Seit letzten Sommer machen der TSV Castell und der SV Wiesenbronn in Sachen Fußball gemeinsame Sache. Mittlerweile hat die Gemeinschaft siebzehn Spiele absolviert, und als Tabellenvierter der A-Klasse darf sie zumindest noch auf auf den zweiten Rang hoffen. Um ihr Ziel zu erreichen, wäre eine ähnliche Serie hilfreich, wie sie Spielertrainer Andreas Hartner im vorigen Jahr mit dem TSV Castell hinlegte. Sieben Siege in Folge brachten den TSV damals zum Saisonende auf Platz eins in der B-Klasse.

Sportlich gesehen, sei die aktuelle Platzierung nicht so schlecht, findet Hartner. Man müsse bedenken, dass er als vorheriger Spielertrainer beim TSV Castell viele für ihn neue Akteure aus Wiesenbronn dazubekommen habe. Aus dem Gesamten eine Mannschaft zu formen, „so was dauert, das geht nicht von heute auf morgen“, sagt der 33-Jährige. Qualität sei vorhanden im neu zusammengestellten Kader. Aber die richtige Mischung zu ermitteln brauchte doch etwas mehr Zeit. Zudem wurde erst vor der Runde die Viererkette als Abwehrvariante eingeführt.

Mit Stolz verweist Hartner auf eine Beteiligung von 15 bis 20 Spielern im Training. Alle wollen spielen, also habe er versucht, seine Akteure mittels Rotation bei Laune zu halten – auch mit dem Effekt, sie kennen zu lernen und ihre Stärken und Schwächen besser einschätzen zu können. „Ich sehe es als Pflicht für mich, jedem mal die Chance zu geben, erste Mannschaft zu spielen“, beschreibt Hartner seine Trainermaxime. Zusammenhalt entwickle sich besser, wenn er die Leute spielen lasse.

„Ich wäre schlechter gelaunt“, sagt er, „wenn wir nur drei oder vier Leute beim Training hätten, aber trotzdem vorne mitspielen würden.“ Des Trainers Rotation ging vielleicht etwas zu Lasten der Konstanz, gibt er zu, denn die SG Castell/Wiesenbronn leistete sich fünf Niederlagen, eine davon ge-gen den VfL Volkach II, den Gegner an diesem Sonntag. „Die Hinrunde war für mich sehr positiv, wir haben die schweren Gegner wie Nordheim oder Rimbach geschlagen. Das zeigt, dass die Qualität vorhanden ist“, sagt Hartner.

Gerade in puncto Konstanz sieht er die Konkurrenten aus Nordheim/Sommerach und aus Rimbach/Lülsfeld deutlich im Vorteil, weil deren Gemeinschaften schon länger bestehen. An Nordheim sehe man, dass der Stamm seit Jahren zusammen ist. Zudem habe sich der Kontrahent gut verstärkt.

Nicht ganz so zufrieden scheinen die Verantwortlichen der SG Castell/Wiesenbronn mit Hartners Arbeit zu sein. Nach einem Jahr in Castell und einem bei der SG wurde sein Vertrag nicht verlängert. Stattdessen kommt im Sommer Michael Ludwig, der den VfL Kleinlangheim derzeit noch als Spielertrainer führt. Ob sich mancher im Umfeld mehr erwartet habe? Hartner sagt, es habe „unterschiedliche Vorstellungen“ gegeben. Deswegen trenne man sich zum Saisonende. „Wenn einer meint, wir müssten unbedingt rauf, na ja . . .“, sagt Hartner und lässt damit Raum für eigene Deutungen.

Vor der Runde habe mancher Konkurrent Castell/Wiesenbronn gar in die Rolle des Mitfavoriten gedrängt, selbst habe man Platz eins bis fünf als Ziel genannt. Wobei ein fünfter Platz nicht schlecht sein müsse, sagt Hartner. Schließlich sei es im Vorfeld für manchen nicht so klar gewesen, dass es gleich funktioniere bei der SG. Seinem Ziel, die beiden Teams zusammenzubringen, ist der selbstständige Einzelhändler um einiges näher gekommen.

Den zweiten Platz, der dem Verein die Chance zu Aufstiegsspielen eröffnen würde, hat Hartner noch nicht abgehakt. Platz eins dürfte bei zwölf Punkten Rückstand allerdings nicht mehr zu erreichen sein. Solange dies rechnerisch möglich sei, werde man Platz zwei im Auge behalten. Dafür muss am Sonntag ein Sieg über Volkach her.