Während die meisten Mitspieler sich längst auf den Heimweg begeben hatten, war Julian Schuhmann noch mit sich selbst beschäftigt. Der Kitzinger Verteidiger legte in aller Ruhe die verschwitzten Kleider ab, duschte ausgiebig und frisierte akkurat seine Locken. Bevor er am Samstag eine Dreiviertelstunde nach dem Schlusspfiff die Gästekabine in Abtswind verließ, hatte er die Stille womöglich auch genutzt, um nachzudenken. Für Schuhmann war es schließlich kein schöner Fußball-Tag. Mit einem schludrigen Zuspiel hatte er früh den 0:1-Rückstand eingeleitet. Später im Spiel, als es 1:1 stand, zwang er seine Mannschaft durch einen Platzverweis in die Unterzahl. Am Ende hatten die Kitzinger Bayern die Begegnung in der Landesliga mit 1:2 an den TSV Abtswind verloren.

„Zufrieden kann ich nicht sein“, bekannte Schuhmann offen. Eigentlich hatte der 24-Jährige vor dem ersten Gegentreffer nur den Spielaufbau fördern wollen, wie es sein Trainer Wolfgang Schneider von den Innenverteidigern mit hoher Geschwindigkeit fordert. „Ich kann ja nicht nur hintenherumspielen“, sagte Schuhmann über die Szene aus der 20. Minute. Statt den Ball zu einem freien Nebenmann in die Horizontale zu schieben, entschied sich der Kitzinger ohne Not für die riskante Variante in der Vertikalen: Vor sich hatte er Felix Straßberger entdeckt, doch das Leder nahm nicht den beabsichtigten Lauf und gelangte zu Abtswinds Peter Mrugalla und schließlich zum Torschützen Pascal Kamolz.

Nicht zum ersten Mal in der noch jungen Saison hatte sich Schuhmann einen Blackout geleistet: Tage zuvor bei der 1:2-Niederlage gegen Kahl hatte er den Gegner auf ähnliche Weise begünstigt, woraus ebenfalls ein Treffer entstanden war. „Der Spielaufbau ist nicht meine Stärke“, stellte Schuhmann fest. Diese Schwäche hatten sich die Abtswinder mit taktischer Raffinesse zunutze gemacht.

Nach dem plötzlichen krankheitsbedingten Ausfall Mathias Brunschs und der anhaltenden Verletzung Christopher Lenharts hatte Trainer Wolfgang Schneider die Position des zweiten Innenverteidigers unkonventionell besetzt: Joachim Hupp leistete Abwehrarbeit in letzter Instanz und organisierte das Geschehen nicht wie gewohnt im zentralen Mittelfeld. „Das war kein Experiment“, sagte Schneider, der Hupp bereits mehrmals testweise mit der neuen Rolle konfrontiert hatte.

Der Neuzugang wäre die ideale Besetzung in der Defensive gewesen, um die Angriffszüge tief aus der eigenen Hälfte anzubahnen. Allerdings engte Abtswind mit Hilfe seiner Frontmänner Kamolz und Mrugalla Hupps Handlungsraum ein und zwang dergestalt Julian Schuhmann den Ball auf – mit den bekannten Folgen. Ohne die inspirierenden Kräfte Tolga Arayicis, der sich wenige Stunden vor dem Anpfiff mit Muskelbeschwerden krankgemeldet hatte, fehlte es den Bayern im Spielfluss an Ideen, die Abtswinder Defensive einem Stresstest zu unterziehen.

Mit der Einwechslung Thorsten Götzelmanns bereits kurz nach der Pause signalisierte Schneider, dass die Wende im Spiel wohl nur mit Gewalt herbeizuführen war. Mit Wucht hielt der 40 Jahre alte Götzelmann seinen Kopf in einen Eckstoß Felix Straßbergers. Mit dem Treffer brachte er seine Mannschaft in der 58. Minute wenigstens dem Ergebnis nach zurück ins Spiel. Nach dem 1:1-Ausgleich bewiesen die Bayern, wie Wolfgang Schneider es erlebte, die engagiertere Körpersprache und den größeren Siegeswillen. Wertete man die Torchancen als Kriterium der unter der extremen Hitze darbenden Begegnung, so erfüllte allein Abtswind die geforderte Norm. „Die Abtswinder verfügen über brutale Offensivqualitäten“, so Schneider, „aber sie stellen keine Übermannschaft dar, der man nicht wehtun kann.“

Statt Nadelstiche zu setzen, musste Kitzingen in der letzten Viertelstunde Vorsicht walten lassen. Julian Schuhmann hatte im Laufduell den Abtswinder Sandro Wolf von der Seite mit dem Oberkörper attackiert und Gelb-Rot gesehen. Es war ohne Zweifel eine harte Entscheidung, zumal für das erste angebliche Vergehen des Kitzinger Abwehrspielers bereits eilig Gelb verhängt worden war. „Es macht keinen Sinn, sich aufzuregen“, urteilte Schneider, der ein Foulspiel seines defensiven Außenspielers Phillip Schlarb an Sebastian Otto ebenso für fragwürdig hielt.

Sven Gibfrieds Freistoß schlug anschließend zum 1:2 im Eck von Torhüter Mario Bodendörfer ein (87. Minute). Zuvor hatte Kitzingens Schlussmann, auf den sich der Trainer als neue Nummer eins festgelegt hat, noch mit einer herausragenden Parade einen Freistoß von Gibfried um den Pfosten gelenkt (71.). „Da hatte ich freie Sicht“, klärte Bodendörfer auf. „Beim zweiten Versuch standen fünf Mann vor mir, so dass ich zu spät auf den Ball reagieren konnte.“

Bodendörfers Reflex auf die drei Zähler nach drei Spielen fiel verhaltener aus: „Unsere Ausbeute ist nicht zufriedenstellend“, sagte der 22-Jährige. Dabei wurde immer das gleiche Muster erkennbar: Noch in jedem Spiel dieser Saison waren die Kitzinger innerhalb der ersten zwanzig Spielminuten durch ein individuelles Missgeschick ins Hintertreffen geraten. Am Samstag wurde Julian Schuhmann die unglückliche Rolle zuteil.