Wohl dem, der aus seinem Nachwuchs schöpfen kann. Auf der einen Seite musste der längst nicht vor dem Abstieg gerettete FC Reupelsdorf zu Ostern einiges an Personal vom ohnehin dünnen Kader entbehren. Er schickte deshalb sein beinahe letztes Aufgebot ins Rennen. Selbst Sportleiter Thomas Czeschka musste seinen fußballerischen Ruhestand nach 15 Jahren unterbrechen und im Trikot auf die Bank. Dagegen glich Tabellenführer Kleinlangheim seine Absenzen mit der Jugend aus. „Das war fast unsere halbe U19, die vorige Saison Meister geworden ist“, sagte Markus Golombek, der ebenso kaum der Jugend entwachsene Spielführer, später mit Blick in die Runde der Mitspieler.

Dass es schließlich ein 6:2-Erfolg der Kleinlangheimer Jugend über die Gastgeber wurde, glaubte mancher Zuschauer bereits im Vorfeld zu wissen. „Da fallen die Tore“, zeigte ein Gäste-Anhänger zu Beginn Richtung Reupelsdorfer Tor. Tatsächlich lag der Ball bereits nach fünf Minuten zum ersten Mal im Tor von Peter Henneberger. Der hatte den ersten Versuch nach einem kurz ausgeführten Freistoß Markus Golombeks noch abgewehrt, aber der Nachschuss aus etwa 14 Metern von dessen älteren Bruder Gregor war nicht zu halten. Es folgte eine Sturm-und-Drangphase des VfL, in der es schien, als würde es für Reupelsdorf ein nicht nur wegen des Wetters ungemütlicher Nachmittag werden.

Zunächst verpasste Abwehrmann Christian Höhn in bester Position vorne den Ball (11.), dann vergeigte Markus Golombek eigensinnig (15.), schließlich setzte erneut Höhn den Ball nach Sololauf wider den Außenpfosten (33.). Mit zu viel Eigensinn, zu viel ungestümem Anrennen statt kühlem Kopf bremste sich der VfL zunächst selbst. Reupelsdorf fand mit der Zeit besser ins Spiel, und so überraschend wie die Sonne auf einmal durch die Wolken blitzte, gelang dem FC der Ausgleich durch Marvin Eigner (39.). Wohl als Folge gönnte sich VfL-Spielertrainer Michael Ludwig nur eine kurze Halbzeitpause in der warmen Kabine. „Ja, ich wurde etwas lauter, weil man mit 60 Prozent auch gegen Reupelsdorf nicht gewinnt“, sagte er.

Seine Spieler schienen verstanden zu haben, auch wenn sie nach recht zerfahrenem Start in den zweiten Abschnitt gütige Hilfe des Gegners benötigten. Verteidiger Markus Maier ließ sich außen zu einfach von Alexander Rennert düpieren, Markus Golombek schob dessen Vorlage zum 1:2 ein (55.). Wenig später folgte die kurioseste Szene der Partie. Markus Golombek setzte einem zu lang geratenen Pass nach, FC-Torwart Henneberger wartete an der Strafraummarkierung, um den Ball aufzunehmen. Henneberger zauderte, ob er fangen oder mit dem Fuß hingehen solle. Doch Golombek berührte kurz den Ball und wurde der lachende Dritte, weil ihn der Torhüter regelwidrig am Fuß traf. Schiedsrichter Schumann schaute sich den Tatort an und verhängte Elfmeter. Diesen verwandelte Sascha Bader sicher zum 3:1 – wie auch drei Minuten später, als erneut Markus Golombek von einem Verteidiger im Strafraum ins Straucheln gebracht wurde.

Der Rest ist schnell erzählt, Reupelsdorf schaffte zwar den 2:4-Anschluss, behängte sich später aber zu sehr mit dem nicht immer souveränen Schiedsrichter Schumann, der in der Folge einige Strafen aussprach. Locker-leicht brachte derVfL den klaren Vorsprung nach Hause, ohne voll zu überzeugen. „Es sind noch sieben Spiele“, sagte Spielertrainer Ludwig. „Bis jetzt haben wir noch nichts geschafft.“ Dagegen blieb Kapitän Markus Golombek mutiger. „Wir wollen den Vorsprung verteidigen. Es kommen zwar noch ein paar harte Brocken, aber das schaffen wir“, lautete dessen Ansage. So ist halt die Jugend. In Reupelsdorf muss Spielertrainer Tobias Tschernach bangen, auch weil die personelle Lage nicht so schnell besser wird.

Die Statistik zum Spiel

FC Reupelsdorf – VfL Kleinlangheim 2:6 (1:1)

Reupelsdorf: Peter Henneberger; Markus Maier, Giousouf Ametoglou, Thomas Hümmer, Tobias Tschernach, Özkan Sarioglan, Matthias Niedermeier, Andreas Flurschütz, Matthias Lang, Marvin Eigner, Serkan Sarioglan.

Kleinlangheim: Manuel Tippmann; Amadou Jallow, Christian Höhn, Moritz Braun (46. Thorsten Eberhardt), Michael Kotzer (63. Oliver Hemmeke), Gregor Golombek, Michael Ludwig, Markus Schellhorn, Sascha Bader, Markus Golombek, Alexander Rennert (63. Henric Plutte).

Schiedsrichter: Martin Schumann (Uffenheim).

Zuschauer: 80 (geschätzt).

Gelbe Karten: Maier, Hümmer, Tschernach, Nie-dermaier, Henneberger; Höhn, Plutte.

Gelb-Rote Karten: Niedermaier (Reupelsdorf, 78., Meckern), Tschernach (Reupelsdorf, 82., Meckern).

Tore: 0:1 Gregor Golombek (5.), 1:1 Marvin Eigner (39.), 1:2 Markus Golombek (55.), 1:3 Sascha Bader (57., Foulelfmeter), 1:4 Sascha Bader (60.), 2:4 Marvin Eigner (65.), 2:5 Henric Plutte (68.), 2:6 Thorsten Eberhardt (83.).