Auf dem Kitzinger Frankenplatz gab es am Mittwochabend weit mehr Tore zu bestaunen als am benachbarten Bayernplatz – dort das Spitzenspiel der Bezirksoberliga, hier das Duell zweier abstiegsgefährdeter A-Klasse-Mannschaften, das sich zur kurzweiligen Partie entwickelte. Dass der TSV Repperndorf mit 4:1 (3:0) bei Rot-Weiß Kitzingen siegte, bot kaum Anlass zu Jubel, denn gewonnen ist damit noch gar nichts für Repperndorf. Der TSV hat die Kitzinger zwar in der Tabelle überflügelt, ist dem Abstieg aber nur für den Moment entronnen. Nur wenn am Sonntag noch einmal drei Punkte dazukommen, ist der Gang in die B-Klasse wirklich abgewendet.

Die Kitzinger konnten sich in den ersten 20 Minuten mehr Ballbesitzes rühmen, doch gilt im Fußball die Regel: Das Spiel gewinnt derjenige, der die meisten Tore erzielt. So gesehen, waren die Repperndorfer ihrem Gegner um einiges voraus. Mochte Marco Wiehl nach zehn Minuten mit einem Warnschuss sein Ziel verfehlt und der Kitzinger Torsteher Stefan Berger den Schuss Martin Singvogels noch über die Latte gelenkt haben (19.), so war es in der 22. Minute so weit.

Michael Singvogel genoss im Strafraum einen Moment seltener Freiheiten und vollstreckte zur Führung für den TSV. Auf der anderen Seite besaß allein Bülent Haliloglu eine gute Gelegenheit (24.), aber er fand in Repperndorfs Michael Nagel seinen Meister. Für TSV-Spieler Peter Hammel war es nach gut einer halben Stunde schwerer, danebenzuschießen als ins Tor – „doch der hat das wirklich fertig gebracht“, staunte ein Zuschauer. Kurz vor der Halbzeit machte es Hammel dann besser, als er einen – nicht unhaltbar scheinenden – Freistoß zum 3:0 für die Gäste versenkte.

Vier Minuten vorher hatte Daniel Koch, schön in Szene gesetzt von Michael Singvogel, zum 2:0 getroffen. Die Repperndorfer erwiesen sich im Stadtteilderby unter den Augen ihres Klubvorsitzenden Dieter Hertel zielstrebiger, konstruktiver und fußballerisch beschlagener. Die Gastgeber benötigten eine Standardsituation, um wenigstens ein Tor zu erzielen. Nachdem Azzedine Amri im Strafraum zu Boden gegangen war, nutzte Patrick Kropp die Gelegenheit, per Elfmeter zum 1:3 zu verkürzen.

Das Feuer rot-weißer Hoffnung glimmte nur kurz, denn die Gäste traten weiter überlegen auf, und Daniel Koch rückte mit seinem Treffer zum 4:1 (66.) die Verhältnisse wieder zurecht. Die Kitzinger ließen spielerische Klasse vermissen – und fielen stattdessen mit zwei Tätlichkeiten hinter dem Rücken von Schiedsrichter Heinz-Jürgen Kahl aus Kirchheim auf. So zog Rot-Weiß-Trainer Stefan Willner nach dem Abpfiff auch das ernüchterte Fazit: „Die ganze Mannschaft war heute neben der Kappe.“

Der neutrale Zuschauer fragte sich, wie diese Mannschaft in Mainbernheim ein Spiel noch drehen und gar gegen die Sulzfelder siegen konnte. „Vielleicht“, so rätselte Willner, „sind die Jungs bloß mit dem Druck nicht zurechtgekommen.“ Noch ist der Abstieg nicht besiegelt. Die Rot-Weißen können ihr Ziel „Nichtabstieg“ noch erreichen.

Die Repperndorfer haben die Vorgabe weit verfehlt. Unter Trainer Andreas Hartner hatten sie einen einstelligen Tabellenplatz angestrebt. Längst ist Hartner weg und mit ihm eine ordentliche Platzierung – inzwischen geht es nur noch darum, den Totalabsturz zu verhindern. Sie brauchen an diesem Sonntag gegen Bibergau noch einen Sieg, um ganz sicherzugehen.

„Ich sehe unsere Chance bei fünfzig zu fünfzig, denn die Rot-Weißen haben am Sonntag mit der Siedler-Reserve den leichteren Gegner“, sagt TSV-Vorsitzender Dieter Hertel. Er ist sich bewusst, dass sich sein Team an die eigene Nase fassen muss und sich aus eigener Schuld in die prekäre Lage gebracht hat. „Aber wir haben es wieder selbst in der Hand“, stellte er am Mittwoch fest.

Sein Kollege Willner ärgerte sich dagegen: „Wir haben uns heute selbst um den Lohn der vergangenen Wochen gebracht.“ Der Kitzinger Trainer hofft, seine Mannschaft noch rechtzeitig aufrichten zu können. Sollte es nicht zum Klassenverbleib reichen, hätte es für Willner keine Konsequenzen; auch bei einem Abstieg würde er in der kommenden Runde bei Rot-Weiß weiterarbeiten. Dann hieße es: Auf ein Neues in der B-Klasse.

Das Spiel in der Statistik

Rot-Weiß Kitzingen – TSV Repperndorf 1:4 (0:3)

Kitzingen: Stefan Berger; Benjamin Müller, Albert Hambach, Armin Wiedemer, Thorsten Ellmauer, Phil Dominski, Christian Schiebel, Bülent Haliloglu (46. Azzedine Amri), Jusuf Chasanoglou, Dominik Funk (61. Surush Fahimnia), Patrick Kropp.

Repperndorf: Michael Nagel; Peter Hammel, Stephen Rogers, Roland Fleischer (76. Julian Johnson), Christian Krämer, Sebastian Scholand, Marco Wiehl, Martin Singvogel, Daniel Przyklenk, Michael Singvogel (80. Julien Schwerdel), Daniel Koch (86. Waldemar Zimmermann).

Schiedsrichter: Heinz-Jürgen Kahl (Kirchheim).

Zuschauer: 60.

Gelbe Karten: Funk; Scholand, Martin Singvogel, Schwerdel.

Tore: 0:1 Michael Singvogel (22.), 0:2 Daniel Koch (36.), 0:3 Peter Hammel (40.), 1:3 Patrick Kropp (53.), 1:4 Daniel Koch (66.).