Es war schon etwas Besonderes, dieser 2:1-Sieg der Abtswinder im Landkreis-Derby am Samstag gegen Bayern Kitzingen. Die Spieler bildeten einen Jubelkreis, Trainer Jochen Seuling ließ „auf das 2:1 gegen Bayern Kitzingen ein dreifaches Hip-hipp Hurra“ anstimmen. Später gab Sven Gibfried noch den Vorsänger, und dann legten die Grün-Weißen zum Humbatäterä ein Freudentänzchen hin.

Dass er den Erfolg höher als einen normalen Sieg einschätze, mochte Abtswinds gut gelaunter Trainer am Ende dieser Hitzeschlacht nicht verhehlen. „Natürlich! Wir sind die beiden ranghöchsten Mannschaften im Landkreis Kitzingen, da tut so etwas auf jeden Fall gut“, sagte er. Zumal die Abtswinder erst wenige Tage vorher im Pokal mit 0:3 in Kitzingen abgekanzelt worden waren. Diese Niederlage habe seine Spieler sicherlich noch angestachelt.

Trotz Dominanz im Spiel und bei den Chancen hatte es lange so ausgesehen, als müssten sich die Abtswinder mit einem 1:1 zufrieden geben. Bis zur Minute 87, als Sven Gibfried zum zweiten Mal ran durfte. Der Innenverteidiger legte sich den Ball bei einem Freistoß aus 23 Metern leicht halbrechter Position zurecht, wie bereits 15 Minuten zuvor. Da hatte er die Variante gewählt, den Ball sauber über die Mauer ins entfernte Eck zu heben. Ein wahrlich gut getretener Versuch, platziert und mit Zug, doch Kitzingens Torwart Bodendörfer verhinderte dank einer Glanzparade soeben noch den Einschlag in sein Gehäuse (71.).

Jetzt, im zweiten Versuch, wählte Gibfried die listige Variante. Er zielte mit dem rechten Fuß flach auf die Torwartecke und erwischte Torhüter Bodendörfer kalt. Der aufspringende Ball flog zum 2:1 ins Netz – die Entscheidung war gefallen, zumal die Bayern nach einer Gelb-Roten Karte gegen Julian Schuhmann in der 76. Minute in Unterzahl auskommen mussten.

Gibfried hatte sich die Sache vor dem Schuss genau angesehen. „Die Mauer war weit auf der Seite, um das lange Eck abzudecken. Ich dachte, er spekuliert wieder, dass ich ihn drüberzuheben versuche“, schilderte er. So entschloss sich der Freischütz, den Vorschlag seines Mitspielers Michael Herrmann anzunehmen, der ihm geraten hatte, auf das Torwarteck zu zielen. Nur gut, dass der 21-jährige Geesdorfer diesmal in der Freistoß-Hierarchie an der Reihe war. „Wir wechseln uns normalerweise ab, Sebastian Otto, Jonas Wirth und ich. Diese Runde kommen die Freistöße bei mir ganz gut“, sagte Gibfried hinterher.

„Das tut ihm auch mal gut, Sven ist viel sensibler, als einige denken“, sagte Trainer Seuling. Ihm gefiel der Treffer des Kraftpakets, der es in der Jugend kurzzeitig auch bei Greuther Fürth versucht hatte. Insgesamt hatte Seuling „keine berauschende Partie“ gesehen, was auch den mit 35 Grad hohen Temperaturen geschuldet gewesen sei. Über die Kitzinger wusste Seuling, dass sie so einen wie Tolga Arayici nicht ersetzen könnten. Bei seiner Elf standen mit den beiden zu einer Hochzeit eingeladenen Oliver Döring und Axel Zehner sowie dem Dienst tuenden Polizisten Frederik Weiß gleich drei Mann nicht zur Verfügung. Michael Herrmann rückte in die erste Elf, dafür tauschte Kapitän Daniel Hey hinten die Seite, er wechselte nach links. „Das ist für mich kein Problem, ich habe früher häufig auf links gespielt“, sagte der 25-jährige BWL-Student. Der Schweinfurter kickt schon in seiner fünften Saison beim TSV.

In seiner ersten ist dagegen Pascal Kamolz, der wieder zeigte, dass er in Tornähe stets gefährlich ist. Seinen Führungstreffer leitete allerdings ein Kitzinger Schnitzer in der Abwehr ein. Nach Schuhmanns Fehlpass parierte Bayern-Torhüter Bodendörfer zunächst reaktionsschnell gegen Kamolz. Den Abpraller erwischte Peter Mrugalla, gab ihn durch in Richtung des möglicherweise leicht im Abseits stehenden Kamolz. Aus dessen Pressschlag mit Schuhmann und der Kitzinger Abwehr kullerte der Ball zum 1:0 ins Tor (20.). Ein Kopfballtreffer wurde dem stets ackernden Kamolz später noch wegen Foulspiels abgepfiffen (31.).

Wieder wackelt Abtswind

Im zweiten Abschnitt vertat zunächst Pascal Kamolz nach einem „Stockfehler“ des Kitzingers Schlarb die Riesenchance zum 2:0 (57.). Im Gegenzug folgte dann die Quittung mit dem 1:1. Wieder einmal hatte es nach einer Standardsituation, einem Eckball, im TSV-Gehäuse eingeschlagen, als Thorsten Götzelmann sträflich frei einköpfen durfte (58.). „Warum wir in diesen Situationen so wackeln, weiß ich nicht. Da müssen wir uns was einfallen lassen“, sagte Trainer Seuling.

Es sollte noch einmal gut gehen, auch wenn Albert Fischer vor dem 2:1 eine hundertprozentige Gelegenheit nach feiner Vorarbeit von Jürgen Endres liegen ließ (86.). Fischer und Kamolz vergaben in den letzten Minuten weitere Abtswinder Chancen, was nicht mehr ins Gewicht fiel. „Drei Spiele, sieben Punkte – da bin ich natürlich zufrieden“, meinte Jochen Seuling. „Ich sehe das als optimalen Start.“

Das Spiel in der Statistik

TSV Abtswind – Bayern Kitzingen 2:1 (1:0)

Abtswind: Irnes Husic; Michael Herrmann, Tobias Werner, Sven Gibfried, Daniel Hey, Jonas Wirth, Jörg Otto (68. Jürgen Endres), Albert Fischer, Shkelqim Kruezi (60. Sebastian Otto), Peter Mrugalla (46. Sandro Wolf), Pascal Kamolz.

Kitzingen: Mario Bodendörfer; Oliver Stark, Julian Schuhmann, Joachim Hupp, Phillip Schlarb, Stefan Güntner, Felix Straßberger (81. Marco Endres), Shawn Hilgert, Andreas Herrmann (53. Thorsten Götzelmann), Stefan Schöderlein (57. Vella Zeka), Simon Pauly.

Schiedsrichter: Martin Götz (SV/DJK Tütschengereuth).

Zuschauer: 265.

Gelbe Karten: Werner, Kamolz; Marco Endres.

Gelb-Rote Karte: Julian Schuhmann (Kitzingen, 76., Foulspiel).

Tore: 1:0 Pascal Kamolz (20.), 1:1 Thorsten Götzelmann (58.), 2:1 Sven Gibfried (87.).