Leichtathletik

Mit Volldampf hoch zum Sender

Patrick Karl und Ellen Enders gewinnen Kreuzberglauf und unterfränkische Meisterschaft
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Die Schnellsten: Bei den diesjährigen unterfränkischen Berglaufmeisterschaften verkörperten die Ostheimerin Ellen Enders (rechts) und der Ochsenfurter Patrick Karl das Maß aller Dinge.
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Eine einigermaßen kalte und neblige Angelegenheit war am Sonntagvormittag bei Temperaturen von nur knapp über dem Nullpunkt die 18. Auflage des Kreuzberglaufs mit unterfränkischer Berglaufmeisterschaft. Der Lauf führte die 68 Sportler vom Schönauer Sportheim über 10,2 bzw. 6,2 Kilometer – verkürzte Strecke ab dem Katzenbuckel – hinauf zum Sendemast des Kreuzbergs führte.

Als Erster erreichte dabei in Abwesenheit des erkrankten Titelverteidigers Manuel Stöckert (TSV Ostheim) der 17-jährige Schüler Patrick Karl (TV Ochsenfurt) mit einer Endzeit von 43:24 Minuten vor dem Frankenheimer Lokalmatadoren Marcus Enders (43:25) sowie seinem ebenfalls für den TV Ochsenfurt startenden Bruder Dominik Karl (44:43) das Ziel. Schnellste Frau war erneut Ellen Enders (TSV Ostheim), deren Siegerzeit mit 54:21 Minuten gestoppt wurde. Während sie dabei im Prinzip von Beginn an ein einsames Rennen lief, lag das Spitzentrio der Männer bis eingangs der Skipiste nach dem Neustädter Haus noch ganz eng beisammen. Anschließend blies Patrick Karl dann zur entscheidenden Tempoverschärfung, um hernach zufrieden festzustellen: „Vorne mitlaufen wollte ich schon. Aber zu rechnen ist mit diesem Sieg nicht unbedingt gewesen, nachdem ich ja eigentlich als Mittelstreckler auf der Bahn zu Hause bin und mein Bruder eigentlich noch ein bisschen stärker ist.“

Sein Trainingspensum gibt der aus der bekannten unterfränkischen Lauffamilie mit Vater Klaus und Onkel Hubert stammende, etwas über 70 Kilogramm wiegende Youngster mit „fünfmal pro Woche“ an. Beim jetzigen Triumph habe er sich nach gut der Hälfte der Distanz „noch ganz locker gefühlt, wobei es natürlich schon anstrengend gewesen ist. Aber es wurde nicht großartig Tempo gemacht“, was wohl auch an dem relativ rutschigen Untergrund gelegen haben dürfte. Im Anschluss an den letzten Anstieg sei aber auch er „im Ar. . .“ gewesen.

Ähnlich fiel die Rennbilanz der 28-jährigen Ellen Enders aus, die nach eigenem Bekunden regelmäßig sechs bis sieben wöchentliche Trainingseinheiten in ihren Laufschuhen, auf dem Fahrrad oder im Wasser absolviert. Konkret: „Die Skipiste ging bei mir noch relativ gut. Aber der letzte Kilometer bis zum Ziel ist dann Wahnsinn gewesen und hat sich ganz schön gezogen. Erfreulicherweise waren da auch Leute, die man schon von weitem gehört hat und die einen angefeuert haben.“

Die Rede ist vom sogenannten Wildfleckener Väterstammtisch, der seine jährliche Hüttentour absolvierte und sich auf dieser gerade auf dem Weg vom Kloster Kreuzberg zur Gemündener Hütte befand. Der Delegation um den Wildfleckener Gemeinderat Wolfgang Illek („wir fördern alles, was die Rhön attraktiver macht und gehören als Gemeinde ja auch der Kreuzberg-Allianz an“) bereitete die Unterstützung der Athleten, die sich auch reihenweise von den Wanderern abklatschten ließen, sichtlich Spaß. Allerdings wurde mitunter bemängelt, dass nicht noch „ein paar mehr Mädels“ bewundert werden konnten.

Nichts desto trotz war Hauptorganisator Leo Zirkelbach („bis auf das Wetter hat alles gepasst“) mit der im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Starterresonanz zufrieden. Die unterfränkische Berglaufmeisterschaft sei für ihn zwar auch immer mit jeder Menge Stress verbunden. „Aber es ist eben auch mein Steckenpferd“, weshalb er die Veranstaltung grundsätzlich wenigstens noch bis zur 20. Auflage in zwei Jahren fortsetzen wolle. Der besondere Dank Zirkelbachs galt all denjenigen, die zum Gelingen der Veranstaltung beitrugen. Zu nennen ist hier nicht zuletzt die Bischofsheimer Bergwacht, die in Person von Oliver Scheuplein und Andreas Leiber nach eigenem Bekunden für die „notfallmedizinische Betreuung“ verantwortlich zeichnete. Man habe auch das eigene Domizil unterhalb der Ausstiege aus dem Drei-Tannen- und dem Blicklift geheizt, um eine Möglichkeit zum Aufwärmen zu bieten. Der Haselbacher M 30-Gewinner Markus Dahinten nutzte diese Option, um nach getaner Wettkampfarbeit noch zu einem Kaffee „bei meinen ,Spezln' von der Bergwacht“ einzukehren.

Davor gab's von Dahinten aber erst noch ein paar aufmunternde Worte vom Streckenrand für den zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Schlusskilometer befindlichen Herschfelder Lukas Härder („kannst du mich nicht ein bisschen schieben?“). Nach Auskunft von Dahinten gebe es auf dem ganzen Kurs mit dem „Schotterweg direkt oberhalb von Schönau“ sowie „einer Passage vorm Neustädter Haus“ allenfalls zwei Streckenabschnitt, auf denen man ein wenig Entspannung verspüren könne.

„Ansonsten geht es immer bergauf, weshalb man sich auf der Strecke schon manchmal fragt, warum man sich das überhaupt antut. Aber wenn man dann oben ist, war es wieder ein tolles Erlebnis“, so der 53-jährige Thüngersheimer Michael Sitzmann, der nicht zuletzt aufgrund des landschaftlichen Anreizes zu den Stammgästen dieser Veranstaltung zählt. Ebenso wie der Ostheimer Rhön-Grabfeld-Cup-Initiator Eberhard Helm, der sich mal wieder als Fotograf betätigte und unter anderem mit folgender Äußerung gegenüber einem laut keuchend vorbeilaufenden Athleten für Schmunzeln sorgte: „Das sieht noch gut aus. Es ist nur das Geräusch – alte Dampfmaschine.“

In den Mannschaftswertungen machten zweimal die LG Haßberge (Männer und M 40) sowie jeweils einmal der TV Ochsenfurt (männliche Jugend) und der TSV Rannungen (M 50) das Rennen.

18. Kreuzberglauf mit unterfränkischer Berglaufmeisterschaft

Unterfränkische Meisterschaft

10,2 Kilometer Einlauf: 1. Patrick Karl (TV Ochsenfurt) 43:24 Minuten; 2. Marcus Enders (SV Frankenheim) 43:25; 3. Dominik Karl (Ochsenfurt) 44:43; 4. Felix Bauer (Ochsenfurt) 45:17; 5. Carsten Schmidt (LG Haßberge) 46:12; 6. Matthias Krah (TV Bad Brückenau) 47:35; 7. Wolfgang Pulzer (LG Haßberge) 48:08; 8. Julian Müller (HSV Birnfeld) 48:20; 9. Martin Ankenbauer (TSV Rannungen) 48:43; 10. Ulli Pfuhlmann (Haßberge) 48:58.

Jugend U 20: 1. Patrick Karl; 2. Felix Bauer; 3. Julian Müller.

Männer: 1. Marcus Enders; 2. Dominik Karl; 3. Carsten Schmidt.

M 40: 1. Frank Schwehla (Bad Brückenau) 52:54; 2. Mike Hasenpusch (TSV Brendlorenzen) 59:56; 3. Tom Klossek (TSV Thüngersheim) 1:04:32 Stunden.

M 45: 1. Carsten Schmidt; 2. Wolfgang Pulzer; 3. Ulli Pfulhmann.

M 50: 1. Kurt Weinmann (Rannungen) 52:26; 2. Werner Keller (Rannungen) 54:09; 3. Michael Müller (Birnfeld) 57:40.

M 55: 1. Karl-Heinz Handel (Bad Brückenau) 52:17; 2. Walter Steigmeier (Rannungen) 53:45; 3. Hans Wagner (Bad Brückenau) 56:04.

M 60: 1. Erich Schmitt (TSV Ostheim) 1:06:06.

M 65: 1. Günter Straub (TSV Münnerstadt) 1:06:14.

Frauen: 1. Ellen Enders (TSV Ostheim/1. W 20) 54:21; 2. Heide Pototzky (Victoria Wombach/1. W50) 1:04:45; 3. Irene Geiger (TSV Brendlorenzen/2. W 50) 1:13:14.

6,2 Kilometer M 70: 1. Wolfgang Lex (LG Lkr. Aschaffenburg) 42:25; 2. Horst Weese (Münnerstadt) 44:48.

M 75: 1. Lothar Ganß (DJK Salz) 44:36; 2. Franz Stockheimer (Brendlorenzen) 45:32.

W 65: 1. Gerlinde Schmittner (Ochsenfurt) 43:02.

W 70: 1. Ingrid Perkampus 46:59; 2. Erika Freund (beide LuT Aschaffenburg) 48:00.

Kreuzberglauf

Männliche Jugend (5 Teilnehmer): 1. Patrick Karl; 2. Felix Bauer; 3. Julian Müller.

Weibliche Jugend (2): 1. Svenja Betz (Ostheim) 1:05:13 Stunden, 2. Verena Tobert (RuF Gersfeld) 1:12:22.

M 20 (4): 1. Marcus Enders; 2. Dominik Karl; 3. Matthias Krah.

M 30 (3): 1. Harald Dahinten (RWV Haselbach) 51:42, 2. Markus Größmann (ohne Verein), 3. Raphael Baumann (Wasserfreunde Fulda) 1:12:23.

M 35 (4): 1. Mario Beckert (ohne Verein) 52:34, 2. Christian Scheid (TG Kitzingen) 53:27, 3. Martin Büchs (ohne Verein) 1:02:38.

M 40 (8): 1. Dietmar Schultheis (TSV Oberstreu) 49:52, 2. Volkmar Weikard (SKG Gersfeld) 51:14, 3. Frank Schwehla.

M 45 (8): 1. Carsten Schmidt; 2. Wolfgang Pulzer; Ulli Pfuhlmann.

M 50 (10): 1. Kurt Weinmann; 2. Werner Keller; 3. Jürgen Simon (Ostheim) 57:10.

M 55 (9): 1. Karl-Heinz Handel; 2. Walter Steigmeier; 3. Hans Wagner.

M 60 (1): 1. Erich Schmitt.

M 65 (1): 1. Günter Straub.

W 20 (2): 1. Ellen Enders; 2. Ricarda Eckert (Frankenheim) 1:01:25.

W 35 (1): 1. Mandy Ortloff (FSV Hohenroth) 1:13:47.

W 40 (1): 1. Heike Renninger (TSV Reiterswiesen) 1:17:28.

W 50 (2): 1. Heide Pototzky; 2. Irene Geiger.

ONLINE-TIPP

Viele Bilder vom Kreuzberglauf: www.mainpost.de/sport/rhoen-grabfeld

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