Die Deutsche-Meister-Serie von Patrick Karl ist gerissen. Nach zwei U 18-Titeln in Folge über die 1 500-m-Hindernis verpasste der Ochsenfurter in der Altersklasse U 20 den Sieg über 2 000 Meter um sieben Hundertstel Sekunden. Wobei die Frage erlaubt sein muss: „Verpasste“ oder „verschenkte“ er seine dritte Meisterschaft? „Verschenkt trifft es eher. Ich war der Favorit und lag die letzten 200 Meter vorne. Nach dem letzten Hindernis habe ich gedacht, das war's. Normalerweise sieht man im Augenwinkel, ob ein Verfolger da ist. Diesmal habe ich es nicht gesehen. Wenn ich die Arme nicht zum Jubeln gehoben hätte, hätte es gereicht“, gibt der 18-Jährige seinen Fehler zu.

Und was lernt er daraus? „Dass mir so etwas nicht noch einmal passieren wird. Dass zu früh freuen nichts bringt. Dass erst auf der Ziellinie Schluss ist. Dass man sich bei Unsicherheit doch noch einmal umdrehen soll, obwohl es in unserem Sport heißt, dass man dann verliert.“

Natürlich steckten Patrick Karl bei seinem Auftritt in Wattenscheid die beiden 3 000-m-Hindernisläufe von der Weltmeisterschaft in Eugene noch in den Knochen. Dennoch lief er taktisch super und bewegte sich stets im Mittelfeld. Zwei seiner Hauptkonkurrenten machten das Tempo. In der letzten Runde übernahm der Ochsenfurter aber Initiative und Spitze.

Lediglich Karl Bebendorf (Dresdner SC) und Yannick Burger (SV Rosche) konnten ihm noch folgen. Nach dem Wassergraben war Karl in Führung und strebte als Erster auf die Zielgerade. Locker und leicht nahm er 50 Meter vor dem Ziel auch das letzte Hindernis und lief klar auf Titelkurs. Er bemerkte dabei nicht, dass Karl Bebendorf noch nicht aufgegeben und zum Spurt angesetzt hatte. Karl wurde vollkommen überrascht, als sich Bebendorf unmittelbar vor der Ziellinie an ihm vorbei schob und das Rennen mit sieben Hundertstel Vorsprung in 6:46,53 Minuten gewann.

Bei aller Enttäuschung bleibt Patrick Karl in der Beurteilung seines Bezwingers, mit dem er sich gut versteht, fair: „Ich freue mich für Karl Bebendorf. Er hat es verdient, wie er gebissen hat“, lobt er den Mann, der ihm den Titel vor der Nase weggeschnappt hat.