Trotz ihrer bereits neun Minuspunkte liegen die Handballer des TV Großlangheim noch erstaunlich gut im Aufstiegsrennen der Bezirksliga Süd. Tabellenzweiter sind sie hinter der TG Heidingsfeld, die jedoch ein Spiel mehr ausgetragen hat. Ob ein Aufstieg so gelegen käme für die Großlangheimer, das steht für den Trainer Alwin Müller auf einem ganz anderen Blatt. „Wenn es gut laufen sollte, sind wir vielleicht vorne. Ich bin mir allerdings nicht schlüssig, ob es Sinn macht, hoch zu gehen“, gibt Müller zu.

Neben dem TV Großlangheim darf mehr als die halbe Liga noch auf den Aufstieg in die nächst höhere Klasse hoffen. Selbst der Tabellensiebte, der SV Michelfeld, rangiert mit zwölf Minuspunkten knapp hinter der Spitze. „Nicht nur bei uns wechseln sich Höhen und Tiefen ab. Das ist in der ganzen Liga so“, sagt Müller über die ungewöhnliche Situation. Konstanz ist das, was nahezu allen Mannschaften in der Liga zu fehlen scheint. Müller sieht die Sache realistisch. „Vielleicht ist es diesmal in der Bezirksliga nicht so schwer, Meister zu machen. Aber wenn sich nichts Grundlegendes ändert, ist es wohl für jede Mannschaft schwer, sich in der Bezirksoberliga zu halten.“

Der 50-Jährige, der nach dem Abstieg in die Bezirksliga 2012 die Zügel bei den Großlangheimer Männer in die Hand genommen hat, plagt sich nicht nur mit einer oft schwierigen Personalsituation. So stehen wichtige Kräfte der Vergangenheit derzeit gar nicht zur Verfügung, etwa Alexander Pfannes. Oder sie können, wie Stefan Hoppert und Michael Haupt, aus beruflichen Gründen nicht regelmäßig mitwirken.

Innere Einstellung als Problem

„Großlangheim hat jahrelang von Alex Pfannes profitiert. Er macht bereits seit zwei Jahren mit einer Kreuzbandverletzung herum, aber er wird nicht gesund. Das sind zehn Tore pro Spiel, dazu war er ein sicherer Siebenmeterschütze“, schildert der Trainer sein Dilemma. Ähnlich verhält sich die Sache bei Haupt und Hoppert, die in den letzten Jahren zu den Stützen zählten. Sorge bereitet Müller zudem die innere Einstellung der Spieler zu ihrem Sport – ein Problem, das viele Trainer aus nahezu allen Sportarten beklagen.

Die Mentalität des Nachwuchses, der nachfolgenden Generation, habe sich gewandelt. „Viele denken nicht mehr so teamorientiert. Für mich gab es vor dreißig Jahren außer dem Studium nur Handball, heute ist das anders. Wenn der Opa achtzigsten Geburtstag feiert, kann einer das ganze Wochenende nicht spielen. Ich hätte damals alles versucht, um trotzdem mitmachen zu können“, sagt Alwin Müller. Heute zähle zuerst das eigene Wohl, dann erst das Wohl der Mannschaft.

Müller erzählt weiter von seinen Problemchen. So habe er Akteure, die in einer Musikgruppe spielten. Kollidieren deren Auftritte mit den Handballspielen, dann steckten die Spieler in der Zwickmühle. Ohne sie könne die Musik nicht spielen. Beim Handball gehe das schon, aber die Harmonie leidet auch hier. Müller sagt: „Wir haben eine so dünne Personaldecke, dass wir etliche Spiele nur mit sieben, acht Feldspielern bestreiten mussten. Du hast wenig Alternativen, und das macht es schwierig.“ Mancher Punktverlust sei diesen Ausfällen geschuldet. Dennoch hat Müller auch Fortschritte bei seiner Truppe registriert. „Letztes Mal gegen Kitzingen/Mainbernheim lagen wir zum Teil mit acht Toren hinten und schafften noch ein Remis (36:36). Also stimmen Einsatz und Moral.“

Spieler sollen Zähne zeigen

Als Trainer fühlt sich der erfahrene Müller in Großlangheim wohl. Dem Verein lägen noch Werte wie Harmonie und Kameradschaft am Herzen, vieles unternehme man gemeinsam. „Das Wort Teamgeist ist vordergründig. Mir macht es Spaß dort“, sagt er. Wünschen würde er sich von seinen Akteuren, „dass der eine oder andere mehr Zähne zeigen würde“. Was die Zukunft bringe, müsse man auch in Großlangheim abwarten. Nun steht erst einmal das Derby gegen den TV Etwashausen an, bei dem es Müller schwer fällt, eine Prognose zu treffen. „Du steckst nicht drin in dieser Liga, auch nicht bei uns. Wir sind so etwas wie eine Wundertüte. Wenn die Einstellung stimmt, können wir überall mithalten.“