Sport-Tagebuch

Fördern, fordern und entlassen

Siedler-Hoffnung. Etwashäuser Herausforderungen. Trainerschicksale.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sport-Tagebuch: Zahl zwischen 12 und 14

DIENSTAG

Im zweiten Jahr hintereinander stellt der SSV Kitzingen eine auf Bayernebene spielende Junioren-Fußballmannschaft. Nach der U-15, die in der vergangenen Saison sang- und klanglos aus der Bayernliga abstieg, versucht sich diesmal die U-17 in der Landesliga. Nach drei Spielen hat die Elf von Markus Hartsch bereits zwei Siege auf dem Konto, genauso viele wie die U-15 nach 22.

MITTWOCH

Das Vorschau-Gespräch mit Informant Torsten Küster weckt Erinnerungen an die vergangene Saison. Da starteten Etwashausens Tischtennismänner als Aufsteiger in die Bayernliga, und Küster verkaufte sich und seine Kollegen positiv im Bezug auf den Klassenerhalt. Der Werbefachmann sollte Recht behalten. Der Klassenerhalt wurde geschafft.

Statt eitel Sonnenschein führten persönliche Interessen (oder Eitelkeiten?) zum Auseinanderbrechen der Mannschaft. Mit Dietmar Weger (12:17-Siege), Peter Herbst (23:8) und Alexander Burkard (16:13) suchten sich ausgerechnet die Spieler mit den besten Bilanzen eine neue sportliche Heimat. In der Folge zeigte sich eine gewisse Uneinigkeit in der Abteilungsführung. Während nach außen propagiert wurde, voll auf die Jugend zu setzen, suchte man in Internetforen nach neuen Spielern. Diese Diskrepanz zwischen „Voll auf die Jugend“ und „Die Mischung macht's“, die sich schon während der erfolgreich absolvierten Bayernligarunde auftat, war möglicherweise auch ein Grund für den großen Aderlass. Gefunden wurde trotz aller Bemühungen jedenfalls keine Verstärkung.

So ist die Landesliga die neue freiwillig gewählte sportliche Heimat. Die angemessene für die drei Nachwuchstalente Felix Günzel (18), Christoph Sasse (18) und Nico Braun (17)? Mal abwarten. Zu einer guten Nachwuchsarbeit, wie sie der TV Etwashausen seit Jahren pflegt, gehört neben der Förderung auch die (Heraus-)Forderung. Der müssen sich die Drei stellen genauso wie ihre „Paten“ und Mannschaftskollegen Michal Bozek (32), Torsten Küster (47) und Christian Röder (31).

DONNERSTAG

Mit sieben (von zwölf) Mannschaften stellt der Handballkreis Kitzingen so viele wie noch nie in der Männer-Bezirksoberliga. Die Gefahr dabei: Bei möglichen drei Absteigern könnten „unsere“ Vereine stark vertreten sein. Erster Kandidat ist der TV Etwashausen, der seine vorjährige Zweite nun als erste Mannschaft ins Rennen schickt. Etwashausens Männer in einem Jahr sportlich unter der Bezirksoberliga beheimatet? Eigentlich unvorstellbar! Das große Plus: geringe Erwartungen und demzufolge großes Überraschungspotenzial.

FREITAG

Die 39. war die Kalenderwoche der Trainerentlassungen. André Schubert beim Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli, Dirk Bauermann beim Basketball-Erstligisten Bayern München und Dietmar Ruhl beim Fußball-Zehntligisten VfR Bibergau. Schubert (41) nach sechs Punkten in sieben Spielen und zuletzt einer 0:1-Heimniederlage gegen den Tabellensiebten Aalen. Bauermann (54) wenige Tage vor dem Saisonstart wegen „der unterschiedlichen Auffassung über die zukünftige Entwicklung des Basketballs beim FC Bayern München“, Ruhl (57) nach einem Punkt aus sechs Spielen wegen des „anhaltenden sportlichen Misserfolgs“ nach einem 0:1 bei Tabellenführer Effeldorf.

Drei Trainer, drei Geschichten. Was verbindet? Verärgerung und Enttäuschung. Was unterscheidet? Bauermann und Schubert, die davon leben, können sich in aller Ruhe einen neuen Verein suchen, wenn sie wollen. Die finanzielle Hängematte sollten sie als vorzeitig entlassene Trainer im Profibereich haben. Ruhl kann sich ebenfalls Zeit lassen. Er lebt nicht vom Sport, höchstens für den Sport. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.