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Kitzingen

Ist die HSG Mainfranken der Bayernliga gewachsen?

Nach zwei Niederlagen ist der Aufstieg von Mainfrankens Frauen wieder in Gefahr geraten. Trainerin Steffi Placht hält ihr Team für konkurrenzfähig, aber nur unter einer Bedingung.
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Eine starke Gemeinschaft: Die Handballerinnen der HSG Mainfranken sind haben in der Landesliga das Zeug zum Titelanwärter - wenn sie komplett sind. Foto: Andreas Stöckinger

Sie würde es gerne noch mal wissen, würde gern noch einmal den Aufbruch wagen und ausprobieren, wie es sich anfühlt – da oben auf dem Gipfel des bayerischen Frauenhandballs, wo die Luft dünn und die Leistungsdichte hoch ist. Steffi Placht hat das alles schon einmal erlebt, wie man bei ihr überhaupt den Eindruck hat, sie habe alles schon einmal mitgemacht in ihrer langen Laufbahn als Spielerin und Trainerin. Inzwischen ist sie 68, aber noch immer ehrgeizig und agil genug, ein einmal begonnenes Projekt zum bestmöglichen Ende zu bringen. Mit den Handballerinnen der HSG Mainfranken steht Placht an der Schwelle der Bayernliga – wieder einmal.

Zu viele Spielerinnen waren 2009 auf dem Sprung

Im Frühjahr 2009 war sie mit dem TV Etwashausen schon einmal in die höchste Klasse des Freistaats eingezogen. Fünf Jahre hielt sich die Mannschaft da oben, dann ging es zurück in die Landesliga – nicht, weil sie zu wenig Siege oder Punkte geholt hätte, sondern weil der Verein für sie keine Perspektiven sah. Zu viele Spielerinnen waren auf dem Sprung, das Team zu verlassen, das in der Saison darauf schließlich als HSG Mainfranken an den Start ging, verschmolzen aus den Handball-Abteilungen der TG Kitzingen, des TSV Mainbernheim und des TV Etwashausen. Steffi Placht war da schon weitergezogen, aber der Verein erinnerte sich ihrer, als die Stelle des Trainers im Jahr 2016 neu zu besetzen war.

Bei der HSG ist sie also auch schon wieder im vierten Jahr ihrer Mission, und erneut steht sie vor dem Sprung in die Bayernliga. Doch manches ist heute anders als beim ersten Mal. Der Aufstieg durfte damals als kleine Sensation gelten, denn er hatte nur wenige Jahre zuvor in der Bezirksklasse begonnen, also vier Spielklassen unterhalb der Bayernliga. Wahre Grundlagenarbeit hatte die erfahrene Trainerin in Etwashausen geleistet, wo bis dahin nur die Männer Ausflüge bis in die Landesliga unternommen hatten. Blickt sie heute auf ihr Werk, sagt sie: „Das kann man nicht vergleichen. Es war damals eine Gruppe von Spielerinnen, die Handball als oberste Priorität sah.“

Ein Trio von damals ist immer noch dabei

Das ist weniger als Kritik oder Vorwurf an ihren aktuellen Jahrgang gemeint, den auch noch andere Interessen umtreiben, sondern eher als lapidare Zustandserfassung: So sind sie halt, die Zeiten. Immerhin ist ihr manche Spielerin geblieben, die schon in der Meistermannschaft von 2009 spielte: Carolin Trabold, Melle Meyer, demnächst auch wieder Julia Meyer, die aus ihrer Babypause zurückkehrt. Mit Spielerinnen knapp älter oder jünger als 20 fügen sie sich zu einer für Landesliga-Verhältnisse durchaus explosiven Mischung. Doch damit sie zündet, braucht es eine Art kritische Masse. „Richtig konkurrenzfähig sind wir nur, wenn wir komplett sind“, stellt Placht fest. „Immer wenn wir in dieser Saison komplett waren, haben wir gewonnen.“

Die HSG Mainfranken bleibt demnach eine Wundertüte – keiner weiß, was als nächstes kommt. An diesem Samstag ist es der SC Schwabach, der die Unberechenbaren aus Mainfranken in der Kitzinger Sickergrundhalle besuchen wird – und Placht erwartet sich von ihrer Mannschaft „eine Reaktion“. Sie könne und müsse zeigen, dass die jüngsten beiden Niederlagen „Ausrutscher“ waren: das 13:23 beim Titelanwärter ESV Regensburg II , das in seiner Klarheit überraschte, ebenso wie das 24:25 gegen Sulzbach-Rosenberg , das niemand auf der Rechnung hatte.

Hatte es bis vor kurzem so ausgesehen, als könnte die HSG ihr Meisterstück von 2009 wiederholen, ist nun sogar der zweite Platz in Gefahr und damit die Chance, die Bayernliga über die Relegations-Hintertür zu erreichen. Bei noch acht ausstehenden Spielen sind die Mainfranken derzeit punktgleich mit dem Post SV Nürnberg, den sie im Hinspiel klar geschlagen haben.

Wie abhängig ist die HSG von ihrer Anführerin?

Steffi Placht kämpft dieser Tage auf zwei Ebenen: Sie muss ihr bisweilen etwas labiles Team im Aufstiegsrennen bei Laune und Konzentration halten – und gleichzeitig Vorsorge treffen für den Fall, dass es tatsächlich den Sprung unter die Besten Bayerns schafft. Vor allem in der Breite wird sie ihre Gruppe stärken müssen, denn in dieser Saison stehen gerade zwölf Spielerinnen zur Verfügung, „wenn alle da sind“.

Immerhin, so glaubt die Trainerin, habe sich das Team etwas von seiner Anführerin Melle Meyer emanzipiert . Wird sie vom Gegner mittels kurzer Deckung quasi aus dem Spiel genommen, seien da Julia Flohr oder Lea Geuder, die in die Bresche springen könnten. Wie wichtig die 30-Jährige noch immer für die HSG ist, lässt sich mit einem Blick auf die Statistik der Landesliga Nord erahnen: Meyer wird dort mit 144 Toren in 16 Einsätzen als trefflichste Spielerin der Klasse geführt.

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