Der Ohrwurm „Applaus, Applaus“ von den Sportfreunden Stiller wäre am Samstag die beste Begleitmusik für die Handballer des TSV Rödelsee auf ihrem Trip in den Landkreis Heidelberg gewesen. Denn es war viel Applaus wert, wie sie ihren kleinen Anhang beim TV Großsachsen begeisterten und einen hochverdienten 29:23 (16:12)-Sieg landeten. Hatte Rödelsee vergangene Spielzeit noch mit einer schwarzen Serie von acht sieglosen Monaten in der Fremde gehadert, trat die Mannschaft jetzt derart überzeugend auf, dass sie das Auswärtsgespenst rasch vertrieb, und gezeigt, dass diese Runde mit ihr zu rechnen sein wird. Es war beeindruckend zu sehen, wie sie Großsachsen kleinkochte.

Die Großsachsener trauten ihren Augen nicht – und ihr Trainer Stefan Pohl erst recht nicht. Denn er hatte vor Wochenfrist als Kiebitz im Sickergrund in der Defensive schwache Rödelseer gesehen – und sie am Samstag kaum wiedererkannt. Denn die taktische Rochade von Trainer Fritz Zenk, in der Abwehr Radovan Suchy neben Bastian Demel decken zu lassen, war genau die richtige Finte. Dazu verlieh der aus dem Urlaub zurückgekehrte Julius Weinhardt seiner Mannschaft mit brillanter Defensivarbeit weitere Stabilität. Weinhardt verdiente sich ein Lob seines Trainers und nach der Partie die Auszeichnung als „Spieler des Spiels“.

Dass ein Rädchen ins andere Griff, machte es Großsachsens Angreifern schwer und dem Rödelseer Torsteher Rostislav Badura viel leichter als beim 26:31 gegen Nußloch. Der tschechische Routinier erbrachte den Beweis, dass er sein Geld wert ist und Rödelsee noch eine große Hilfe sein kann auf dem Weg zum angestrebten Klassenverbleib. „In der Deckung haben wir uns das Selbstvertrauen für den Abschluss geholt“, konstatierte Zenk. Er freute sich, dass er seinen Abwehrverband kompakter gestalten konnte „und dass wir Großsachsen mit den schnellen Toren geschockt haben“. Derweil grämte sich sein Großsachsener Pendant Stefan Pohl, dass seine Schützlinge „nichtblind, sondern sehend ins offene Messer der Rödelseer gerannt“ sind.

Bostjan Hribar machte keine Freudensprünge, als Zenk ihm vor der Begegnung eröffnete, dass er nur im Angriff spielen würde. Doch das Ergebnis gab dem Trainer Recht. Der Slowene konnte seine ganze Kraft in die Offensive legen und verwandelte sei-ne Unzufriedenheit in positive Energie, die er in Richtung des Großsachsener Gehäuses brachte. „Immer der Vierer“, lamentierten einheimische Zuschauer angesichts der tollen Vorstellung Hribars, der mit zehn Toren als einziger in diesem Spiel eine zweistellige Quote erzielte. Überhaupt demoralisierten die Rödelseer den Gegner mit einer Effizienz, die nicht nur Teammanager Tobias Demel großen Spaß bereitete.

Die ersten sieben Würfe schlugen ausnahmslos bei den Großsachsener Torhütern ein. Sie wechselten mehrmals, aber gegen starke Rödelseer gab der eine ein unglücklicheres Bild ab als der andere. Die auftrumpfenden Gäste erwiesen sich auf jeder Position als torgefährlich. Auch Spielmacher Andreas Paul vermochte am Samstag mehr Akzente zu setzen. „Der Andi hat den Kopf hoch gehalten und die Tempowechsel gut dosiert“, würdigte Fritz Zenk die Leistung seines Mittelmanns. Paul dirigierte die Mitspieler, und er trug via Schlagwurf noch fünf Treffer zum deutlichen ersten Saisonsieg bei.

Die Rödelseer dominierten die Begegnung klar und gestatteten ihrem Gegner nicht einen Ausgleichstreffer. Von der ersten bis zur sechzigsten Minute führten sie, von Auswärtsschwäche war nichts zu sehen. Dieses Wort dürfen sie jetzt aus ihrem Vokabular streichen. „Dieser Sieg war eminent wichtig“, so Zenk, und Tobias Demel pflichtete ihm bei. Denn kommenden Samstag kreuzt der hoch eingeschätzte TV Hochdorf im Kitzinger Sickergrund auf, und es bedarf keiner höheren Mathematik, dass ein Fehlstart gedroht hätte, wenn das Unternehmen Großsachsen schief gegangen wäre. Daher ist der Auswärtssieg doppelt wertvoll – und unterstreicht, dass die Rödelseer auf dem richtigen Weg sind.

Das Spiel in der Statistik

TV Großsachsen – TSV Rödelsee 23:29 (12:16)

Großsachsen: Marius Fraefel, Andreas Fischer; Patrick Zweigner (5/4), Peter Masica (1), Nicolai Zschippig (1), Jonas Gunst, Sebastian Knierim (1), Philipp Schulz (2), Tobias Kohl (6), Marcel Ackermann, Alexej Rybakov (2), Dominic Sauer, Simon Spilger (1), Florian Sauer (4/1).

Rödelsee: Thomas Paul, Rostislav Badura; Julius Weinhardt (3), Maximilian Häckner (3), Radovan Suchy (1), Bostjan Hribar (10), Gabor Csorba (2), Bastian Demel (1), Marvin Munoz (2), Andre Deis, Rok Ivancic (2), Simon Weigand, Andreas Paul (5), Franz-Xaver Hetterich.

Schiedsrichter: Matthias Rupp/Roland Tschirley (HSG Weinstadt).

Zuschauer: 280.

Zeitstrafen: 6:6 Minuten (Großsachsen: Schulz, Kohl, Sauer; Rödelsee: Csorba, Weinhardt, Bastian Demel).

Siebenmeter: 5:3 (4:2 verwandelt).

Spielfilm: 2:4 (4. Minute), 4:7 (10.), 5:10 (14.), 7:12 (17.), 11:16 (28.), 12:16 (HZ) – 14:16 (33.), 14:19 (38.), 17:21 (44.), 20:25 (50.), 21:26 (52.), 22:28 (58.), 23:29.