Als 39. der europäischen Rangliste angetreten, sorgte der Volkacher Luftpistolenschütze Philipp Grimm bei der Europameisterschaft in Arnheim (Niederlande) für eine Sensation. Das 22-jährige Mitglied der deutschen Nationalmannschaft holte in der Einzelwertung und mit der Mannschaft Gold. Im Einzel-Finale verwies er den Serben Damir Mukec und den Russen Anton Gourianov auf die Plätze zwei und drei. Gemeinsam mit seinen Kollegen Manuel Heilgemeier (Kempten) und Florian Schmidt (Frankfurt/Oder) gewann Grimm ein zweites vergoldetes Edelmetall. „Für mich ist ein Traum zur Wirklichkeit geworden“, sagte der frisch gebackene Europameister gegenüber dieser Zeitung.

Dass hinter der Realisierung von Träumen harte Arbeit steckt, zeigt Grimms bisherige Laufbahn. Mit konzentriertem Training holte er sich vor zwei Jahren den deutschen Meistertitel. Seit seiner Einstellung bei der bayerischen Bereitschaftspolizei in Dachau im Herbst 2013 als „Spitzensportler“ kann er regelmäßig, härter und intensiver mit Kollegen aus dem deutschen Bundeskader trainieren. Unter der Regie von Bundestrainer Jan-Erik Aeply und seinen Vereinstrainern hat Grimm unglaublich zugelegt.

Punktgleich (579 Ringe) mit den späteren Zweit- und Drittplatzierten beendete er vor großem Publikum auf der Schießanlage in Arnheim als Fünfter die Qualifikationsrunde, um dann im Finale zuzuschlagen. 199,8 Ringe schaffte der neue Europameister im Endkampf und sorgte mit einer Super-Serie für eine faustdicke Überraschung. „Ich wurde im Laufe des Wettkampfs immer sicherer und zuversichtlicher“, berichtet er. Vor dem letzten Schuss und dem Triumph vor Augen stieg die Nervosität. „Danach ist eine große Last von mir abgefallen“, blickt er zurück. Beim Abspielen der deutschen Nationalhymne erlebte der neue Europameister auf dem Siegerpodest Emotionen in noch nicht gekannter Intensität. „Es ist alles so schnell gegangen, unbegreiflich. Ich war perplex.“

Grimm, der bei den Kgl. Priv. Schützen in Volkach ausgebildet wurde und in der Bundesliga die Farben des SV Kelheim-Gmünd trägt, ist überglücklich über seinen bisher größten Erfolg, bei dem er sich gegen erfahrene Hasen mit Olympiaerfahrung aus ganz Europa durchsetzte. „Weil der Übergang von den Junioren sehr schwer ist, freue ich mich besonders darüber, dass ich jetzt bei den Herren durchgestartet bin“, so das Volkacher Urgestein. Zusammen mit Trainerstab und Psychologen legten sich die deutschen Sportschützen in Arnheim eine individuelle Taktik zurecht, die schließlich von Erfolg gekrönt sein sollte. „Mein Einzeltitel kam für alle überraschend. Damit hatte auch ich nicht gerechnet.“ Mit der Mannschaft war man da schon zuversichtlicher. „Da haben wir uns eine Medaille ausgerechnet.“ Dass es zweimal für Gold reichte, bedeutet für den Deutschen Sportschützenbund das Ende einer langen Durststrecke. Das letzte deutsche Mannschafts-Gold gab es 1991, das letzte Gold in der Einzelwertung vor 15 Jahren.

Die großen Emotionen nach dem Wettkampf sind bei Grimm zwar haften geblieben, weichen aber langsam dem nüchternen Blick nach vorne. Sein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) oder vier Jahre später in Tokio (Japan). „Das ist mein großer Traum.“ Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Sein nächster großer Wettkampf ist Mitte April der Weltcup in Changwon (Korea), bei dem wichtige Punkte für die Quotenplätze für die Olympiateilnahme vergeben werden.

ONLINE-TIPP

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