Handball

Jens Ullmann als stiller Problemlöser

Jens Ullmann gilt als ein Mann, der im Handball auch einmal über den Tellerrand schaut. Der ehemalige DDR-Juniorennationalspieler scheut sich nicht, Klartext zu reden. Aber als Co-Trainer des TSV Rödelsee hält er sich dezent im Hintergrund und bildet den Kontrast zum emotionalen „Chef" Dusan Suchy.
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Ratgeber im Hintergrund: Rödelsees Co-Trainer Jens Ullmann steht lieber in zweiter Reihe. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

Jens Ullmann gilt als ein Mann, der im Handball auch einmal über den Tellerrand schaut. Der ehemalige DDR-Juniorennationalspieler scheut sich nicht, Klartext zu reden, wenn es um den Handball in unseren Breiten geht. Als Spieler gehörte er zu Beginn der neunziger Jahre zum fast schon legendären Oberliga-Team der TG Kitzingen. Derzeit ist der 46-Jährige bei den Handballern des TSV Rödelsee zweiter Mann auf der Trainerbank neben Dusan Suchy, ein Posten, auf dem sich der einstige Kreisläufer wohlfühlt.

Sich selbst stellt Jens Ullmann dabei nicht in den Vordergrund – er ist der Mannschaftsspieler, der vor und während den Spielen an den kleinen, aber wichtigen Rädchen dreht. „Es ist egal, ob ich in der ersten oder zweiten Reihe stehe. Entscheidend ist, was die Mannschaft auf dem Parkett liefert“, sagt er auf die Frage nach seiner Rolle. Im Tandem mit Suchy wird Ullmann auch in der kommenden Saison beim TSV Rödelsee sein. Er unterstützt den Slowaken in vielen Bereichen. Seine Philosophie: Vier Augen sehen mehr als zwei. Manchmal brauche ein Trainer einen Rückhalt oder eine Bestätigung. Dabei akzeptiert Ullmann, dass Suchy „der Chef ist. Das letzte Wort hat er.“

Die beiden Fachmänner ergänzen sich – auch durch ihre unterschiedlichen Charaktere. An der Seite ist der eine, Suchy, der emotionale Typ; Ullmann bewahrt die Ruhe, nimmt sich im Spiel schon mal einen Akteur zur Seite und gibt ihm Tipps. Während der Slowake eher der Angreifer ist, der das offensive Spiel vorantreibt, denkt Ullmann verstärkt an die Defensive. „Mein Faible ist die Abwehr. Was ich hinten nicht kriege, muss ich vorne nicht werfen“, ist einer seiner Grundsätze.

Der Handballsport lässt Ullmann, der einst auf einer Sportschule besonders gefördert wurde, nicht los. Nach einem Jahr Pause kehrte er zu Beginn der Runde zum TSV Rödelsee zurück, wo er schon mal als Co-Trainer tätig war. „Momentan gefällt es mir dort, das Umfeld passt, Erfolge sind auch da. Für mich ist es wichtig, dass ein Konzept vorhanden ist“, sagt er. Für sein sportliches Hobby nimmt es der Immobilienkaufmann und Familienvater auf sich, dass seine Zeit an den Wochenenden oft knapp wird. „Die Fahrten fordern einen schon. Zumal meine beiden Töchter mit Handball und Basketball unterwegs sind.“ Gut, dass seine Frau Sylvia, früher ebenso höherklassig aktive Handballerin, für ihn und seinen Sport viel Verständnis aufbringt.

Jens Ullmann hebt in Rödelsee das Konzept wie auch das Mannschaftsgefüge hervor. Er spüre, dass es vorangehe – im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen in der Gegend. „Die Mannschaft ist reifer geworden, biegt Partien noch um wie zuletzt in Erlangen oder in Bayreuth. Jeder Spieler hat sich weiterentwickelt. Natürlich sind sie älter geworden. Aber in der Konstellation funktioniert das ganz gut“, sagt er.

Vermitteln zwischen Spielern und Trainer müsse er kaum. Die Leistung entscheide über die Aufstellung und Spielzeit oder darüber, wann gewechselt werden müsse. Ein Wechsel, ein Umbruch müsse beim TSV natürlich erfolgen, da viele Leistungsträger bereits ein Alter weit jenseits der 30 auf dem Buckel haben. Aber da stößt Ullmann ein Problem auf. Die jungen, hungrigen und talentierten Akteure aus dem Umkreis, auf die sein Verein gern setzen würde, sind äußerst dünn gesät. Zudem scheuten es einige, sich unter Guten zu beweisen, „sich mal zu testen, ob ich das schaffe. Da bleiben sie lieber in einer tieferen Klasse oder bei ihrem Heimatverein, wo sie getätschelt werden“, kritisiert er. Die Vereine müssten künftig Zentren bilden, um sportlich zu bestehen, sagt Ullmann, dem das vielerorts gängige Kirchturmdenken seit jeher missfällt.

Was Rödelsees Aussichten angeht, so bleibt er Realist. In dieser Bayernliga-Runde sei zwar noch alles drin, es stünden aber noch die Partien gegen die „Großen“ an. Um nach ganz vorne zu kommen, müsse alles passen. „Wenn wir am Ende den dritten Platz holen, wäre das eine Top-Leistung.“ Zumal es gerade gegen Gegner wie an diesem Samstag den TSV Ottobeuren zuweilen schwieriger sei als erwartet. Das Hinspiel ging verloren. Jens Ullmann wird sich was einfallen lassen müssen.

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