Fußball

Mainsondheim mal wieder im Aufbruch

Das Image als Fahrstuhlmannschaft abzustreifen wird für einen kleinen Klub wie den SC Mainsondheim nicht einfach sein. Zurzeit spielt der Verein mit neuem Trainer um den Aufstieg in die Kreisklasse - zur Not auch ganz konservativ.
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Alle für einen: Die Mainsondheimer Alfred Gassner, René Puchinger, Julian Apfelbacher und der neue Trainer Wolfgang Frisch (von links) zeigen sich nicht nur in dieser Szene als verschworener Haufen. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Manchmal geht in unserer so komplexen Welt alles wie von selbst. Man brauchte Patrik Mrugalla nur zu fragen, ob er nicht einen Posten in seinem Verein übernehmen wolle, schon hatte der SC Mainsondheim einen neuen Vorsitzenden. Gut zwei Jahre ist der Vorgang inzwischen her, und er hätte nichts Ungewöhnliches an sich, wäre Mrugalla seinerzeit nicht erst 22 Jahre alt gewesen.

Viele Vereine klagen heute – in Verbindung mit rapide schwindenden Mitgliederzahlen – über den Unwillen der jüngeren Generation, sich in die Pflicht nehmen zu lassen. Das führte schon dazu, dass Vereine liquidiert wurden, weil Vorstandswahlen ins Leere liefen und Posten auf Dauer unbesetzt blieben. Mrugalla war jung, sehr jung sogar für eine solche Aufgabe, die selten das reinste Vergnügen ist, aber er war bereit, sie auszufüllen, so gut er eben konnte.

Mrugalla hatte sich zuvor als stellvertretender Obmann der später aufgelösten Fußball-Schiedsrichtergruppe Kitzingen schon für Führungsaufgaben qualifiziert, und er konnte sich in Mainsondheim auf seine Kollegen verlassen, die ihm zur Hand gingen. So ließ er sich in diesem Frühjahr für eine zweite Amtszeit wählen. „Bereut habe ich es noch nie“, sagt der heute 24-Jährige, der in Mainsondheim lebt und der sich – als selbständiger Stahlbaukonstrukteur – auch beruflich im Aufbruch befindet. Der Jugendstil im Vorstand spiegelt sich dieser Tage auf dem Fußballplatz wider. Dort kämpft eine junge Mannschaft um die Rehabilitierung. Im Mai aus der Kreisklasse abgestiegen, hat sie sich mit sechs Siegen aus sechs Spielen nicht nur ein solides Startkapital zugelegt, sondern auch Sympathie und Selbstsicherheit gewonnen.

Vordergründig mag man dies dem neuen Trainer zuschreiben, der seine Mission im Stile Cäsars anging: Wolfgang Frisch kam, sah und siegte. Dabei mutete schon seine Verpflichtung wie ein Coup an. Mit Walter Nuß, der im vorigen Herbst Timo Katzenberger gefolgt war, hatte man nicht verlängert. So stand der Verein spät im Jahr vor einem Problem. „Es war schwierig, eine Lösung zu finden“, sagt Mrugalla. Da kam Frisch ins Spiel, der für Katzenberger und für dessen Vorgänger Klaus Rügamer immer dann eingesprungen war, wenn diese verreist oder erkrankt waren.

Frisch hatte den Vorteil: Er musste sich als Bestandteil der Mannschaft nicht erst groß einarbeiten. Er übernahm laut Mrugalla aber auch ein intaktes Team, das trotz des Abstiegs als Einheit auftrat. „Wir hatten voriges Jahr schon eine Super-Truppe beisammen – leider konnten wir das auf dem Platz nicht so rüberbringen“, bekräftigt der Vorsitzende, der dieser Truppe als Torwart voransteht.

Dass sie auch im Abstieg nicht auseinandergefallen ist und „das sinkende Schiff niemand verlassen wollte“, wie Mrugalla sagt, sondern sich vielmehr in Trotz und Mut ergangen hat, um wieder Kurs auf die Kreisklasse zu nehmen, stützt die These des Vorsitzenden, ein „kleiner, verschworener Haufen“ zu sein. Und dieser Haufen hat über den Erfolg auch etwas anderes neu entdeckt – den Spaß am Fußball. Man muss keine prophetischen Gaben besitzen, um Mainsondheim mit dieser Art von Leichtigkeit unter den Schwergewichten der A-Klasse zu sehen.

Frisch griff als Trainer subtil in die Grundordnung der Mannschaft ein. Experimente wie der fehlgeschlagene Versuch mit der Viererkette anfangs der vergangenen Saison unterließ der gelernte Verteidiger. Er wählte lieber die konservative Variante mit Libero und „Doppel-Sechs“ vor der Abwehr. Das mag nicht sonderlich innovativ erscheinen, aber wie durchschlagend der Erfolg ist, zeigt sich daran, dass es in sechs Spielen noch keiner Mannschaft gelungen ist, gegen Mainsondheim ein Tor zu erzielen.

Dazu kommen flinke Außen wie Emanuel Kretzer oder Christoph Lung, die für ihre Gegner in der A-Klasse kaum zu stoppen sind und immer wieder Überraschungsmomente schaffen. Aus dieser Mischung speist sich nachhaltiger Erfolg, der an diesem Samstag gegen den Tabellenführer SSV Kitzingen II erstmals ernsthaft gefährdet scheint. Mrugalla hofft das Beste für seine Elf, glaubt aber nicht, dass eine Niederlage den Aufschwung beeinträchtigen würde.

Die Frage ist, ob es Mainsondheim gelänge, sich einmal für längere Zeit in der Kreisklasse zu halten. Mrugalla kann dem Attribut „Fahrstuhlmannschaft“, mit dem man sein Team angesichts des Aufs und Abs der letzten Jahre versieht, nur schwerlich widersprechen. Er weiß aber auch, dass es seinem Klub nicht leicht fallen werde, sich gegen die Konkurrenz in der Nachbarschaft durchzusetzen. Patrik Mrugalla kann nur hoffen, dass sich im kleinen Mainsondheim genug Nischen auftun, in denen junge bodenständige Typen, wie er einer ist, ihren Platz finden.

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