Die Kunde erreichte am Montagmorgen per Brief etliche Firmen und Geschäftsleute der Region und dürfte den Partnern des Basketball-Bundesligaklubs s.Oliver Baskets Diskussionsstoff geliefert haben. Jochen Bähr, Mitbegründer, Galionsfigur und Gesicht der Baskets gleichermaßen, entfernt sich weiter von den Würzburger Erstliga-Korbjägern. Ein Komplettausstieg scheint nicht ausgeschlossen.

Nachdem er zum 30. Juni dieses Jahres bereits den Posten des Baskets-Geschäftsführers verlassen hat, verzichtet Bähr nun also auch auf eine ihm angedachte Position im noch zu installierenden Aufsichtsrat. „Da die Arbeit im Aufsichtsrat ebenso zeitaufwendig und belastend wäre wie die Funktion als Geschäftsführer, kann ich dies mit meiner Tätigkeit als Geschäftsführer bei 'büroforum' nicht mehr vereinbaren“, teilte der 43-Jährige den Sponsoren schriftlich die Beweggründe für seinen Verzicht mit. Im Gespräch mit dieser Zeitung wurde er noch deutlicher: „Egal ob Hausmeister oder Aufsichtsrat, letztlich bleiben viele Dinge dann doch bei mir hängen.

Und nach vielen Jahren ehrenamtlicher Arbeit kann ich das einfach nicht mehr einfach so leisten.“

Bähr war schon vorige Saison bei den Baskets kürzergetreten und hatte sich auch öffentlich mehr und mehr zurückgenommen. Indes kümmerte er sich weiter um die Betreuung alter und die Akquise neuer Sponsoren – seine maßgebliche Aufgabe in all den Jahren seit Baskets-Gründung 2007. Vor allem ihm war es zu verdanken, dass der Würzburger Basketball nach der Insolvenz der früheren „X-Rays“ im Jahr 2005 und dem gescheiterten Neuanfang durch Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner mit dem „USC Mainfranken“ 2006 neues Vertrauen der heimischen Wirtschaft gewann. Bähr war es auch, der vor drei Jahren den Vertrag mit dem namensgebenden Hauptsponsor s. Oliver eingefädelt und damit die Tür zur ersten Liga geöffnet hat. Aktuell beträgt der Jahresetat der Baskets rund dreieinhalb Millionen Euro, eine für Würzburger Verhältnisse enorme Summe: Bährs Verdienst.

Ganz unvermittelt kommt der sich scheibchenweise vollziehende Rückzug – Bähr bleibt zunächst Gesellschafter der „Sport und event Würzburg Baskets GmbH“, dem wirtschaftlichen Träger des Klubs – indes nicht. Schon seit geraumer Zeit gibt es hinter den Kulissen unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des Vereins, gerade was die Vermarktung betrifft. Bähr hatte nach eigener Aussage angeboten, bei seiner eigenen Firma kürzerzutreten, um sich noch stärker in das Baskets-Marketing einbringen zu können – gegen ein entsprechendes Honorar, um die Einnahme-Ausfälle aus seiner Geschäftsführer-Tätigkeit des „büro- und wohnforums“ am Heuchelhof zu kompensieren. Doch das lehnten die Mitgesellschafter um Rechtsanwalt Bruno Fraas, Steuerberater Norbert Wagner sowie Projekt-Manager Gerold Bader unter dem Hinweis auf die fehlenden finanziellen Möglichkeiten ab. Bähr sagt zu den Vorgängen: „Es war ein sachliches Gespräch darüber in dieser Gesellschafter-Versammlung. Ich hätte es sehr gern gemacht, aber nun muss ich nach fast sieben Jahren auch einmal an mich denken.“

Es gibt keinen Plan B

Wie geht es nun bei den Baskets weiter? Wer übernimmt Bährs Aufgaben? Gibt es einen Plan B der Mitgesellschafter? Drängende Fragen, auf die es nur bedingt auch Antworten gibt. Wagner und Bader sind seit dieser Woche im Urlaub – „und ich bin heute den ersten Tag aus dem Urlaub zurück und kenne dieses Schreiben gar nicht“, sagte Fraas, der sich am Montag überrascht von der jüngsten Entwicklung zeigte: „Vom Grundsatz her ist es ja so, dass Herr Bähr den Etat und die Sponsorenverträge für die kommende Saison gemacht hat, und da hat er für sich nichts vorgesehen. Ich wüsste nicht, woher wir jetzt das Geld nehmen sollten. Aber das ist meine persönliche Meinung, ich bin nur einer von acht Gesellschaftern. Vielleicht ist es sinnvoll, dass man sich noch einmal generell unterhält und mit den Mitgesellschaftern abstimmt.“

Eine weitere Zusammenarbeit mit Bähr ist für den Wirtschaftsjuristen zumindest nicht restlos ausgeschlossen. „Wir haben keinen Plan B, Jochen Bähr hat die Baskets gegründet, er ist immer Plan A.“ Und auch für Bähr ist das Kapitel wohl noch nicht ganz beendet, wie sein abschließender Satz erkennen lässt. „Schließlich sind die Baskets irgendwie auch mein Kind.“