Volleyball

Peter Moritz und Frederico Koch ragen heraus

Volkacher fegen den Favoriten Lichtenfels/Coburg/Grub aus der Mainschleifenhalle
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Kein Durchkommen: Gästeangreifer Tassilo Jacobitz (rechts) wird geblockt von den Volkachern (von links) Hauke Wagenhäuser und Bruno Wedrich, was ihr Kollege Frederico Koch verfolgt. Foto: Foto: Hartmut Hess

Verkehrte Welt bei den Volkacher Volleyballern: Während die Rote Wand der Fans nach den zuletzt schwächeren Leistungen so dünn wie selten in dieser Saison war, boten die Spieler möglicherweise ihre beste Vorstellung. Gegen die Bundesliga-Reserve aus Coburg, die als Tabellendritter anreiste, wäre eine 0:3-Niederlage nicht überraschend gewesen. Doch der abstiegsbedrohte Bayernliga-Aufsteiger Volkach fegte die Gäste mit einem 3:0-Erfolg aus der Halle.

 

„Heute gilt es, mehr Biss und Willen zu zeigen und mehr Mut in die Waagschale zu werfen“, war im Spielheft der Volkacher zu lesen. Vielleicht hatte Trainer Raimund Wagenhäuser den Seinen den Artikel zur Lektüre in die Kabine gelegt. Jedenfalls beherzigten die Gastgeber diesen Satz. Denn sie traten mit der passenden Einstellung auf, wussten was auf dem Spiel steht, zeigten Biss und versprühten absoluten Siegeswillen. Kaum war die Begegnung angepfiffen, enteilten die Gastgeber schon auf 6:3. Anfangs war die Nervosität in den VfL-Reihen nicht zu übersehen, doch mit guter Blockarbeit merzten sie manchen Fehler aus.

Beim 8:7 lagen die Gäste erstmals in Führung. Wenn jemand zu diesem Zeitpunkt Raimund Wagenhäuser gesagt hätte, dass dies die letzte Gästeführung gewesen sein sollte – sieht man einmal von der Verlängerung im zweiten Satz ab –, Wagenhäuser hätte möglicherweise am Geisteszustand seines Gesprächspartners gezweifelt. Bis zum 18:18 wehrten sich die Oberfranken nach Kräften, doch die Volkacher zogen ihr Ding durch bis zum 25:19-Satzgewinn. „Ich habe den Jungs gesagt, die könnt ihr heute packen“, verriet der Trainer hinterher.

In Fahrt gekommen, marschierten die Volkacher weiter. Bei 14:9 standen die Aktien gut, vor allem dank Peter Moritz und Frederico Koch. „Beide waren heute überragend“, lobte Raimund Wagenhäuser das Hauptannahmespieler- und Außenangreifer-Duo. Tatsächlich agierte Koch nahezu fehlerlos, und Peter Moritz verzückte Trainer, Mannschaftskameraden und Zuschauer gleichermaßen. Er beeindruckte mit enormer Sprungkraft, starken Angaben und passgenauen Schmetterschlägen, die den Gästen regelrecht um die Ohren flogen. Über 18:15 und 20:17 visierten die Mainschleifler beim 23:21 den zweiten Satzgewinn an, wurden aber von der Angst vor der eigenen Courage gebremst. Beim 24:24 war der Volkacher Vorsprung aufgebraucht, und das heiße Satzende hätte Alfred Hitchcock nicht besser inszenieren können. Den ersten Satzball beim 24:23 wusste Volkach genauso wenig zu verwerten wie beide Mannschaften irgendeinen bis zur 30-Punkte-Marke. Das Nachsitzen verlangte den Kontrahenten psychisch alles ab, und selbst Sebastian Schyma, der mit Andre Dehler das Spielertrainer-Duo der Gäste bildet, vermochte mit seinen Aufschlägen keine Entscheidung herbeizuführen. Raimund Wagenhäuser sprang noch höher als seine Spieler, nachdem sie den Punkt zum Satz bringenden 33:31 markiert hatten. Dadurch waren die Gastgeber endgültig die Chefs im Ring und ließen keine Zweifel mehr am zweiten Heimsieg dieser Bayernliga-Saison aufkommen.

„Wir haben taktisch so agiert, dass wir unsere Angriffsbälle immer auf die Lichtenfelser Spielertrainer gezielt haben“, verriet Raimund Wagenhäuser hinterher. Tatsächlich kamen Dehler und Schyma kaum zur Geltung, was Dehler aber auch auf Trainingsdefizite zurückführte. Die Lichtenfelser sahen im dritten Durchgang nach der Verletzung von Tassilo Jacobitz die Felle davon schwimmen. In der Folge war kein Wechsel mehr möglich „und jeder von uns musste auf einer ungewohnten Position spielen“, nannte Sebastian Schyma eine Ursache für die Volkacher Überlegenheit. Von 9:2 über 16:12 und 20:16 beherrschten die Hausherren das Geschehen und machten mit dem 25:21 den 3:0-Sieg perfekt. „Das war ein Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt“, fand Raimund Wagenhäuser, der auch Libero Jonas Thaler eine aufsteigende Form bescheinigte.

Mit jetzt 17 Punkten verabschiedeten sich die Volkacher vom vorletzten Platz und nehmen Rang sieben ein, hinter Katzwang/Schwabach/Stein (19 Punkte) und Memmelsdorf (20 Punkte). Das nächste Spiel bestreitet die Wagenhäuser-Riege beim Vorletzten Hohenfels-Parsberg, und im folgenden gastieren sie beim Schlusslicht Arzberg. Dabei sollten die nötigen Punkte für den Klassenerhalt eingefahren werden. Wenn nicht, dann gibt es noch die letzte Chance im Saisonfinale am 21. März gegen Memmelsdorf. „Herr Reporter, dann müssen sie halt nochmal kommen gegen Memmelsdorf“, unkte Raimund Wagenhäuser am Samstag. „Denn Sie waren jeweils bei den beiden Heimspielen hier, die wir in dieser Runde gewonnen haben“, ließ der Trainer eine gewisse Neigung zum Aberglauben erkennen.

Bayernliga Nord Männer
 
TV Faulbach – BSV Bayreuth 0:3  
VC Hohenfels/Parsberg – CVJM Arzberg 2:3  
SC Memmelsdorf – TV Erlangen 0:3  
VfL Volkach – SG Lichtenfels/Grub 3:0  
TB/ASV Regenstauf – VC Katzwang/Schwabach 3:0  
 
1. (1.) TB/ASV Regenstauf 15 15 0 45 : 11 44  
2. (2.) BSV Bayreuth 15 10 5 39 : 19 34  
3. (4.) TV Erlangen 15 9 6 33 : 29 23  
4. (3.) SG Lichtenfels/Coburg/Grub 15 7 8 28 : 29 22  
5. (5.) SC Memmelsdorf 15 7 8 23 : 29 20  
6. (6.) VC Katzwang/Schwabach 15 6 9 28 : 33 19  
7. (9.) VfL Volkach 15 6 9 27 : 33 17  
8. (7.) TV Faulbach 15 5 10 25 : 36 16  
9. (8.) VC Hohenfels/Parsberg 15 6 9 23 : 36 16  
10. (10.) CVJM Arzberg 15 4 11 24 : 40 14  

Die Statistik zum Spiel

VfL Volkach – Lichtenfels/Coburg/Grub 3:0 (25:19, 33:31, 25:21)

Volkach: Sebastian Berger, Bruno Wedrich, Maximilian Fröhlich, Hauke Wagenhäuser, Frederico Koch, Peter Moritz, Tim Schumacher, Marcel Binzenhöfer, Karsten Wagenhäuser, Jonas Thaler, Johannes Förster.

Lichtenfels/Coburg/Grub: Jens-Martin Aumann, Andre Dehler, Max Huber, Tassilo Jacobitz, Philipp Lamberti, Bastian Markgraf, Sebastian Schyma, Felix Willner.

Schiedsrichter: Bettina Koß (Rödental), David Klösch (Erlangen).

Zuschauer: 120.

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