Ein einziger Abschlag genügte, um für die SpVgg Ansbach nahezu alles zunichte zu machen beim Landesliga-Spitzenspiel in Abtswind. TSV-Torhüter Irnes Husic hatte nach einer Stunde einen Ball abgefangen und schnell geschaltet. Sein aus der Hand geschlagener Ball flog bis Mitte der gegnerischen Hälfte, wo er zum großen Problem für Ansbachs Verteidiger Adrian Henninger wurde. Der klärte das Ding bloß unzureichend, worauf Abtswinds Top-Angreifer Pascal Kamolz im Stil eines Torjägers bereits gelauert hatte. Kamolz legte sich den Ball in den Lauf und spitzelte ihn nach 63 Minuten am Ansbacher Torhüter Körner vorbei zum 1:1 ins Netz.

Das war schon Extraklasse, wie der vom Würzburger FV gekommene Angreifer im elften Auftritt sein zwölftes Tor erzielte. Weil es nicht so einfach war, wie es schien. „Natürlich war es ein Abwehrfehler“, sagte der 28-Jährige.

„Ich habe noch einen Schubser gekriegt, der Schiri sagte später, wäre der Ball nicht reingegangen, hätte er Elfmeter gegeben.“ Die Zeit der Wende brach an. Nur drei Minuten später schug Kamolz gegen die nun durcheinander geratene Ansbacher Elf erneut zu. Jörg Otto hatte eingefädelt, Peter Mrugalla ließ prallen, und Kamolz jagte den Ball per Flachschuss aus zwölf Metern neben den Pfosten zum 2:1 (66.), auch hier hatte er wohl mehr als Gegners Atem im Nacken gespürt.

Seine Mitspieler nennen den erst im Sommer gekommenen Torgaranten respektvoll „Kantholz“. Woher der Name kommt? Beim Versuch einer Erklärung muss der Mann, der nun bei 14 Toren steht, schmunzeln. „Den Namen habe ich erst seit kurzen. Wahrscheinlich, weil ich viel abbekomme, aber immer wieder aufstehe.“ Trainer Jochen Seuling bezog das „Kantholz“ auf die Robustheit seines Angreifers – eine Robustheit, die am Samstag wieder mal den Unterschied machte.

Kamolz feuerte noch einmal nach. Steil angespielt von Tobias Werner, erzielte er das 4:1 und machte damit alles klar. Abtswind hatte einige Zeit gebraucht, um sich nach einem frühen Wirkungstreffer wiederaufzurappeln. Schon nach drei Minuten hatte sich Ansbachs überragende Figur, Kapitän Christoph Hasselmeier, die Kugel zu einem Freistoß zurechtgelegt, mittig zwar, aber etwa vierzig Meter vor dem Kasten des Abtswinder Torwarts Irnes Husic, so dass der gerade zwei Mann als Mäuerchen aufstellte. Hasselmeier haute drauf – mit wenig Schnitt und viel Wucht flog der Ball zum 0:1 in den Torgiebel. Nicht nur Husic schaute der Kugel verwundert hinterher.

Absender Hasselmeier besitzt eine Vorliebe für Freistöße aus der großen Distanz. „Ich nehme lieber die weiter vom Tor weggelegenen Bälle“, sagte er, „der zweite heute war vielleicht zu nah.“ Damit meinte er eine Situation nach siebzig Minuten, als er aus siebzehn Metern ran durfte. Husic hielt den flach getretenen Ball. Hasselmeiers Können gefiel einmal dem Nachwuchstrainer Bayern Münchens, Hermann Hummels, demVater von Mats Hummels.

Er holte den Ansbacher in die B-Jugend der Bayern, mit denen er Deutscher Meister 2007 wurde. Er stand in einer Mannschaft mit Diego Contento oder Mehmet Ekici, lebte in München Tür an Tür mit den nur wenig älteren Toni Kroos oder Holger Badstuber. Bis ihm gekündigt wurde. „Später fiel ich mit einer Verletzung ein halbes Jahr aus, dann war Schluss bei den Bayern.“ Zwei Kreuzbandrisse verbauten ihm auch bei Greuther Fürth mehr.

Zufrieden war Hasselmeier mit seinen Mannen nicht. „Die Gegentore waren geschenkt. Und nach vorn ha-ben wir zu wenig gemacht“, sagte er. Abtswind machte mit dem 1:1 mehr Druck. In Peter Mrugalla und Pascal Kamolz hatte Seuling beide Angreifer aufgestellt, was diesmal deutlich besser klappte als beim 2:3 zuvor in Rimpar. Mrugalla blieb im ersten Durchgang zwar – außer bei einem Flachschuss – recht unauffällig, wurde aber in der zweiten Halbzeit, als Abtswind im Mittelfeld längst auf eine Raute mit vier Mann und auf zwei Stürmer umgeschaltet hatte, wie all seine Mitspieler stärker. Ein feiner Treffer zum 3:1 gelang ihm nach 76 Minuten auf Zuspiel Jörg Ottos. Kamolz legte noch einen drauf.

Vergessen war später das böse Rimpar-Spiel. Darüber habe man sich am Sonntagabend geärgert, dann sei das Thema für ihn „gegessen“ gewesen, sagte Seuling. Schon beim folgenden Training habe er ein gutes Gefühl gehabt. „Heute sagte ich während der Halbzeit: Kopf hoch! Jeder muss eben zehn Prozent drauflegen.“ Nicht nur Pascal Kamolz hatte offenbar gut zugehört.

Das Spiel in der Statistik

TSV Abtswind – SpVgg Ansbach 4:1 (0:1)

Abtswind: Irnes Husic; Daniel Hey, Tobias Werner, Sven Gibfried, Jonas Wirth, Michael Herrmann (69. Michael Seuling), Jürgen Endres (56. Sandro Wolf), Jörg Otto, Constantin Paunescu (81. Albert Fischer), Pascal Kamolz, Peter Mrugalla.

Ansbach: Florian Körner; Heiko Kandler, Christoph Hasselmeier, Raul Crisan, Michael Gassner (81. Sven Hendel), Philip Weingärtner, Michael Weiß, Patrick Soldner, Pakorn Silaklang (67. Bastian Weiß), Adrian Henninger, Christoph Nagler.

Schiedsrichter: Marcel Schiller (Coburg-Cortendorf).

Zuschauer: 250.

Gelbe Karten: Endres; Hasselmeier, Crisan.

Tore: 0:1 Christoph Hasselmeier (3., Freistoß aus 40 Metern), 1:1 Pascal Kamolz (62., nach weitem Abschlag von Torhüter Husic), 2:1 Pascal Kamolz (66., Flachschuss aus zwölf Metern), 3:1 Peter Mrugalla (75., auf Zuspiel von Jörg Otto), 4:1 Pascal Kamolz (86.).