FUSSBALL: KREISKLASSE

Mainbernheims Charaktertest

Seitdem Thomas Bergner wieder das Traineramt beim TSV übernommen hat, ist ein Aufwärtstrend zu erkennen. Der Trainer verrät, warum dennoch noch viel Arbeit ansteht.
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Steht beim TSV Mainbernheim beim Abstiegsduell gegen Giebelstadt wegen eines Urlaubs nicht an der Seitenlinie: Thomas Bergner. Foto: Foto: A. Rausch

Gerade in sportlich heiklen Zeiten greifen Fußballvereine nur allzu gerne auf die Expertise erfahrener Trainer zurück. Für Klubs, denen das Wasser bis zum Hals steht, gelten sie schließlich häufig als letzte Hoffnung, fußballerischen Schiffbruch zu vermeiden. Gedanken wie diese dürften auch die Verantwortlichen des Kreisklassen-Schlusslichts TSV Mainbernheim umgetrieben haben, als sie sich Anfang Oktober von ihrem Übungsleiter Josef Unser trennten und anschließend auf die Suche nach einem neuen Coach begaben.

Allzu weit mussten sie ihren Blick denn auch nicht schweifen lassen, denn unweit des Mainbernheimer Sportplatzes wohnt einer, der das Anforderungsprofil perfekt zu erfüllen scheint. Schließlich hat Thomas Bergner in seiner Trainerlaufbahn schon derart viel gesehen und erlebt, dass ihn so leicht nichts umwirft. Eine Eigenschaft, die eine um ihre Balance ringende Mannschaft bestens gebrauchen kann. Und so könnte die zweite Liaison zwischen Thomas Bergner und dem TSV Mainbernheim – der Trainer coachte die Bärenstädter bereits in der Saison 2008/09 – eine Win-win-Situation für beide Seiten werden.

Gelingt nämlich der angestrebte Klassenerhalt in der Würzburger Kreisklasse 2, hat der Verein sein mit dem Trainerwechsel verknüpftes Ziel erreicht und auch Bergner persönlich seine Mission erfüllt. Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings zunächst einmal, dass Bergner, der die Liga aus Stationen in Willanzheim, Mainsondheim und Iphofen in- und auswendig kennt, im neuen Jahr überhaupt noch im Amt ist. Schließlich habe er mit der Vereinsführung vereinbart, die Aufgabe erst einmal bis Weihnachten zu übernehmen. Über alles Weitere befinde man sich aktuell in Gesprächen, erklärt der Trainer, der gerade im Urlaub in Schottland weilt.

Thomas Bergner betreute viele TSV-Spieler schon als Jugendliche

„Ein bisschen ärgerlich“ sei das in der jetzigen Phase, gibt der Übungsleiter zu. „Aber der Urlaub sei bereits vor seinem Antritt in Mainbernheim gebucht gewesen. Ob das Fehlen des Übungsleiters ursächlich dafür war, dass der TSV am vergangenen Wochenende mit 0:4 beim Tabellenführer in Gelchsheim unterlag, ist hypothetisch. Glaubt man Bergners Worten, macht es aber in jedem Fall einen gewaltigen Unterschied, ob er auf der Bank sitzt oder nicht. „Die Mannschaft braucht mich als Unterstützung von der Seitenlinie. Das habe ich in den letzten Wochen immer wieder gemerkt“, sagt der erfahrene Coach. Die Spieler, die er zu achtzig Prozent bereits in der Jugend trainierte, sähen ihn als Vorbild und schauten zu ihm auf. Gerade deshalb wolle er als Mainbernheimer dem Team helfen, sich aus dem Schlamassel zu befreien.

Ein Anfang ist bereits gemacht. Unter Bergners Regie konnten die Bärenstädter die ersten beiden Saisonsiege gegen Aub (3:1) und Mainsondheim (5:3) einfahren. Durch sieben Punkte aus sieben Partien konnte der TSV seine Punktausbeute in den vergangenen anderthalb Monaten mehr als verdreifachen. Was auf den ersten Blick wie ein Quantensprung aussieht, fällt bei näherem Hinsehen jedoch eher unter die Rubrik mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Schließlich hatten die Mainbernheimer in acht Partien zuvor erst zwei Zähler ergattert. Am Tabellenende der Kreisklasse stehen sie deshalb immer noch und haben noch viel Arbeit vor sich. Bergner nimmt kein Blatt vor den Mund, was den Zustand der Mannschaft bei seiner Amtsübernahme anbelangt. Er wolle keine schmutzige Wäsche waschen. Aber das Team sei im Prinzip am Boden und nicht fit gewesen. Die Mannschaft sei in ein mentales Loch gefallen gewesen. Eine seiner dringlichsten Aufgaben war es laut Bergner zudem, wieder Disziplin in die Truppe zu bringen. „Die Mannschaft wollte gewisse Abläufe nicht mehr mitmachen. Es fehlte an der Fähigkeit, sich unterzuordnen“, lässt der Coach bezüglich des Innenlebens der Mannschaft tief blicken. Insgesamt sei der Teamgeist neben dem Platz stärker ausgeprägt gewesen als auf dem grünen Rasen.

Abstiegsduell gegen den direkten Konkurrenten Giebelstadt

Grundsätzlich besäßen die Spieler aber Charakter, so Bergner. Es gelte nur, diesen wieder stärker zu Tage zu fördern. Besonders in Spielen wie an diesem Sonntag gegen die SpVgg Giebelstadt, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf mit aktuell drei Zählern Vorsprung auf Mainbernheim, kann das Team beweisen, dass es den Weckruf ihres Trainers gehört hat. Selbst wenn dieser das Geschehen wegen seines Urlaubs nur aus der Ferne wird verfolgen können. Von dort wird er seinen Spielern dank moderner Kommunikationsmittel noch einmal Mut zusprechen und ansonsten auf die Dienste Kai Siemers?, der die Mannschaft gegen Giebelstadt betreuen wird, vertrauen.

Unabhängig vom Ausgang des Abstiegsknüllers, herrscht bei Bergner indes Zuversicht, was das Erreichen des Klassenerhalts angeht. „Wenn ich weitermache, will ich eine gute Vorbereitung haben, in der die Mannschaft mitzieht. Dann schaffen wir es.“

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