FUSSBALL: A-KLASSE 2 WÜRZBURG

Ochsenfurt kämpft gegen Altlasten

Noch fehlt der letzte Schritt zur Meisterschaft. Aber mit jedem Spiel, mit jedem Sieg entfernt sich der OFV von einer Vergangenheit, die ihn bis heute verfolgt.
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Ochsenfurter Feldherr: Trainer Patrick Gutknecht weist den Weg in die Kreisklasse. Foto: Foto: Alexander Rausch

Manchmal muss sich Patrick Gutknecht wundern. Manchmal kann er nicht verstehen, warum die Leute seinem Verein so viel Missgunst und Ablehnung entgegenbringen. „Warum gönnen sie einem den Erfolg nicht?“ Seit vergangenen Juni ist Gutknecht Spielertrainer des Ochsenfurter FV, zuvor war er schon ein halbes Jahr Spieler auf der Maininsel, und überall, wo Gutknecht mit dem OFV auftauchte, spürte er die latente Abneigung gegen diesen Klub.

Wahrscheinlich ist der 29-Jährige zu jung, um zu wissen, woher sie rührt. Als der FC Ochsenfurt Ende der 1980er Jahre in der Landesliga spielte, war Patrick Gutknecht gerade geboren. „Nur aus Erzählungen“ weiß er von dieser Zeit, vom stolzen Stadtverein, der den anderen die Spieler wegschnappte. Und vom Ende mit Schrecken, als das Gebilde wie ein Kartenhaus zusammenkrachte, weil der Sponsor wegfiel und mit ihm das süße Geld, das viele der Spieler erst in die Zuckerstadt gelockt hatte.

Die heutige Generation will einen anderen Weg gehen, sagt Gutknecht. Sie möchte es zum Großteil mit jungen Spielern versuchen, mit Spielern, die sich dem Klub verbunden fühlen. Am liebsten mit Leuten aus der eigenen Talentschule rund um das Maindreieck. Der Aufstieg wird langsamer vonstatten gehen als damals, er wird nicht ganz so steil und so weit nach oben führen. Dafür ist das Wachstum organischer und nachhaltiger.

In der A-Klasse steht der OFV drei Spieltage vor Saisonende vor dem entscheidenden Schritt im Titelrennen – ein Sieg am Sonntag gegen den ersten Verfolger aus Geroldshausen, und der Klub hätte es geschafft, in die Kreisklasse zurückzukehren. Von dort ging es vor drei Jahren abwärts: ein Tiefpunkt in der Vereinshistorie, ein Hochfest für die Neider, von denen es noch immer viele gibt. Sie alle spricht Gutknecht an, wenn er sagt: „Warum kann man nicht einfach mal vergessen, was früher war?“

Immer schon hat der Verein polarisiert, nun hat er noch einen Trainer, der nach eigenen Angaben kein Kind von Traurigkeit ist. Da kommt einiges zusammen. Geboren in der Schweiz, im Zürcher Unterland zog Gutknecht vor zwanzig Jahren mit seiner Mutter in den Büttharder Ortsteil Tiefenthal, der Heimat des Stiefvaters, kaum siebzig Einwohner. Als Fußballer kam er viel herum: Eibelstadt, Rimpar, Kleinrinderfeld, Unterschüpf und Zellingen, seit Januar 2016 Ochsenfurt.

Auf eines konnte er sich immer verlassen: seinen Torinstinkt. Aber auch auf etwas anderes: sein Temperament. „Ich war ein aufbrausender Spieler“, sagt er mit Blick auf so manchen Platzverweis. In Ochsenfurt kannten sie seine Geschichte; dass sie ihn dennoch mit allen Kompetenzen ausgestattet haben, darf man als großen Vertrauensbeweis deuten.

Einen Teil dieses Vertrauens hat er schon zurückgezahlt. Mit seiner jungen Mannschaft – Durchschnittsalter 22,5 Jahre, kaum ein Spieler jenseits der 30 – ist es ihm gelungen, die Klasse zu beherrschen. Und das, obwohl die anderen wegen der alten Rivalität meist noch eine Schippe draufgelegt hätten, wenn es gegen den OFV ging. Lokalrivale SV Kleinochsenfurt habe vor einer Woche seinen Stürmer Paul Scheuble extra aus Hannover einfahren lassen.

Beim 3:2 hatte Ochsenfurt Mühe, wie schon beim 1:0 in Hopferstadt oder dem 2:1 gegen Fuchsstadt. Fast alle Gegner hätten sich zu zehnt in ihrer sicheren Deckung verschanzt und gar nicht versucht, am Spiel teilzunehmen. Destruktiv heißt man das wohl, Spielverderber. Dies macht die Meisterschaft am Ende noch ein bisschen wertvoller.

Noch aber ist es nicht so weit. Gutknecht sagt: „Ich spiele seit 24 Jahren Fußball und bin erfahren genug, um zu wissen, was alles passieren kann.“ Vier Punkte liegt Ochsenfurt vor dem SV Geroldshausen – genug, um auch bei einer Niederlage noch aus eigener Kraft Meister werden zu können. Am Donnerstag, beim Abschlusstraining sah Gutknecht in freudige Gesichter. Die Mannschaft wisse um ihre Chance, sie sei entschlossen, aber auch etwas nervös.

Er selbst hat seit etwa sieben Monaten kein Spiel mehr mitgemacht, tritt demnächst eine Spezialbehandlung an, um eine hartnäckige Patellasehnenentzündung im linken Knie kurieren zu lassen. Dass es vom Verein selbst keinen Druck und keine Zielvorgabe gibt, ändert nichts an der Tatsache: Der Ochsenfurter FV muss aufsteigen. Was müsste der Verein an Hohn und Spott aushalten, würde er auf der Zielgeraden des Titelrennens stolpern?

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