Will man heutzutage Referee werden, gibt es ein übliches Schema: Schon in jungen Jahren nimmt man an einem Neulingslehrgang teil, um möglichst schnell die Karriere-Leiter hinaufzuklettern. Oder auch nicht: Bestes Beispiel ist Joachim Feuerbach. Feuerbach, den alle nur „Jogi“ nennen, entschied sich im zarten Alter von 40 Jahren dazu, nach seiner aktiven Fußballer-Karriere Schiedsrichter zu werden.

Doch wer nun denkt, Feuerbach würde nur in der B-Klasse herumdümpeln, der irrt. Feuerbach pfeift in seinem zweiten Jahr schon Kreisliga-Spiele und ist zudem in der Fördergruppe zur Bezirksliga. Logisch, dass ihn da der Ehrgeiz gepackt hat. „Bezirksliga zu pfeifen wäre eine tolle Sache, weil ich mich als Spieler dort sauwohl gefühlt habe“, erzählt der Frankenwinheimer, der mit dem SV zwischen 1991 und 2005 insgesamt acht Jahre lang in dieser Klasse spielte.

Doch wie kommt man darauf, als Ex-Kicker, der es in seiner aktiven Zeit bis in die Landesliga geschafft hat, noch einmal ganz von vorn zu beginnen und statt dem Ball hinterherzurennen, nun neutral auf die Einhaltung der Regeln zu achten? „Ich überlegte, was man Neues machen kann, um dem Fußball treu zu bleiben“, erklärt der Familienvater, dessen neun Jahre alter Sohn Stani schon in der U 11 des SV Frankenwinheim spielt. Er selbst habe ja schon alle Höhen und Tiefen als Fußballer durchgemacht, erzählt Feuerbach weiter. Auch im Trainerbereich hat der ehemalige Defensivmann Erfahrungen gesammelt. Nachdem er 2000 in Unterhaching seine C-Lizenz erworben hatte, engagierte er sich als Trainer und Co-Trainer bei „seinem“ SV Frankenwinheim, für den er auch pfeift. Doch jetzt, wo er zwischen dem Traineramt und der Schiedsrichter-Tätigkeit vergleichen kann, zieht der Bauzeichner das Pfeifen vor. „Das ist angenehmer als der Trainerjob. Als Trainer muss man viel mehr Aufwand betreiben.“

Auf die Frage, ob ihm diese Erfahrungen auch beim Pfeifen weiterhelfen, antwortet der Hobby-Angler wie aus der Pistole geschossen: „Ja! Ich tue mir als Schiedsrichter leicht, weil ich die fußballerischen Kenntnisse habe.“ Genauso sieht es auch der Bezirksvorsitzende Jürgen Pfau: „Ex-Fußballer können eher Spiele im Herrenbereich leiten als 15-Jährige, die sind anfangs noch sehr unerfahren.“ Dass Feuerbach bei seinem Lehrgang im Herbst des vergangenen Jahres mit seinen 40 Jahren der „etwas andere Nachwuchsschiedsrichter“ war, störte ihn nicht. „Da meist Jugendliche teilnehmen, wunderten sich die Leute, dass ich Schiedsrichter werden wollte“, erzählt Feuerbach lächelnd, dessen Vorbild der Gochsheimer René Kohl ist. Er sattelte auch nach seiner Fußballer-Karriere auf Schiedsrichter um. „Eine Altersgrenze gibt's ja nicht“, erklärt Feuerbach.

Wie wichtig der Nachwuchs ist, macht die Schiedsrichter-Gruppe Gerolzhofen auf ihrer Website klar. Dort heißt es: „Hätten Sie gewusst, dass alleine in Unterfranken jedes Jahr mehr als 30 000 Fußballspiele mit Schiedsrichtern besetzt werden müssen? Viele Unparteiische leiten pro Spielzeit weit über 50 Spiele, doch es mangelt akut an Nachwuchs!“

Das bestätigt auch Gerolzhofens Gruppen-Obmann Udo Lenhard: „Der Neulingskurs läuft sehr schlecht. Wir haben nur sieben Teilnehmer und von diesen sieben gehen drei zur Schiedsrichter-Gruppe Schweinfurt.“ „Wir hatten bisher mehr junge Bewerber als Ex-Spieler“, fügt Pfau hinzu. Deswegen lautet der Appell der beiden Funktionäre: Fußballer sollen nach ihrer aktiven Zeit wie Joachim Feuerbach Unparteiische werden. Ihn sieht der Obmann auch noch nicht am Ende der Karriere-Leiter. „Er hat durchaus noch Chancen, höher zu kommen“, erklärt Lenhard. Zudem spiele es keine Rolle, so Lenhard, ob man erfolgreich gekickt habe. „Man muss kein guter Fußballer gewesen sein, um ein guter Schiedsrichter zu werden.“