Fußball-Landesliga

Komplimente für den Drecksack

Thorsten Götzelmann (40) ist für Bayern Kitzingen beim 0:0 in Erlenbach unverzichtbar
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Traf für die Bayern: Thorsten Götzelmann. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Beim ersten Hinhören konnte es einem vor Schreck glatt die Sprache verschlagen. „Thorsten Götzelmann ist ein alter Drecksack. Er lässt sich fallen und schreit.“ Was Erlenbachs Trainer Jürgen Baier da von sich gab, war scheinbar ein ungeheuerlicher Vorwurf, der unter anderen Umständen einen Eklat ausgelöst hätte. Zum Glück hatte Baier im selben Moment ein neckisches Grinsen auf sein Gesicht gezaubert und den Spieler Bayern Kitzingens quasi für unverzichtbar erklärt: „Götzelmann ist immer gut. Er kann gar nicht schlecht spielen.“ Was erst nach einer Beleidigung klang, war also in Wirklichkeit ein großes Kompliment für dessen Cleverness und Erfahrung aus vielen Landesliga-Jahren. „Das sehe ich genauso“, sagte Götzelmann, der Baier schon beim obligatorischen Händeschütteln nach Spielschluss brüderlich umarmt hatte. Beide kennen einander aus zahllosen Duellen, als einst Götzelmann für Höchberg und Sulzfeld stürmte und Baier Obernau und Haibach trainierte.

Dass der vierzig Jahre alte Götzelmann überhaupt auflief, noch dazu als alleiniger Angreifer, war die wohl bemerkenswerteste Geschichte beim 0:0 im Gipfeltreffen zwischen Erlenbach und Kitzingen am Karsamstagnachmittag. „Er hat sich als die beste Alternative erwiesen“, sagte Wolfgang Schneider über die Lösung des personellen Engpasses. Simon Pauly beruflich verhindert, Agron Salihi (bis vor kurzem Ibrahimi) nach einer Verletzung noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, also musste Götzelmann, eigentlich ja Co-Trainer und nur noch auf Abruf Spieler, die Lücke schließen. Wenn er gebraucht wurde, spielte er im defensiven Mittelfeld auf weniger laufintensiven Positionen. In dem Alter, das spürt auch Götzelmann, hat die Spritzigkeit früherer Tage ein ganzes Stück nachgelassen, um als Frontmann zum Tor zu ziehen, doch darauf kam es Wolfgang Schneider am Samstag auch nicht an.

Mit seinem robusten Körper hieß Götzelmanns Aufgabe, den Ball in der Spitze abzuschirmen, bis zum Nachrücken des Mittelfelds zu halten und dann zu verteilen. Für den finalen Schuss aufs Tor mussten andere einspringen. „Thorsten hat die Vorgaben sehr gut umgesetzt“, fand Trainer Schneider. Für seinen Nahkampfeinsatz bekam Götzelmann die Härte der Gegenspieler zu spüren: Wenn sie ihm schon nicht den Ball abjagen konnten, dann sollte er wenigstens den Ellbogen im Rücken spüren. Freistöße, die er auf diese Weise hervorrief, waren ein elementarer Teil des Kitzinger Matchplans. Ein solcher, von Christopher Lenhart beständig geschossener Ball brachte die Gäste am gefährlichsten vor das gegnerische Tor: Die Hereingabe beförderte der Erlenbacher Philipp Fachaux per Kopf ins eigene Netz. Ein Treffer für Kitzingen folgte daraus wegen Oliver Starks Abseitsposition jedoch nicht (82. Minute).

Dass es im Aufeinandertreffen des gastgebenden Tabellenführers mit dem vier Zähler entfernten Verfolger torlos blieb, erwies sich nur als kleiner Qualitätsmangel: ein 0:0 der sehr guten Sorte. Trotz der dominierenden, ja überragenden Abwehrreihen vereinbarten beide Teams, die zum vierzehnten Mal ohne Gegentor blieben, keine langatmige Hinhaltetaktik. Die verbissen geführten Zweikämpfe spielten sich schon im Mittelfeld ab. Gegen Erlenbachs Dauerdruck zu Beginn jeder Hälfte wehrten sich die früh verteidigenden Gäste derart bravourös, dass es mit Ausnahme von Marius Trippels Vorstoß in den Strafraum (48.) zu keiner gefährlichen Torsituation kam. Im Kitzinger Viererabwehrverbund beschnitten Oliver Stark, Julian Schuhmann und Christopher Lenhart den Wirkungsgrad der Erlenbacher Angreifer Sebastian Göbig und Paul Heinrich. Allein Marcel Geitz ließ zu häufig die linke Seite geöffnet, was ihn kurz nach dem Seitenwechsel an den Rand des Platzverweises brachte: Mit Gelb belastet blieb sein neuerliches Foulspiel dank der Nachsicht von Schiedsrichter Peter Dotzel straflos.

„Ein Fehler hätte genügt, und das Spiel wäre entschieden gewesen. Und das hätte auf beiden Seiten der Fall sein können“, erkannte Erlenbachs Trainer Baier. Sein Akteur Matthias Rieth probierte zweimal, einen Fehler des Gegners zu provozieren: Beide Schüsse in der Schlussphase parierte Torhüter Florian Nöth. Auf Kitzinger Seite vergab Shawn Hilgert die Möglichkeiten in der ersten Halbzeit. Dass der Rückstand auf den Spitzenreiter unverändert blieb, damit konnte sich Wolfgang Schneider getrost arrangieren. „Wir sind jetzt schon deutlich über unser Saisonziel hinausgeschossen“, sagte der 51-Jährige. „Jetzt wollen wir den Kampf um die beiden vorderen Plätze so lange wie möglich offenhalten.“

Die Statistik zum Spiel

SV Erlenbach – Bayern Kitzingen 0:0

Erlenbach: Sven Schröer; Tino Frauenfelder (87. Jens Mehrmann), Fabian Galm, Stephan Krug, Philipp Fachaux, Deniz Tiryaki, Matthias Rieth, Baris Eren, Sebastian Göbig (79. Islam Seren), Marius Trippel, Paul Heinrich (62. Igor Stapp).

Kitzingen: Florian Nöth; Oliver Stark, Julian Schuhmann, Christopher Lenhart, Marcel Geitz (51. Phillip Schlarb), Stefan Güntner, Jörg Otto, Shawn Hilgert, Tolga Arayici, Stefan Schöderlein (85. Mario Schmidt), Thorsten Götzelmann (89. Marco Endres).

Schiedsrichter: Peter Dotzel (Heidenfeld).

Zuschauer: 420.

Gelbe Karten: Trippel; Geitz.

ONLINE-TIPP

Viele Impressionen und einen weiteren Spielbericht vom Spitzenspiel in Erlenbach gibt es bei uns im Internet: www.mainpost.de/sport/kitzingen

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