Frauenfußball

Immer nur Frickenhäuser Schreck-Sekunden

Drei Spiele, drei Niederlagen: „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Frickenhausens Trainerin Anika Höß. Beim 0:5 gegen den ETSV Würzburg II zeigt sich exemplarisch, warum es mit dem Erfolg bislang nichts geworden ist.
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Nah dran, aber nicht nah genug: Die Frickenhäuserinnen Jennifer Döll (links) und Anika Höß (Mitte) müssen Würzburgs Franziska Thomas den Vortritt lassen. Foto: Foto: Michael Kämmerer

Der Fan von der Eckfahne hatte genug gesehen. Er nahm seine Sitzbank auf die Schulter und zog von dannen. Das Bier war getrunken, das Spiel entschieden. Die letzten Minuten der Begegnung würden daran nichts ändern. Für den Anhänger der Frickenhäuser Frauen war es ein aufregender Nachmittag. Schon wieder würde sein Team verlieren. Darüber musste er sich ärgern – genauso wie über den tadellosen Schiedsrichter und den Gegner, mit dessen Zuschauern er sich angelegt hatte. Sympathisant des Frickenhäuser Fußballs zu sein, ist momentan nicht leicht. „Jeder ist geknickt“, sagte Spielertrainerin Anika Höß nach dem 0:5 gegen den ETSV Würzburg II – was die punktlosen Frickenhäuserinnen auf den letzten Tabellenplatz geschoben hat. „Damit haben wir nicht gerechnet“, stellte Höß ernüchtert fest.

Vor vier Wochen im Pokalwettbewerb war das Aufeinandertreffen mit derselben Torausbeute zu Ende gegangen – allerdings hieß der 5:0-Sieger damals Frickenhausen. „Das Ergebnis hatte niemand mehr im Kopf“, versicherte Höß, die in der vergangenen Saison selbst das Trikot der Würzburger in der zweiten Bundesliga getragen hatte. Für die unterschiedlichen Spielausgänge in Liga und Pokal gab es eine Erklärung: Im August waren die Würzburgerinnen ersatzgeschwächt angetreten und hatten überwiegend ihre dritte Mannschaft auf dem Feld.

Vergangenen Sonntag musste sich ETSV-Trainer Dieter Kölbl anfangs fragen, ob er doch wieder mit dem falschen Kader nach Frickenhausen gekommen war. Statt der Würzburgerinnen, die wild mit dem Aufstieg flirten, bestimmten die Gastgeberinnen das Geschehen nach Belieben. Angreiferin Anja Schreck allein bekam zwischen der zehnten und 27. Minute vier Großchancen, zweimal prallte der Ball an den Pfosten.

Wieder einmal wurde klar, woran es Frickenhausen derzeit gebricht: Die besten Möglichkeiten bleiben ungenutzt. „Wir haben das Toreschießen extra im Training geübt“, klärte Anika Höß auf, „doch der Knoten muss erst noch platzen.“ Immerhin versteckte sich ihr Team zu keiner Zeit, doch nach den vier Schreck-Sekunden für die Gäste wurde es ruhig im Würzburger Sechzehnmeterraum. Schließlich stimmte in der Folge die Nähe zum Gegner in den Zweikämpfen. „Nach und nach haben wir unser Spiel aufgebaut und umgesetzt“, sagte ETSV-Trainer Kölbl.

Die Mechanismen griffen, die Räume im Mittelfeld verdichteten sich, weil die Würzburgerinnen Vera Günther und Franziska Thomas auf den zentralen Umschaltpositionen vor der Abwehr Präsenz zeigten. Und noch eine Maßnahme hielt Kölbl für geeignet, um Frickenhausen in seinem Offensivspiel einzuschränken. Julia Weimert hatte als Außenverteidigerin den Auftrag bekommen, nach vorne zu marschieren. Ziel war es, Anika Höß in Abwehraktionen zu verstricken, statt sie agieren zu lassen. „Das hat mich nicht aus dem Spiel genommen“, fand die 21-Jährige, obwohl sie kaum Impulse nach vorne gegeben hatte.

Bei den fünf Würzburger Treffern zogen allein zwei Mädels ihre Show ab, in Szene gesetzt von mitunter sehenswerten Vorlagen: Anna-Lena Issing steuerte drei Tore bei, Mona Eichelbrönner die übrigen beiden. Frickenhausen war nach dem 0:1 zur Pause im zweiten Durchgang noch ein Stück offensiver gestanden und dafür nicht belohnt worden. „Ich glaube weiter, dass wir auf einem komfortablen Mittelfeldplatz landen“, sagte Anika Höß. „Wenn einmal die ersten drei Punkte eingefahren sind, geht es aufwärts.“ Dann hätte auch der Fan von der Eckfahne wieder bessere Laune.

Statistik zum Spiel

TSV Frickenhausen – ETSV Würzburg II 0:5 (0:1)

Frickenhausen: Bettina Götz; Stefanie Hahn, Sabine Müller, Bianca Rumpel (77. Julia Wasserbauer), Katrin Burghart (74. Theresa Schmitt), Jennifer Döll, Anika Höß, Simone Barthel, Charlott Udhardt, Denise Stich, Anja Schreck.

Würzburg: Sibel Acan; Angelina Wülk, Constanze Böck, Ursula Schneider, Julia Weimert, Vera Günther, Franziska Thomas, Christina Hahn, Mona Eichelbrönner (80. Ina Stäcker), Marianne Keck (46. Anja Sauer), Anna-Lena Issing.

Schiedsrichter: Dietmar Willner (SV Friesenhausen).

Zuschauer: 40.

Gelbe Karte: Müller.

Tore: 0:1 Anna-Lena Issing (37., Foulelfmeter), 0:2 Mona Eichelbrönner (67.), 0:3 Mona Eichelbrönner (77.), 0:4 Anna-Lena Issing (79.), 0:5 Anna-Lena Issing (89.).

Landesliga Nord Frauen

VfR Stadt Bischofsheim – FC Pegnitz 2:0  
SV Weinberg II – SpVgg Hausen 0:1  
TSV Frickenhausen – ETSV Würzburg II 0:5  
FC Schweinfurt 05 – SV Neusorg 0:5  
SpVgg Greuther Fürth – SpVgg Eicha 2:1  

1. (2.) SpVgg Hausen 4 3 1 0 10 : 2 10  
2. (3.) SpVgg Greuther Fürth 4 3 1 0 7 : 3 10  
3. (4.) ETSV Würzburg II 4 3 0 1 14 : 6 9  
4. (1.) SV Weinberg II 4 3 0 1 10 : 5 9  
5. (5.) SpVgg Eicha 3 1 1 1 7 : 5 4  
6. (6.) FC Pegnitz 4 1 1 2 3 : 4 4  
7. (8.) SV Neusorg 3 1 0 2 8 : 6 3  
8. (10.) VfR Stadt Bischofsheim 3 1 0 2 7 : 11 3  
9. (7.) FC Schweinfurt 05 3 1 0 2 2 : 8 3  
10. (11.) ASV Hollfeld 3 0 0 3 3 : 11 0  
11. (9.) TSV Frickenhausen 3 0 0 3 1 : 11 0  
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