Tennis

Lenas Spagat zwischen Abi und Profitennis

Nicht nur auf dem Tennisplatz will Lena-Marie Hofmann in den nächsten Wochen Erfolge feiern. Für die 21 Jahre alte Profispielerin stehen dieser Tage neben dem Saisonstart in der zweiten Bundesliga die Prüfungen zum Abitur an. Aber nach den Rückschlägen im vorigen Jahr steckt die Marktbreiterin voller Aufbruchsstimmung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Voll konzentriert: Lena-Marie Hofmann will dieses Jahr unter die ersten 300 der Welt. Foto: Foto: Hans-Jürgen Croissant

Nicht nur auf dem Tennisplatz will Lena-Marie Hofmann in den nächsten Wochen Erfolge feiern. Für die 21 Jahre alte Profispielerin aus Marktbreit stehen dieser Tage neben dem Saisonstart in der zweiten Bundesliga die Prüfungen zum Abitur an. Dazu kommt die in München lebende Sportlerin häufiger in ihre Heimat zurück. Denn: „Das Abi schreibe ich als normale externe Schülerin in Kitzingen.“

Stressig wird das für sie – nicht nur weil sie jeweils vier schriftliche und mündliche Prüfungen zu bewältigen hat, um die Hochschulreife zu erlangen. Lena-Marie Hofmann wird nach den Arbeiten immer wieder zurück in ihre Wahlheimat München pendeln, um dort zu trainieren. Ab 13. Mai will sie dann wieder für ihren Verein, den TC Luitpoldpark, aufschlagen. Dieses Jahr hofft die Rechtshänderin, die in den Ranglisten auf Platz 835 der Welt und auf Platz 40 in Deutschland abgerutscht ist, dass es wieder aufwärts geht. Denn das vergangene Jahr war aus ihrer Sicht sportlich beinahe zum Vergessen.

Zu Beginn 2011 stand sie noch auf dem Tennisplatz, die Zweitliga-Runde bestritt sie mit Ach und Krach für ihren Klub. Doch im Sommer 2011 war dann erst einmal Schluss. Stetige Probleme mit dem Rücken machten ihr derart zu schaffen, dass sie für drei Monate überhaupt nicht aufschlagen konnte. Im Herbst mussten ihr auch noch die Mandeln entfernt werden, so dass bis in den Winter hinein wenig ging. Eine harte Prüfung für Lena. Eine Zeit ohne Tennisschläger, nahezu ohne Sport, musste die bisweilen sogar etwas überehrgeizige Spielerin überstehen.

„Da fängt man schon an, nachzudenken, was mache ich? Konzentriere ich mich voll auf die Schule? Ich wollte aber auf jeden Fall weiter Tennis spielen“, sagt sie. Es folgte quasi ein Neuanfang in der Tennis-Akademie in Oberschleißheim, wo Markus Zoecke als sportlicher Leiter aktiv ist. Der 43-Jährige, der sich einst bis auf Position 48 in der Weltrangliste vorgearbeitet hatte, ist inzwischen auch Lenas Coach. „Mit Markus habe ich wirklich einen Super-Trainer. Er hat mich über zwei, drei Monate wieder richtig fit gemacht“, sagt sie über den dreimal für Deutschland im Tennis-Daviscup eingesetzten Sportler. Zoecke gehörte nach seiner Karriere, die er wegen Kniebeschwerden aufgeben musste, als Trainer zum Mercedes-Juniorteam, das einst Boris Becker gestartet hat.

Techniktraining stand erst einmal hintan für Lena, die sich nach langer Pause so langsam wieder in Schwung kommen sieht. „Ich musste zunächst richtig fit werden, um nicht mehr so verletzungsanfällig zu sein. In letzter Zeit hatte ich keine Probleme mehr, mir fehlt nur die Matchpraxis“, sagt sie. Ihr Trainer arbeitete viel an Lenas Rückhand, damit sie mit diesem speziellen Schlag auch offensiver agieren und mehr Punkte machen kann. Bis zu sechs Stunden täglich brachte sie in den vergangenen Monaten auf dem Platz zu oder übte anderweitig. So absolviert sie derzeit jeden Tag ein Sonderprogramm für den lädierten Rücken.

Natürlich hat sie Lena-Marie Hofmann, die sich im Februar 2010 mit Weltranglistenplatz 461 auf bestem Weg sah, sportlich neue Ziele gesetzt. In den nächsten Monaten will sie bis unter die ersten 300 der Welt aufsteigen, damit sie auch bei großen Turnieren in der Qualifikation antreten kann. „Das ist zu schaffen, ich muss viel spielen und verletzungsfrei bleiben“, erklärt die 21-Jährige kämpferisch.

So richtig los gehen soll ihre Tennis-Rallye nach Abschluss der Abiturprüfungen, also Anfang Juni. Dann wird die junge Marktbreiterin wieder ein Leben aus dem Koffer führen. Sie wird von Turnier zu Turnier tingeln, quer durch Deutschland und Europa reisen. Zusätzlich wird sie für ihren Verein in der zweiten Bundesliga aufschlagen, wo sie an Position drei gesetzt ist. Für die Münchnerinnen ist im zweiten Jahr wieder der Klassenverbleib angepeilt. „Auf dem Papier gehören wir nicht zu den Besten der Klasse, aber das ist zu schaffen“, sagt sie mit Zuversicht in der Stimme. Der Aufbruch im Jahr 2012 kann beginnen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren