Würzburg

Günther Jackl bleibt an der Spitze

Während der Bezirksvorsitzende für weitere fünf Jahre gewählt wurde, gab es für einen Funktionär Applaus, weil er seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur ankündigte.
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Die neue BLSV-Bezirksvorstandschaft Unterfranken: (von links) Adolf Zerr, Thomas Heinrich, Alexandra Krohnen, Klaus Greier, Günther Jackl, Karl-Heinz Hübner, Renate Menzel, BLSV-Präsident Günther Lommer, Manuela Schneider (Sportjugend), Stefan Schäfer und Edwin Metzler

Günther Jackl führt für weitere fünf Jahre den Bezirk Unterfranken im Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV). Beim Bezirkstag in Margetshöchheim (Landkreis Würzburg) wurde der Mann von den Sportfreunden Steinbach (Kreis Haßberge) durch die 155 Delegierten aus den zehn unterfränkischen Sportkreisen einstimmig wiedergewählt. Applaus gab es auch für BLSV-Präsident Günther Lommer (Cham), der im Juni nach 14 Jahren nicht mehr für sein Amt zur Verfügung stehen wird.

Der BLSV-Bezirk Unterfranken hat aktuell 504 091 Mitglieder in 1668 Sportvereinen. In absoluten Zahlen ist in Bayern nur der Bezirk Oberbayern größer, im Organisationsgrad – also im Verhältnis der Sportmitglieder zur Einwohnerzahl – ist nur der Bezirk Niederbayern stärker. Die Zahl der Sportler in den unterfränkischen Vereinen war zuletzt leicht rückläufig. Während man in Ballungsräumen wie München eher auf der Suche nach neuen Sportanlagen sei, kenne man in den ländlichen Regionen eher das „Problem der leer stehenden Sportruinen“, so Jackl.

Digitale Fortbildungen

Die Vereine forderte der Bezirksvorsitzende auf, das Potenzial der über 60-Jährigen zu heben und entsprechende Angebote bereit zu stellen. Wo im Sportverein ein Vorsitzender fehlt, riet Jackl, die Arbeit des Vorstandes nach einem gleichberechtigten Ressort-Prinzip zu verteilen. Um sich die Verwaltungsarbeit zu erleichtern und um die Jugend noch zu erreichen, empfahl der Bezirksvorsitzende den Vereinen, die Digitalisierung voranzutreiben. Jackl stellte aber auch fest, dass die Sportmitarbeiter beim Thema Datenschutz ziemlich alleine gelassen werden. Der BLSV plane hierzu Fortbildungen.

Um die ehrenamtliche Arbeit in den Sportvereinen zu stärken, hatte der BLSV Unterfranken im Januar 2018 erstmals einen Ehrenamtstag veranstaltet. Anfang 2019 soll die Veranstaltung, bei der Mitarbeiter und Vereine geehrt werden, wiederholt werden. Jackl hoffte, dass es nach einer Pause im Jahr 2018 im nächsten Jahr wieder einen Ausrichter in Unterfranken für das Sport- und Bewegungsfest „Franken aktiv“ gibt.

Der scheidende BLSV-Präsident Günther Lommer zog zufrieden Bilanz seiner 14 Amtsjahre. Man habe viel erreicht. Den Entscheidungsträgern dankte er dafür, den Förderetat für den Sport auf 52 Millionen Euro angehoben zu haben. Pro Förderpunkt im Rahmen der Vereinspauschale habe die Politik für 2019 nach aktuell 28,5 Cent nun 30 Cent in Aussicht gestellt. Lange Wartezeiten auf die Auszahlung von Fördergeldern gehörten beim Sportstättenbau der Vergangenheit an, so Lommer: Nur bei Großanträgen gebe es maximal zwei Jahre Wartezeit. „Wir können uns über die Politik in Bayern wahrlich nicht beschweren“, meinte der Präsident, der sich nur beim Thema Schulsportstunden noch nicht zufrieden zeigte. Nach 14 Jahren ohne eine Erhöhung der BLSV-Beiträge bat Lommer die Vereine, sich für 2019 auf eine Beitragsanpassung einzustellen.

Lommers Wunsch bleibt es, dass die Zahl der Sportler in Bayern von 4,5 Millionen auf fünf Millionen ansteigt. Überzeugt ist er, dass der BLSV über kurz oder lang Nordrhein-Westfalen überholt und der größte Landessportbund in Deutschland sein wird: „Während wir nach wie vor Zuwächse verzeichnen, verlieren andere Landessportbünde an Mitgliedern.“

Lommer deutete Überlegungen an, BLSV-Bereiche wie Camps oder Sportschule auszugliedern, damit sie auf eigenen Füßen stehen. „Das geplante BLSV-Camp im oberfränkischen Bischofsgrün wird eine tolle Sache“, machte der Präsident den Vereinen Lust darauf, alle BLSV-Einrichtungen zu besuchen. Lommer kündigte an, dass der Verwaltungssitz, das „Haus des Sports“ in München, eine Renovierung brauche.

Wahlleiter Burkhard Losert, Bürgermeister von Rimpar im Landkreis Würzburg, hatte es leicht, die Neuwahlen durchzuführen. Gewählt wurden Bezirksvorsitzender Günther Jackl (Sportfreunde Steinbach), stellvertretender Bezirksvorsitzender Karl-Heinz Hübner (FSV Esselbach), stellvertretender Vorsitzender Klaus Greier (TSV Hollstadt), Schatzmeister Edwin Metzler (SV Ramsthal), Frauenvertreterin Alexandra Krohnen (TV Wasserlos), Referent Sportabzeichen Thomas Heinrich (TSV Güntersleben), Referent Bildung Stefan Schäfer (TSG Waldbüttelbrunn), Referentin Sport der Älteren Renate Menzel (VfR Nilheim), Referent Sportstättenbau Adolf Zerr (TSV Amorbach), die Revisoren Heinrich Knichelmann (Kleinostheim) und Burkhard Rickert (Karlstadt); Ersatz: Helmar Scheuring (Bischofsheim) und Werner Melber (Schwarzach) sowie als Vertreter im BLSV-Aufsichtsrat Burkhard Rickert (Karlstadt); Ersatz Rainer Werner (Oberthulba-Reith). Die Sportjugend wird in der Bezirksvorstandschaft durch Ute Braun (TSV Nordheim am Main) und Manuela Schneider (TV Jahn Würzburg) vertreten.

Verabschiedet wurden aus der Bezirksvorstandschaft Martin Hußlein (Haßfurt, Sportabzeichen), Christa Öchsner (Greußenheim, Frauen), Rainer Werner (Oberthulba-Reith, Kirche und Sport), Jürgen Wolfgramm (Würzburg, Sport und Umwelt) sowie Paul Leicht (Nordheim am Main, Schatzmeister), der sich bereits seit 1996 um die Bezirksfinanzen gekümmert hatte und deshalb nun zum Bezirksehrenschatzmeister ernannt wurde.

Zahl der Vizepräsidenten erhöhen

Ausgezeichnet wurden mit der BLSV-Ehrennadel in Silber Adolf Zerr; mit Silber mit Gold Christa Öchsner, Helmut Radler (TV Würzburg-Unterdürrbach), Stefan Schäfer und Jürgen Wolfgramm; mit Gold Klaus Greier und Renate Menzel; mit Gold mit Kranz Karl-Heinz Hübner und Rainer Werner; mit Gold mit Silbernem Lorbeerblatt Martin Hußlein und Kurt Vogel (Schweinfurt). Für ihre Unterstützung für den Sport erhielten Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel und Landrat Eberhard Nuß die BLSV-Verdienstplakette in Gold.

Beschlossen wurde von den Delegierten ein Antrag an den BLSV-Verbandstag, die Zahl der gewählten BLSV-Vizepräsidenten von vier auf fünf zu erhöhen, um den umfangreichen Aufgabenbereich Bildung und Breitensport trennen zu können.

Neben dem BLSV-Präsidenten verfolgten auch die Vizepräsidenten Jörg Ammon (Nürnberg) – designierter Nachfolger von Lommer – und Bernd Kränzle (Augsburg) die Tagung. Die erst im Jahr 2006 aus drei Vereinen fusionierte Sportgemeinschaft Margetshöchheim sorgte für die Verpflegung der Tagungsteilnehmer in der örtlichen Margaretenhalle.

Einen interessanten Vortrag zum Thema „Psychosoziale Gesundheit im Verein“ hielt Professor Dr. Stefan Voll, seit 2002 Leiter des Sportzentrums der Universität Bamberg und seit 2006 Leiter der Forschungsstelle für Angewandte Sportwissenschaften an der Universität Bamberg.

Nach drei Stunden harmonischer Tagung schloss Jackl den Bezirkstag mit der Bemerkung, das Amt des Bezirksvorsitzenden sei „das schönste Amt überhaupt“. Man möchte es ihm fast glauben.

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