(dpa/red) „Der Vereinsdialog steht ganz oben auf der Agenda der nächsten Jahre“, sagte Rainer Koch, der beim Verbandstag des Bayerischen Fußball-Verbandes in Bad Gögging zum dritten Mal in seinem Amt als Präsident bestätigt wurde (wir berichteten). Der deutsche WM-Triumph in Brasilien soll auch der Basis einen Schub geben: „Ich hoffe, dass der WM-Erfolg mithilft, die Begeisterung junger Menschen für den Fußball hochzuhalten“, sagte der DFB-Vizepräsident.

„Wir haben den Verband in den letzten zehn Jahren strukturell auf neue Füße gestellt. Der BFV steht stark gefestigt da, sowohl innerhalb Bayerns als auch auf nationaler Ebene“, erklärte Koch stolz. Auch seine neue Amtszeit bis 2018 soll von wichtigen Reformprozessen geprägt werden. „Der Amateurfußball hat eine gute Zukunft, wenn er sich auf die veränderten Rahmenbedingungen in der Gesellschaft einstellt“, mahnte der Präsident.

Der Rahmenfinanzplan für die Jahre 2014 bis 2017 wurde von den 243 Delegierten einstimmig genehmigt. Der Verband sei „finanziell so gut aufgestellt“, sagte Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, „dass keine Gebührenerhöhungen vorgeschlagen werden müssen“. Konfliktpotenzial für die kommenden Wochen und Monate berge der Streit mit dem Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV). Der Verbandstag beauftragte das Präsidium einmütig, die finanzielle Belastung für notwendige Sanierungsmaßnahmen an der gemeinsam mit dem BLSV betriebenen Sportschule Oberhaching abzuklären. Zugleich will sich die BFV-Führung um höhere Zuschüsse seitens des BLSV und staatlicher Institutionen bemühen. „Der Streitgegenstand sind die Mittel für die Personalstellen“, verdeutlichte BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher.

Beim Verteilungsschlüssel sehen sich die Fußballer als größte Mitgliedsorganisation im Dachverband (BLSV) etwa im Vergleich zu den Leichtathleten benachteiligt. Es geht bei der Rückforderung seit 2009 um einige hunderttausend Euro. Koch deutete eine mögliche Kompromisslösung an. Wenn rückwirkend ab 2013 „erhöhte Beiträge“ vom BLSV angeboten würden, könnte der BFV auf seine Nachforderungen für den Zeitraum 2009 bis 2013 verzichten. „Es gibt eine zu große Hintenanstellung des Fußballs“, beklagte der Präsident.

Der Verbandstag verlief in großer Harmonie, was Koch der intensiven Kontaktpflege der Führungsriege mit den Vereinen zuschrieb. Alle 24 Kreistage und die sieben Bezirkstage habe er persönlich besucht. „Pro Amateurfußball ist der gemeinsame Wille aller“, hob er hervor.

In seiner Rede nahm Koch auch Stellung zur Kritik an der mittlerweile sehr verkürzten Sommerpause. „Natürlich stellen die Trainer und Abteilungsleiter fest, dass sich durch die Relegationsspiele die Sommerpause verkürzt hat, die Vorbereitung nicht mehr so aussieht, wie vielleicht vor zehn Jahren, und es Anlaufschwierigkeiten in der neuen Saison geben kann. Aber irgendwo müssen wir Kompromisslösungen eingehen.“ Er sei der Meinung, „dass wir versuchen müssen, dann zu spielen, wenn das Wetter schön und die Attraktivität auch am größten ist. Wir können den Spielkalender zum einen nicht einfach umstellen und zum anderen wollen wir das auch gar nicht. Wir wollen unsere Highlights, unsere Saison-Höhepunkte, doch zur richtigen Jahreszeit haben. Wer will denn Relegationsspiele im November? Niemand!“

Dass die die Kreise selbst dafür gesorgt hätten, „dass die Saison maximal lange läuft und dann auch maximal früh wieder begonnen wird , sei der richtige Weg. „Natürlich sind Trainer darüber nicht glücklich. Aber die Sichtweise der Trainer kann nicht die einzige sein, wenn wir den Amateurfußball attraktiv halten wollen.“

Der Verbandstag beschloss die bayernweite Einführung der Fair-Play-Liga im U 9-Junioren-Bereich zur kommenden Saison. Nachdem sich 18 von 24 Kreistagen und alle sieben Bezirkstage dafür ausgesprochen hatten, sprachen sich auch die Delegierten in Bad Gögging für die neue Spielform aus. Es wird ohne Schiedsrichter gespielt wird, der Spaß am Fußball soll für den Nachwuchs im Vordergrund stehen – frei vom Ergebnis und ohne Druck von außen. Die Trainer agieren aus einer gemeinsamen Coaching-Zone heraus, und die Zuschauer verfolgen das Spiel mit einigen Metern Abstand zum Spielfeld.

Bei der Idee der flexiblen Mannschaftsgrößen in den unteren beiden Spielklassen folgte der Verbandstag dem Vorschlag, den Bezirken die Entscheidung über eine Einführung in den zugehörigen Kreisen zu überlassen. Damit kann der BFV flexibel auf die Anforderungen und regionalen Unterschiede im Flächenstaat Bayern reagieren.

Auch die komplett überarbeiteten Fassungen der Spiel- und Jugendordnung befürwortete der Verbandstag. Neu ist dabei die Regelung zum Einsatz von Spielern in unterklassigen Mannschaften des Vereins, die nun von der Bayernliga bis zur C-Klasse einheitlich gilt.