„Der Jäger aus Kurpfalz, der reitet durch den Sickergrund und nimmt die Punkte mit.“ Diese etwas abgewandelte Version des Volkslieds passt bestens zum Heimauftakt 2015 der Rödelseer Handballer. Denn die Kurpfälzer des TV Großsachsen vermiesten dem TSV am Samstagabend mit ihrem 32:31 (15:16)-Sieg die Aufbruchstimmung. Großsachsens Trainer Stefan Pohl sprach nachher von einem „Krimi mit vielen Fehlern auf beiden Seiten“ – und erntete keinen Widerspruch.

„Mir ist heute alles piepegal“, sagte Pohl im Talk nach dem Schlusspfiff, „Hauptsache wir haben endlich wieder mal einen Sieg geschafft.“ Rödelsees Trainer Radovan Suchy rang da noch nach Worten, um die Niederlage zu erklären. Dass der Jäger aus Kurpfalz durch den Wald reitet „und so wild daher schießt, grad wie es ihm gefällt“ – genau so trat Großsachsen auf. Die Gäste dachten gar nicht daran, sich zu verstecken, gingen beim 6:5 nach zwölf Minuten erstmals in Führung.

Die Gastgeber durften in der ersten Hälfte noch auf die Paraden Thomas Pauls bauen und schafften es durch den vorgezogen vor der Abwehr agierenden Julius Weinhardt, die Kreise ihres Gegners zu beschränken. Trotzdem ließen sich die Pfälzer, die früh den Torwart wechselten, niemals abschütteln. Mit einem Doppelschlag vor der Halbzeitsirene wendeten die Rödelseer einen Pausenrückstand kurios ab: Binnen sechzehn Sekunden gelangen ihnen durch Bastian Demel und Julius Weinhardt zwei Tore – es blieb einer der wenigen Glanzpunkte des TSV.

Nach dem Wechsel trat Großsachsen noch etwas selbstbewusster auf. Der Hüne im halblinken Rückraum, Philipp Schulz, schoss tatsächlich so wild daher, wie es ihm gefiel. Zudem verstanden es die Rödelseer nun im-mer weniger, den Gäste-Mittelmann Jonas Gunst in Schach zu halten, der sich zeitweilig sogar aus einer kurzen Deckung stahl. Rödelsee tat sich dagegen schwer, weil die ganze Last fast allein auf seinen Rückraumakteuren ruhte.

Die Slowenen Bostjan Hribar mit erneut zehn Toren und Rok Ivancic boten eine gute Partie. Auch Spielgestalter Andreas Paul setzte sich oft gelungen in Szene und markierte so sechs Treffer. Doch am Kreis ging fast nichts und auf den Außenpositionen herrschte fast sechzig Minuten lang Funkstille.

Radovan Suchy holte nach 46 Minuten Torwart Thomas Paul vom Feld und ersetzte ihn durch Ozren Kvrgic, der mit einigen Paraden zum 29:27 nach 50 Minuten beitrug. Doch wie schon beim Stand von 19:17 war Rödelsee nicht in der Lage, einen Vorsprung von drei oder mehr Toren herauszuschießen. „Gar lustig ist die Jägerei“, dachten sich da die Gäste und schossen weiterhin ungeniert durch die Kitzinger Sickergrundhalle. Außer Pech und einigen Unterzahl-Situationen trugen die beiden Schiedsrichter dazu bei, dass Rödelsee in den letzten zehn Minuten nur noch zu zwei Toren kam.

Bastian Demel die Rote Karte vorzuhalten, nachdem er frustriert eine Wasserflasche zerdeppert hatte, war ebenso übertrieben wie anschließend die Disqualifikation Dennis Orfs in der Schlussminute. Die Herren Kraaz und D'Alessandro verloren den Überblick, sie stellten in Orf den Falschen vom Feld – wenn schon, wäre Gabor Csorba fällig gewesen. Doch Orf gar mit Bericht zu disqualifizieren – ihm droht deshalb eine Sperre samt Geldstrafe – das war völlig verfehlt. Rödelsee musste so die letzten dreieinhalb Minuten in Unterzahl bestreiten, erzwang mit vier gegen sechs noch den 31:31-Ausgleich (58:58), doch Großsachsen schlug noch einmal zurück. Und spielte die letzte halbe Minute runter.

„Da arbeitest du hart, und am Ende geben sie die nicht mal die Hand“, sagte Radovan Suchy später mit Blick auf die zwei Schiedsrichter. Er tat sich schwer, Gedanken zu fassen, trauerte den zwei Situationen nach, in denen seine Mannschaft dem Gegner hätte davonziehen können. „Solche Siege brauchen wir, um unten rauszukommen“, sagte Trainer Stefan Pohl, dessen Team zu Rödelsee (16:18 Punkte) aufgeschlossen hat. Rang acht hört sich noch gut an, doch trügt die Platzierung.

Nicht nur Geschäftsführer Tobias Demel ist sich bewusst, dass Rödelsee nun nur noch vier Punkte Vorsprung vor einem Abstiegsplatz hat. Nächste Woche muss der TSV nach Hochdorf, wo es sehr schwer bis unmöglich sein wird, etwas mitzunehmen. Deshalb wächst nun der Druck auf die Mannschaft. Großsachsen hat gezeigt, dass mit unbedingtem Siegeswillen und Biss manches möglich ist. Für Rödelsee gilt es jetzt konzentriert weiterzuarbeiten, um wieder in die Spur zu kommen.

Das Spiel in der Statistik

TSV Rödelsee – TV Großsachsen 31:32 (16:15)

Rödelsee: Ozren Kvrgic, Thomas Paul; Maximilian Häckner, Marvin Munoz (2), Bostjan Hribar (10/4), Gabor Csorba, Andreas Paul (6), Bastian Demel (1), Radovan Suchy (2), Dennis Orf (1), Rok Ivancic (5), Julius Weinhardt (4), Franz-Xaver Hetterich, Stefan Bayer.

Großsachsen: Marius Fraefel, Andreas Fischer; Jonas Gunst (7/4), Philipp Schulz (7), Dominic Sauer, Patrick Zweigner (5), Marius Jörres (1), Simon Spilger (2), Tobias Kohl (5), Alexej Rybakov (4), Simon Reisig (1), Josha Lauterbach.

Schiedsrichter: Michael D'Alessandro und Frank Kraaz (Ditzingen/Nürtingen).

Zuschauer: 350.

Zeitstrafen: 4:6 Minuten (Rödelsee: Suchy, Demel/ Großsachsen: 2x Reisig, Schulz).

Rote Karten: Orf (59.), Demel (57.); Jörres (48.).

Siebenmeter: Rödelsee 4 (4 verwandelt), Großsachsen 4 (4).

Spielfilm: 4:2, 5:6 (12.), 10:10 (20.), 13:13 (24.), 16:15 (Pause); 19:17 (34.), 22:22 (40.), 29:27 (50.), 30:30 (56.) 31:32.