich in den sechzig Minuten zuvor eines Meisters unverdächtig gemacht. Ein Meisterstück war das nicht, auch wenn der Trainer erklärte: „Es gab wenige Spiele in der Saison, die wir von Anfang an dominierten.“

Vielleicht fiel die Party auch deshalb so verhalten aus, weil allen schon lange im Voraus klar war, dass der Verein aus wirtschaftlichen Gründen sein Aufstiegsrecht würde verfallen lassen. So ergab sich nach dem Abpfiff eine bizarre Szenerie: Leutershausen war gerade Meister geworden, und die Spieler tranken – Selters.