Ochsenfurt

In Ochsenfurt darf wieder gelacht werden

Nach einem ernüchternden Jahr ist Kabil Jabiri gerade dabei, beim Ochsenfurter FV wieder Spielfreude zu vermitteln. Trotz sechs Siegen in Folge lauern immer noch Risiken.
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Kabil Jabiri sagt, er sei ein „spaßiger Typ“. Als solcher hat er beim Ochsenfurter FV die Spielfreude neu geweckt.

Kabil Jabiri ist im August 1981 geboren, er ist also 37 Jahre alt und damit jung genug, um an der Glanzzeit des 1. FC Ochsenfurt gerade so vorbeigerauscht zu sein. Dass es der FCO mit seinen Fußballern einst bis in die Sphären der Landesliga geschafft hat, klingt heute wie eine Science-Fiction-Saga. Vielleicht kann es Jabiri deshalb kaum glauben. „Echt“, sagt er, „die waren mal Landesliga?“ Von Mitte bis Ende der 1980er Jahre war der FCO ein Fixstern, um den die damals kleinen Satelliten aus Hopferstadt, Frickenhausen oder Kleinochsenfurt in mehr als gebührendem Abstand kreisten.

Doch seither hat sich im Fußball-Sonnensystem manches verschoben. Der FCO ist der Sonne etwas zu nahe gekommen und zum Zwergplaneten geschrumpft worden – so klein, dass er zuletzt immer mal wieder in einem schwarzen Loch zu versinken drohte. Erst im Sommer ist der Ochsenfurter FV, der aus FC und SV hervorgegangene Nachfolgeklub, in die A-Klasse abgestiegen – nur ein Jahr, nachdem er mit einiger Hoffnung in die Kreisklasse eingezogen war. Vielleicht hatte es Meistertrainer Patrick Gutknecht mit der Demut damals etwas übertrieben, denn von der Begeisterung nach dem Aufstieg war von Anfang an wenig zu spüren.

Im Gegenteil: Gutknecht sah sich im Laufe seiner Mission gezwungen, mehr und mehr Verlustanzeigen aufzugeben: Er klagte über fehlenden Kampfgeist, mangelnden Trainingseifer, verloren gegangene Spielfreude. Und als Kabil Jabiri als sein direkter Nachfolger sich im Sommer ans Werk machte, übernahm er nach eigenen Angaben ein „mental geschwächtes Team“, das offenbar in ruinösem Zustand war. „Das Selbstvertrauen war gleich null, die Spielfreude war gleich null.“

Jabiri sagt, er sei ein „spaßiger Typ, von dem immer mal wieder ein lustiger Spruch kommt“. Es durfte wieder gelacht werden beim Training wie im Spiel und mit diesem Spaßprogramm gelang es dem neuen Trainer augenscheinlich, die Lebensgeister einer in Lethargie erstarrten Mannschaft wieder zu wecken und so etwas wie Aufbruchstimmung zu vermitteln. „Wir mussten zusammenrücken“, sagt der 37-Jährige über diesen Prozess. Bis es allerdings zu sichtbaren Ergebnissen kam, sprich zu nachhaltigem Erfolg, vergingen Wochen bis Monate.

Nach sechs Siegen hintereinander zeichnet sich für Jabiri und den OFV jetzt ein Silberstreif am A-Klasse-Horizont ab, auch wenn vier der sechs Gegner aus dem hinteren Tabellendrittel kamen. Beim 4:0 zuletzt gegen Gollhofen hat Ochsenfurt erstmals in dieser Saison zu null gespielt, ein Erfolg für die labile Abwehr. Aber noch bestehen gewisse Risiken, dass sich die so sonnige Lage bald wieder eintrüben könnte. Das größte: die personellen Unwägbarkeiten.

Der Klub hat im Sommer nicht nur Sebastian Keßler, Markus Michel und Patrick Gutknecht ziehen lassen müssen, ein Trio mit hoher spielerischer Qualität, sondern er muss auch eine Reihe Spieler entbehren, die verletzt oder in Studium und Beruf eingebunden sind. Auf zehn Ausfälle bringt es Jabiri damit nach eigener Rechnung. Der Sprung auf Tabellenplatz zwei ist unter diesem Aspekt schon als großer Erfolg zu werten. Höher wird es selbst in kompletter Besetzung für den OFV kaum hinausgehen.

Schon jetzt sind es zehn Punkte Rückstand zum TSV Frickenhausen, dessen Erfolgsprojekt Jabiri Respekt abnötigt. „Toll“ sei es, was Nils Kemmer und Philipp Hemmerich, seine ehemaligen Mitspieler beim TSV Sulzfeld, dort auf die Beine gestellt hätten. Ihnen ist mit Frickenhausen gelungen, woran der OFV vor einem Jahr gescheitert war: die Thermik des Aufstiegs zu nutzen und sich von der Euphorie in neue Höhen tragen zu lassen.

Noch immer erlebt Jabiri manchen Absturz, etwa wenn Spieler sich nach einem Gegentor „gegenseitig anmosern“. Als Trainer würde er sich wünschen, manchmal ein Zeichen setzen oder ein Exempel statuieren zu können, den einen oder anderen Spieler auch mal draußen zu lassen, wenn er die Norm nicht erfüllt. Aber dafür ist der Kader zu klein, dazu fehlten ihm die „Häuptlinge“. Was er schätzt, ist, dass er sich hier auf das Wesentliche seines Jobs, das Sportliche, beschränken kann und der Verein sich um den Rest kümmert.

Und vielleicht ist es ja ganz gut, dass Jabiri wenig weiß von der glorreichen Vergangenheit dieses Klubs. Einer Vergangenheit, die zum Teil immer noch bleischwer auf dem Verein lastet und den unbeschwerten Blick in die Zukunft verstellt. Von der Klubspitze werde zwar nicht erwartet gleich wieder aufzusteigen, doch im Umfeld gebe es schon manchen, der sich mit dem Status des OFV als Fußball-Zwergplanet gar nicht anfreunden könne. Jabiri ist jetzt klar, warum das so ist.



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