FUSSBALL: KREISKLASSE

Hartsch will in Hoheim Korken knallen lassen

In seiner letzten Saison will der Trainer noch mal durchstarten. Markus Hartsch verrät, was Hoheim so speziell macht – und was Gladbachs Fohlenelf damit zu tun hat.
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Markus Hartsch, wie er leibt und lebt. Mangelnde Leidenschaft kann man dem 56-Jährigen wahrlich nicht vorwerfen. Foto: Foto: Hans Will

In der sechsten Saison ist Markus Hartsch mittlerweile als Trainer für die Kreisklasse-Kicker des SV Hoheim verantwortlich. Eine halbe Ewigkeit, bedenkt man, auf welchem Schleudersitz ein Fußball-Trainer zuweilen sitzt. Bei Misserfolg wird der Geduldsfaden von Klubverantwortlichen immer kürzer. Speziell im Profi-Lager bekommen Trainer dies regelmäßig zu spüren. Immer kürzer wird auch deren Verweildauer bei ein und demselben Verein. Aber auch in der Welt der Amateure bildet eine sechsjährige Amtszeit eines Trainers eher die Ausnahme.

So gesehen ist Markus Hartsch in Hoheim Vertreter einer selten gewordenen Spezies. Noch jedenfalls, denn schon seit rund einem Jahr steht fest, dass die aktuelle Spielzeit des 56-Jährigen seine letzte als Coach im Kitzinger Stadtteil sein wird. Der Impuls dazu kam nicht vom Trainer selbst, sondern aus der Mannschaft; für Hartsch kein Problem, wie er versichert. In der Entscheidungsfindung sei alles vollkommen reibungslos gelaufen. „Die Jungs wollen mal eine andere Ansprache hören, einfach mal was anderes ausprobieren – vielleicht mit einem Spielertrainer“, berichtet der Coach. Das sei in Ordnung. „Vielleicht,“ sagt Hartsch schmunzelnd, „ stellen sie ja in zwei Jahren fest, dass ich doch der beste Trainer war. Dann komme ich zurück.“

„Vielleicht stellen sie in zwei Jahren fest, dass ich doch der beste Trainer war.“
Markus Hartsch, der nach der Saison in Hoheim aufhört

Die Beziehung zwischen ihm und der Mannschaft reicht nach gut fünf Jahren Zusammenarbeit längst über ein normales Trainer-Spieler-Verhältnis hinaus. Das ist zu spüren, wenn er von seinen „Buben“ spricht und dem SV Hoheim als großer Familie. Sich selbst versteht er dabei als eine Art Herbergsvater, der die schützende Hand über diese Familie hält. Als solcher will er mit seinen Schützlingen aus dieser Spielzeit noch einmal das Optimale herausholen. Hartschs Wunschvorstellung für einen gebührenden Abschied: der neuerliche Verbleib in der Kreisklasse, in der der SV Hoheim nun im dritten Jahr in Serie spielt. „Dann werden die Korken aber noch mal richtig krachen“, kündigt der frühere Torjäger ein rauschendes Abschiedsfest an.

Die Chancen, dass es so kommen wird, haben sich in den vergangenen Wochen deutlich erhöht. Schließlich kam Hoheim nach dem schwachen Saisonstart zuletzt immer besser in die Spur und gewann drei der letzten vier Begegnungen. Höhepunkte dabei waren der Sieg über Tabellenführer Gelchsheim (4:3) und der überraschend deutliche 4:1-Erfolg am vergangenen Sonntag in Frickenhausen. Während sein Team zu Hause gegen Gelchsheim perfekt gekontert habe, sei die Leistung beim Aufsteiger diesmal auch spielerisch „richtig stark“ gewesen, sagt Hartsch über die Fortschritte, die seine Mannschaft zuletzt machte.

Die kommen nicht von ungefähr, schließlich bieten sich dem Trainer im Vergleich zum Saisonstart wieder deutlich mehr personelle Alternativen. Leistungsträger wie Jakob Sieber, Christoph Hofmann, Lukas Fürtsch oder Frank Söhnlein sind nach und nach zurückgekehrt und steigern das Niveau. Damit nähert sich die Mannschaft auch wieder dem Fußball, wie ihn sich der Trainer idealerweise vorstellt. In Anlehnung an die legendäre Gladbacher Fohlenelf der 70er-Jahre will Hartsch den Gegner aus einer kompakten Abwehr heraus mit flinkem Umschaltspiel über die Außenbahnen oder durchs Zentrum überraschen.

„Das Schöne ist, dass man sofort wieder Automatismen gesehen hat, die über Jahre einstudiert sind“, sagt der Coach über die Rückkehr diverser Stammkräfte. Der SV Hoheim sei etwas „ganz Besonderes. Es grenzt fast an ein Wunder, wie wir das hier seit Jahren zusammen hinkriegen.“ Damit meint Hartsch vor allem die begrenzten Möglichkeiten im Kitzinger Vorort. Die erste Mannschaft sei Einzelkämpfer, wenn es darum geht, den Verein zu vertreten. Eine Reserve oder eine Jugendabteilung gibt es in Hoheim nicht. Die wenigen Spieler, die zur Verfügung stünden, seien dafür umso eingeschworener, spielten leidenschaftlich und mit Herzblut Fußball.

Diese Tugenden werden auch die nächsten Wochen gefragt sein, wenn Hoheim nacheinander auf Gülchsheim, Iphofen und Willanzheim – alle aktuell in der Spitzengruppe der Kreisklasse zu finden – trifft. In allen drei Partien sei der SV zwar Außenseiter, „aber Angst haben wir nicht“, sagt Hartsch gewohnt selbstbewusst. Das Vertrauen in seine „Buben“ ist groß.

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