Handball, dritte Liga Ost Männer

Ratlosigkeit nach dem Derby-Debakel

Versteinerte Mienen nach einem desaströsen Auftritt: Die Rödelseer müssen lange zurückdenken, um sich an eine Niederlage wie das 29:39 in Bad Neustadt zu erinnern.
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Ein Bild mit Symbolcharakter: Spielertrainer Radovan Suchy und seine Rödelseer sind nach der Derby-Schlappe in Bad Neustadt am Boden. Foto: Foto: Hartmut Hess

Die Fans des TSV Rödelsee saßen geschockt auf der Tribüne der Bad Neustädter Bürgermeister-Göbels-Halle. Das Geschehen ließ die Mienen von Geschäftsführer Tobias Demel und Teammanager Dusan Suchy versteinern, und Trainer Radovan Suchy ließ die Gastgeber bei der Pressekonferenz nach dem Unterfranken-Derby eine gefühlte Ewigkeit warten. Was war passiert? Die Rödelseer hatten sich eben eine 29:39 (14:21)-Klatsche gegen den HSC Bad Neustadt eingefangen. Dabei bewahrte nicht der Rödelseer Widerstand, sondern nur Unvermögen der Gastgeber die Rödelseer in den Schlussminuten vor dem 40. Gegentreffer.

„Das Ergebnis ist einfach geil“, jubelte Bad Neustadts Maximilian Schmitt nach der Partie, während das Ergebnis für die wie geprügelte Hunde von der Platte gegangenen Rödelseer schlicht ein Debakel darstellte. Fast 40 Gegentreffer, so eine Packung hatte der TSV zuletzt in seiner ersten Landesligasaison des Jahres 2002 einstecken müssen – woran sich die historische Dimension des Untergangs in der Rhön ablesen ließ. Rödelsee führte zu Beginn 5:3 (6.) und es funktionierte, dass Radovan Suchy in der Abwehrmitte stand und im Angriff mit Bostjan Hribar wechselte. Da Bastian Demel noch urlaubte und Maximilian Häckner mit einer Augenverletzung ausfiel, musste Dennis Orf auf die ungewohnte Kreisläufer-Position.

Doch für ihn war schon nach 20 Minuten mit einer Roten Karte Feierabend. Radovan Suchy machte die überzogene Disqualifikation hinterher als Knackpunkt geltend. Doch sah auch Bad Neustadts Konstantin Singwald später eine Rote Karte, die noch weniger berechtigt war. Außerdem wäre Radovan Suchy besser beraten gewesen, die Ausschlag gebenden Faktoren in den eigenen Reihen zu suchen. Denn das 5:3 verspielten die Gäste binnen nur vier Minuten und nach dem 7:5 (10.) starteten die Bad Neustädter ein Offensiv-Spektakel.

„Die Mannschaft hat als Kollektiv einen Superjob gemacht“, lobte HSC-Trainer Margots Valkovkis die Seinen. Vor nicht ausverkauftem Haus agierte Vilim Leskovec zwingend, Franziskus Gerr war am Kreis nicht zu halten und ihre Mannschaft ging ein hohes Tempo, das die Rödelseer überforderte. Hinzu kam, dass sich die Gäste im Angriff zu viele Ballverluste und Fehlwürfe leisteten. Felix Schmidt im Tor der Hausherren bot eine starke Vorstellung und machte einen großen Pluspunkt im Vergleich mit den Rödelseer Andreas Wieser und Thomas Paul aus. Freilich musste ihnen zu Gute gehalten werden, dass die Bad Neustädter oftmals durch die Rödelseer Abwehr spazieren und selbst aus der Nahzone ungehindert ihr Scheibenschießen fortsetzen konnten.

Mittlerweile ist der TSV Rödelsee mit durchschnittlich über 32 Gegentreffern pro Spiel zur Schießbude der Liga geworden. Neuerdings firmieren die Schwanbergler als TSV Mainkraft Rödelsee – nur mit der Kraft war es am Samstag nicht weit her. „Wir haben nur 15 Minuten Handball gespielt, der Rest hatte mit Handball nichts zu tun“, lautete Radovan Suchys ernüchternde Bilanz. Ihm war nicht entgangen, dass die Valkovskis-Truppe top motiviert agiert hatte. Davon war auf Rödelseer Seite nichts zu sehen.

Dass vom jungen Maximilian Sauerhammer auf der halblinken Königsposition keine Wunderdinge kommen würden, war zu erwarten. Aber von einem Ex-Profi Bostjan Hribar darf und muss der TSV Rödelsee mehr erwarten. Auch wenn der Slowene sechs Feldtore erzielte, verurteilten ihn die Rhöner nahezu zur Wirkungslosigkeit. Wenn der Linkshänder abzog, blockte ihm die massierte Deckung der Rhöner die Würfe reihenweise weg oder Felix Schmidt parierte mitunter zweitklassige Würfe. Dass Hribar, Kapitän Andreas Paul und Julius Weinhardt gleich im Trio gegen Schmidt oder Fabian Tatzel in den Siebenmeterduellen scheiterten, passte ins negative Gesamtbild der Gäste.

Die einzigen, die sich bei den Gästen gute Noten verdienten, waren der Ex-Neustadter Julius Weinhardt und Spielertrainer Radovan Suchy. Nach Orfs Roter Karte musste der Slowake durchspielen, rackerte als Kreisläufer, holte mehrere Siebenmeter samt Zeitstrafen für die Gastgeber heraus und gab ein Vorbild an Kampfgeist. Julius Weinhardt vergab zwar einen Strafwurf und einen Konter, kam aber dennoch auf acht Treffer und überzeugte auf Linksaußen mit der besten Quote beim TSV.

Die Rödelseer stehen jetzt mit 2:8 Punkten auf dem Abstiegsplatz 14 und präsentierten sich in der Rhön tatsächlich wie ein Abstiegskandidat. „Ich bin froh, dass wir nur mit zehn Toren Unterschied verloren haben“, meinte Radovan Suchy in der Pressekonferenz. Mit einer solchen Leistung wird auch kommenden Sonntag in Groß-Umstadt nichts zu holen sein.

Die Statistik zum Spiel

HSC Bad Neustadt – TSV Rödelsee 39:29 (21:14)

Bad Neustadt: Fabian Taztel, Felix Schmidt; Maximilian Schmitt 2, Felix Wolf, Garys Hines 3, Konstantin Singwald 4, Benedikt Kleinhenz 1, Lukas Böhm 5, Jan Wicklein 5/1, Falk Kolodziej 7, Franziskus Gerr 4, Vilim Leskovec 8.

Rödelsee: Andreas Wieser, Thomas Paul; Bostjan Hribar 7, Julius Weinhardt 8, Andreas Paul 2, Dennis Orf 2, Radovan Suchy 2, Marko Sokicic 2, Marius Olbrich 2, Maximilian Sauerhammer 1, Rok Setnikar 3,

Schiedsrichter: Matthias Mischinger/Thomas Nähler (Sachsen-Anhalt).

Zuschauer: 630.

Rote Karten: Konstantin Singwald (55., Foulspiel) – Dennis Orf (21., Foulspiel).

Zeitstrafen: 12:4 Minuten (Bad Neustadt: Hines, 2x Singwald, 2x Gerr, Wicklein; Rödelsee: Suchy, Setnikar).

Siebenmeter: Bad Neustadt 2 (1 verwandelt), Rödelsee 4 (1).

Spielfilm: 3:5 (6.), 7:5 (10.), 10:10 (16.), 16:12 (21.), 19:13 (26.), 21:14 (HZ), 28:18 (42.), 32:22 (48.), 37:27 (55.), 39:29 (Endstand).

3. Liga Ost Männer
 
SV 08 Auerbach – TV Gelnhausen 32:31  
TV Groß-Umstadt – SG LVB Leipzig 33:27  
TSG Groß-Bieberau – TuS Fürstenfeldbruck 26:27  
USV Halle – GSV Eintracht Baunatal 27:29  
TV Hüttenberg – HC Elbflorenz 26:22  
HSC Bad Neustadt-Rhön – TSV Rödelsee 39:29  
HSG Nieder-Roden – HSV Bad Blankenburg 33:23  
TV Kirchzell – TV Großwallstadt    
 
1. (1.) TV Hüttenberg 5 5 0 0 140 : 101 10 : 0  
2. (2.) HSG Nieder-Roden 5 5 0 0 146 : 115 10 : 0  
3. (3.) TuS Fürstenfeldbruck 5 5 0 0 136 : 127 10 : 0  
4. (7.) HSC Bad Neustadt-Rhön 5 4 0 1 147 : 130 8 : 2  
5. (6.) HSV Bad Blankenburg 5 3 0 2 134 : 135 6 : 4  
6. (8.) TV Groß-Umstadt 5 3 0 2 141 : 134 6 : 4  
7. (4.) HC Elbflorenz 5 3 0 2 141 : 127 6 : 4  
8. (5.) TSG Groß-Bieberau 5 3 0 2 140 : 124 6 : 4  
9. (9.) SV 08 Auerbach 5 2 0 3 127 : 129 4 : 6  
10. (11.) TV Großwallstadt 4 1 0 3 104 : 108 2 : 6  
11. (10.) TV Kirchzell 4 1 0 3 103 : 108 2 : 6  
12. (12.) TSV Rödelsee 5 1 0 4 139 : 161 2 : 8  
13. (13.) SG LVB Leipzig 5 1 0 4 131 : 144 2 : 8  
14. (15.) GSV Eintracht Baunatal 5 1 0 4 116 : 144 2 : 8  
15. (14.) TV Gelnhausen 5 1 0 4 135 : 149 2 : 8  
16. (16.) USV Halle 5 0 0 5 117 : 161 0 : 10  

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