Kitzingen

Montags könnt auch ich kotzen

Bundesliga nun auch am Wochenanfang – das ist die nächste Stufe einer Eskalation. Unser Autor solidarisiert sich mit den Aufständischen.
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Der Fernsehsender Sky hat sich diese Woche selbst gefeiert: für einen neuen „Allzeit-Rekord“. Nie zuvor seit seinem Bestehen sahen so viele Zuschauer „historisch starke Samstags- und Sonntagsspiele auf Sky Bundesliga“, ließ der Sender Anfang dieser Woche verlauten. Ein Grund zum Feiern also? Eher nicht.

Viele Fußballfans sind nicht gut auf den Sender zu sprechen, sie machen ihn mit verantwortlich für eine Entwicklung, die sie als „Ausverkauf des Fußballs“ beschreiben, und ich kann die Leute gut verstehen. Geschätzte 876 Millionen Euro lässt sich Sky in dieser Spielzeit die Medienrechte an der Bundesliga kosten. Den Vereinen garantiert das risikoloses Wachstum, den Spielern hohe Gagen, der Sender bekommt Fußball satt zu den unterschiedlichsten Anstoßzeiten, damit sich der ganze Brei übers ganze Wochenende ziehen lässt – neuerdings auch noch darüber hinaus.

Und der Fan, dieses naive, gutmütige, dumme Wesen? Schaut fromm in die Röhre, respektive eben nicht, weil er es sich nicht leisten kann oder will und weil er diesem versnobten Münchner Bezahlsender nicht auch noch das Geld hinterherwerfen mag, Geld, mit dem der sowieso bloß wieder die Vereine zusch . . . – Sie merken, mir platzt gerade das Hemd.

War es Zufall (oder doch Trotz), dass Sky mit seiner Jubelmeldung just an jenem Tag rausplatzte, als Fußball-Deutschland wegen des ersten Montagsspiels in dieser Bundesligasaison einen dicken Hals zur Schau trug? Alles halb so schlimm, beschwichtigt die Deutsche Fußball-Liga. Sind ja bloß deren fünf in dieser Saison. Und überhaupt habe das nichts mit Kommerz zu tun, sondern sei als Zugeständnis an die Klubs gedacht, die Donnerstagnacht noch in europäischer Mission unterwegs waren.

Das mag sogar stimmen, ändert aber nichts an einem Grundproblem der Branche: Montagsspiele sind die nächste Stufe der Entfremdung und Eskalation zwischen Fans und Vereinen. „Montags könnt ich kotzen“, stand auf einem der Laken, die in Frankfurt am Zaun der Arena hingen. Ich bin da gerne solidarisch.

Es tröstet mich kaum, dass selbst Teile des Establishments mittlerweile ähnlich denken. Von einem „massiven Eingriff in die Kultur unserer Fans“ spricht dieser Tage Axel Hellmann, Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt. Dass auch sein Klub dem lukrativen Fernsehdeal zugestimmt hat, verschweigt er geflissentlich. Zuschauer sind nur noch Statisten, die sich – möglichst geräuschlos – in die milliardenteure Unterhaltungsshow Bundesliga einzufügen haben.

Solange die Begehrlichkeiten der deutschen Spitzenklubs immer weiter eskalieren, solange Leute wie Christian Seifert in diesem Geschäft etwas zu sagen haben, wird sich am Status quo wenig ändern. Seifert ist als Chef der Deutschen Fußball-Liga seit Jahren dabei, das Kulturgut einer Nation auf dem Altar des Kommerzes zu opfern. Dass der Fußball mehr ist als eine Ware, kann man sehr schnell vergessen, wenn man nur noch zwischen Kaminfeuer und Businessloge unterwegs ist und nicht mehr in den Südkurven der Arenen.

„Es muss Anspruch der Bundesliga sein, im Wettbewerb der besten Ligen der Welt zu bestehen!“, wird Seifert zitiert. Es ist das typische großkapitalistische Geschwätz eines Getriebenen, der eine Art Cheflobbyist der 36 Profivereine ist und sich beflissen vor den Karren der Medienmogule dieser Welt spannen lässt – und der seinen Kritikern mit dem Totschlagargument begegnet: Wir dürfen international nicht abgehängt werden.

Das ist der Slang der gierigen globalen Eliten, die wie Seifert nicht müde werden, vor den Effekten des Nicht-Schritthaltens zu warnen. „Wir werden nicht nur weniger Geld einnehmen und weniger Stars verpflichten können, sondern auch an gesellschaftlicher Relevanz verlieren.“ Schon klar. Diese Melodie kennt man nur allzu gut von Arbeitgeberbossen, die vor der Apokalypse warnen. Doch die Welt des Fußballs wird sich hierzulande weiterdrehen, auch wenn Superstars wie Messi oder Neymar gerade nicht zu besichtigen sind.

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